Tier­hal­tungs- und Betreu­ungs­ver­bot

Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines Tier­hal­tungs- und Betreu­ungs­ver­bo­tes nach § 16a Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 TierSchG ist der Zeit­punkt der letz­ten behörd­li­chen Ent­schei­dung.

Tier­hal­tungs- und Betreu­ungs­ver­bot

Gemäß § 16 a Satz 2 Nr. 3 TierSchG 1 kann die zustän­di­ge Behör­de u.a. dem­je­ni­gen, der den Vor­schrif­ten des § 2 TierSchG wie­der­holt oder grob zuwi­der­han­delt und dadurch den von ihm gehal­te­nen Tie­ren erheb­li­che oder län­ger anhal­ten­de Schmer­zen oder Lei­den oder erheb­li­che Schä­den zuge­fügt hat, das Hal­ten und Betreu­en von Tie­ren einer bestimm­ten oder jeder Art unter­sa­gen, wenn Tat­sa­chen die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass er wei­ter­hin der­ar­ti­ge Zuwi­der­hand­lun­gen bege­hen wird.

Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit eines erlas­se­nen Hal­tungs- bzw. Betreu­ungs­ver­bo­tes ist der Zeit­punkt der letz­ten behörd­li­chen Ent­schei­dung 2. Es gibt kei­ne pro­zess­recht­li­che Norm mit dem Inhalt, dass es bei einer Anfech­tungs­kla­ge gegen einen Ver­wal­tungs­akt für die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Nach­prü­fung stets auf die Sach­la­ge im Zeit­punkt der letz­ten Ver­wal­tungs­ent­schei­dung und bei Dau­er­ver­wal­tungs­ak­ten dage­gen stets auf den Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung ankommt. Der maß­geb­li­che Zeit­punkt rich­tet sich viel­mehr nach dem mate­ri­el­lem Recht 3. Für den Fall der Gewer­be­un­ter­sa­gungs­ver­fü­gung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­führt, dass aus der geson­der­ten Rege­lung von Unter­sa­gungs- und Wie­der­ge­stat­tungs­ver­fah­ren und dem hier­bei zugrun­de­lie­gen­den gesetz­ge­be­ri­schen Motiv zu fol­gern sei, dass die Fra­ge der Unzu­ver­läs­sig­keit des Gewer­be­trei­ben­den nach der Sach­la­ge im Zeit­punkt der letz­ten Behör­den­ent­schei­dung zu beur­tei­len sei; eine spä­te­re güns­ti­ge Ände­rung der Ver­hält­nis­se müs­se der Betrof­fe­ne im Wie­der­ge­stat­tungs­ver­fah­ren gel­tend machen 4. Die­se Recht­spre­chung ist aus Sicht der Ver­wal­tungs­ge­richt auf das Tier­schutz­recht über­trag­bar. Denn auch hier ist in § 16 a Satz 2 Nr. 3 TierSchG ein Unter­sa­gungs- und Wie­der­ge­stat­tungs­ver­fah­ren nor­miert. Auch hier wird in § 16 a Satz 2 Nr. 3 TierSchG eine Art "tier­schutz­recht­li­che Unzu­ver­läs­sig­keit" defi­niert. Die­se Sicht­wei­se wird durch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en gestützt. In der Begrün­dung des Geset­zes­ent­wurfs zum ers­ten Gesetz zur Ände­rung des Tier­schutz­ge­set­zes vom 10.04.1985 5 heißt es im Hin­blick auf die Vor­gän­ger­re­ge­lung § 2 b TierSchG: "Die­se Maß­nah­me dient aus­schließ­lich dem vor­beu­gen­den Schutz der Tie­re und kommt ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn wegen man­geln­der cha­rak­ter­li­cher Eig­nung oder wegen Unzu­ver­läs­sig­keit des Tier­hal­ters die Gefahr besteht, dass von ihm gehal­te­nen Tie­ren erheb­li­che Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zuge­fügt wer­den. […] Auf Antrag ist das Ver­bot der Tier­hal­tung auf­zu­he­ben, wenn die Behör­de zu der Über­zeu­gung gelangt ist, dass die Fort­dau­er der prä­ven­ti­ven Tier­schutz­maß­nah­me nicht mehr erfor­der­lich ist." Hier­aus ist zu schlie­ßen, dass die Kon­trol­le der andau­ern­den Unzu­ver­läs­sig­keit nicht schon ins Ver­fah­ren hin­sicht­lich des Hal­tungs­ver­bots vor­ver­la­gert wer­den soll, son­dern in das Wie­der­ge­stat­tungs­ver­fah­ren gehört. Die Geset­zes­be­grün­dung betont auf­fäl­lig den prä­ven­ti­ven Cha­rak­ter der Maß­nah­me. Es ent­spricht vor die­sem Hin­ter­grund am ehes­ten dem gesetz­ge­be­ri­schen Ziel, wenn im Hin­blick auf den (effek­ti­ven) vor­beu­gen­den Schutz auf den Zeit­punkt der behörd­li­chen Ent­schei­dung abge­stellt wird und nicht auf den Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 12. März 2014 – 11 A 4706/​12

  1. in der bis zum 12.07.2013 gül­ti­gen Fas­sung[]
  2. vgl. OVG Lüne­burg, Urteil vom 11.02.1999 – 3 L 928/​96 – 5; Baye­ri­scher VGH, Beschluss vom 31.05.2005 – 25 ZB 04.3457 – 5; sowie VG Arns­berg, Urteil vom 04.06.2007 – 14 K 2581/​06 – 48; a.A. Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung: Baye­ri­scher VGH, Urteil vom 10.09.2012 – 9 B 11.1216 – 28; VG Karls­ru­he, Beschluss vom 16.01.2014 – 3 K 3444/​13 – 49 sowie VG Ber­lin, Beschluss vom 19.02.2013 – 24 L 25.13 – 14; offen gelas­sen: OVG Lüne­burg, Beschluss 7.02.2013 – 11 ME 321/​12; sowie OVG NRW, Beschluss vom 14.06.2011 – 5 B 412/​11 – 11[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 23.11.1990 – 1 B 155/​90 – 3, m.w.N.; sowie BVerwG, Urteil vom 29.03.1996 – 1 C 28/​94 –15, m.w.N.[]
  4. so BVerwG, Beschluss vom 23.11.1990 – 1 B 155/​90 – 4 mit Ver­weis auf BVerwG, Urteil vom 02.02.1982 – 1 C 146/​80 –, BVerw­GE 65, 1-8[]
  5. Bt-Drs. 10/​3158[]