Tier­impf­stoff­zen­trum neben dem Wohn­ge­biet

Es ver­stößt nicht gegen den Tren­nungs­grund­satz des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes, wenn ein Bebau­ungs­plan die Errich­tung eines Tier­impf­stoff­zen­trum in unmit­tel­ba­rer Nähe zur Tier­ärzt­li­chen Hoch­schu­le vor­sieht, obwohl sich in 500 m Ent­fer­nung ein Wohn­ge­biet befin­det.

Tier­impf­stoff­zen­trum neben dem Wohn­ge­biet

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig – wie zuvor bereits das Nie­der­säch­sich­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg 1 – ent­schie­den, dass der Bebau­ungs­plan der Stadt Han­no­ver (Antrags­geg­ne­rin), der die Ansied­lung eines For­schungs- und Pro­duk­ti­ons­zen­trums der Bei­gela­de­nen für die Ent­wick­lung von Tier­impf­stof­fen in unmit­tel­ba­rer Nähe zur Tier­ärzt­li­chen Hoch­schu­le vor­sieht, nicht zu bean­stan­den ist., und hat damit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg bestä­tigt.

Die Antrag­stel­ler, die den Bebau­ungs­plan angrei­fen, woh­nen ca. 500 Meter von der nächst­ge­le­ge­nen Bau­gren­ze des Plan­ge­bie­tes ent­fernt. Sie befürch­ten Gesund­heits­ge­fah­ren, ins­be­son­de­re durch luft­ge­tra­ge­ne Krank­heits­er­re­ger (sog. Bio­ae­ro­so­le) und gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men sowie unzu­mut­ba­re Beläs­ti­gun­gen u.a. durch den Geruch der dort gehal­te­nen Tie­re. Der Bebau­ungs­plan ver­zich­tet auf eine räum­li­che Tren­nung des Vor­ha­bens von der umlie­gen­den Bebau­ung. Erlaubt sind nur gen­tech­ni­sche Anla­gen, die maxi­mal Sicher­heits­stu­fe 3 nach dem Gen­tech­nik­ge­setz ent­spre­chen und bei denen Hoch­leis­tungs­ge­we­be­fil­ter (sog. HEPA-Fil­ter) ein­ge­setzt wer­den. Im Übri­gen ver­weist der Bebau­ungs­plan die Kon­flikt­lö­sung in das nach­fol­gen­de gen­tech­nik­recht­li­che Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat ent­schie­den, dass der Bebau­ungs­plan nicht gegen den sog. Tren­nungs­grund­satz des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes ver­stößt (§ 50 Satz 1 Alt. 1 BIm­SchG). Die Antrags­geg­ne­rin durf­te auf eine Prü­fung von Stand­or­tal­ter­na­ti­ven ver­zich­ten und der Nähe zur Tier­ärzt­li­chen Hoch­schu­le ein höhe­res Gewicht als dem Gesichts­punkt der räum­li­chen Tren­nung des Tier­impf­stoff­zen­trums von der umlie­gen­den Bebau­ung bei­mes­sen. Auch durf­te sie die Bewäl­ti­gung mög­li­cher Kon­flik­te durch Bio­ae­ro­so­le und gen­tech­nisch ver­än­der­te Orga­nis­men in das nach­fol­gen­de Ver­fah­ren der gen­tech­nik­recht­li­chen Geneh­mi­gung ver­la­gern. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist davon aus­ge­gan­gen, dass die Aus­wir­kun­gen auf die Nach­bar­schaft im Hin­blick auf Bio­ae­ro­so­le sich bei Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben des Gen­tech­nik­rechts auf ein Rest­ri­si­ko beschrän­ken. Das Rest­ri­si­ko, das nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts dar­in besteht, dass der Aus­tritt von Bio­ae­ro­so­len nicht zu 100%, son­dern nur zu über 99,99% durch die für Arbei­ten der Sicher­heits­stu­fe 3 vor­ge­schrie­be­ne Fil­ter­tech­nik ver­hin­dert wer­den kann, muss­te die Antrags­geg­ne­rin nicht zum Anlass neh­men, bereits im Bebau­ungs­plan pla­ne­risch Vor­sor­ge durch eine räum­li­che Tren­nung zu tref­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. April 2012 – 4 CN 3.11

  1. Nds. OVG, Urteil vom 12.01.2011 – 1 KN 28/​10[]