Tat­be­stands­be­rich­tung und die Wer­tun­gen des Gerichts

Nach § 119 VwGO kön­nen nur die im Ur­teil ent­hal­te­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen be­rich­tigt wer­den, nicht die dar­auf be­zo­ge­nen Wer­tun­gen des Ge­richts. Daher wird eine auf ak­ten­wid­ri­gen Fest­stel­lun­gen be­ru­hen­de Ver­let­zung des Über­zeu­gungs­grund­sat­zes nach § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO nicht da­durch ge­heilt, dass die Ak­ten­wid­rig­keit im Wege der Tat­be­stands­be­rich­ti­gung be­ho­ben wird. Die Ent­schei­dung kann auch dann i.S.v. § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO auf einer ver­fah­rens­feh­ler­haf­ten Tat­sa­chen­fest­stel­lung be­ru­hen, wenn sich die­ser Man­gel nach der ma­ß­geb­li­chen Sach­ver­halts­wür­di­gung des Ge­richts nur zu­sam­men mit einem wei­te­ren, auf eine an­de­re Tat­sa­chen­fest­stel­lung be­zo­ge­nen Ver­fah­rens­feh­ler auf die­se aus­ge­wirkt haben kann.

Tat­be­stands­be­rich­tung und die Wer­tun­gen des Gerichts

Akten­wid­rig­keit liegt vor, wenn zwi­schen den in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Annah­men und dem inso­weit unum­strit­te­nen Akten­in­halt ein offen­sicht­li­cher Wider­spruch besteht [1].

Die Akten­wid­rig­keit ist nicht dadurch ent­fal­len, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auf Antrag der Klä­ge­rin den Tat­be­stand des ange­grif­fe­nen Urteils gemäß § 119 VwGO berich­tigt hat. Mit der Rüge der Akten­wid­rig­keit wird eine Ver­let­zung des Über­zeu­gungs­grund­sat­zes gel­tend gemacht. Der Über­zeu­gungs­grund­satz ist ver­letzt, wenn das Gericht sei­ner Sach­ver­halts­wür­di­gung Tat­sa­chen zugrun­de legt, die in offen­sicht­li­chem Wider­spruch zum Inhalt der vom Gericht bei­gezo­ge­nen Akten ste­hen, die zum Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens i.S.d. § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO gehö­ren [2]. Die­ser Ver­fah­rens­man­gel wird nicht dadurch geheilt, dass der Wider­spruch zwi­schen einer tat­säch­li­chen Fest­stel­lung und dem Akten­in­halt nach­träg­lich im Wege der Tat­be­stands­be­rich­ti­gung nach § 119 VwGO auf­ge­ho­ben wird. Berich­ti­gungs­fä­hig sind danach nur die im Urteil ent­hal­te­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen selbst, nicht die dar­auf bezo­ge­nen Wer­tun­gen des Gerichts. Somit kann eine Tat­be­stands­be­rich­ti­gung nicht den Man­gel einer auf einer unrich­ti­gen bzw. akten­wid­ri­gen Tat­sa­chen­fest­stel­lung beru­hen­den Über­zeu­gungs­bil­dung besei­ti­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Febru­ar 2012 – 9 B 77.11

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 01.04.2009 – 4 B 61.08, NVwZ 2009, 910 Rn. 3; und vom 30.06.2009 – 9 B 23.09 Rn. 10[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 02.02.1984 – 6 C 134.81, BVerw­GE 68, 338, 339 f.; Beschluss vom 30.06.2009 a.a.O.[]