Til­gungs­frist im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter in Alt­fäl­len

Was im Sin­ne von § 65 Abs. 9 Satz 1 Halbs. 2 StVG einer zehn­jäh­ri­gen Til­gungs­frist ent­spricht, er­gibt sich aus § 29 StVG n.F. ein­schlie­ß­lich der Re­ge­lung über den Be­ginn der Til­gungs­frist in § 29 Abs. 5 Satz 1 StVG und der Re­ge­lung über eine Hem­mung des Ab­laufs der Til­gungs­frist in § 29 Abs. 6 StVG 1.

Til­gungs­frist im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter in Alt­fäl­len

Sofern Ein­tra­gun­gen im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter vor dem 1. Janu­ar 1999 erfolgt sind, rich­tet sich deren Til­gung und Ver­wert­bar­keit nach § 65 Abs. 9 StVG; hier­nach wer­den Ent­schei­dun­gen, die vor dem 1. Janu­ar 1999 im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den sind, bis zum 1. Janu­ar 2004 nach den Bestim­mun­gen des § 29 in der bis zum 1. Janu­ar 1999 gel­ten­den Fas­sung in Ver­bin­dung § 13a der Stra­ßen­ver­kehrs-Zulas­sungs-Ord­nung getilgt; die Ent­schei­dun­gen dür­fen nach § 52 Abs. 2 des Bun­des­zen­tral­re­gis­ter­ge­set­zes in der bis zum 31. Dezem­ber 1998 gel­ten­den Fas­sung ver­wer­tet wer­den, jedoch längs­tens bis zu dem Tag, der einer zehn­jäh­ri­gen Til­gungs­frist ent­spricht.

Die­se spe­zi­el­le und damit auch gegen­über § 29 Abs. 8 Satz 1 StVG Vor­rang bean­spru­chen­de Über­gangs­re­ge­lung in § 65 Abs. 9 StVG ermög­licht eine Ver­wer­tung sol­cher Alt­ein­tra­gun­gen im dort beschrie­be­nen Umfang auch dann, wenn die­se Ein­tra­gung nach Maß­ga­be des Alt­rechts bereits im Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter getilgt wor­den ist. Denn gemäß § 52 Abs. 2 BZRG in der bis zum 31. Dezem­ber 1998 gel­ten­den Fas­sung darf eine frü­he­re Tat abwei­chend von § 51 Abs. 1 in einem Ver­fah­ren berück­sich­tigt wer­den, das die Ertei­lung oder Ent­zie­hung einer Fahr­erlaub­nis zum Gegen­stand hat, wenn die Ver­ur­tei­lung wegen die­ser Tat in das Ver­kehrs­zen­tral­re­gis­ter ein­zu­tra­gen war. Hier­nach konn­ten Ein­tra­gun­gen im Ver­kehr­zen­tral­re­gis­ter trotz Til­gungs­rei­fe in sol­chen Ver­fah­ren ohne zeit­li­che Begren­zung berück­sich­tigt wer­den (so genann­te ewi­ge Ver­wer­tung 2).

Aller­dings wur­de die­se umfas­sen­de Ver­wert­bar­keit spä­ter mit dem durch das Gesetz zur Ände­rung des Stra­ßen­ver­kehrs­ge­set­zes und ande­rer stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 19. März 2001 3 in § 65 Abs. 9 Satz 1 StVG ein­ge­füg­ten Halb­satz 2 bis längs­tens zu dem Tag beschränkt, „der einer zehn­jäh­ri­gen Til­gungs­frist ent­spricht“. Mit die­ser Befris­tung auf zehn Jah­re soll­te aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung 4 ein Gleich­stand mit der ab 1. Janu­ar 1999 gel­ten­den Neu­re­ge­lung her­ge­stellt wer­den. Sie sieht unter ande­rem für die hier in Rede ste­hen­den Ver­kehrs­ver­stö­ße eine Til­gungs­frist und damit auch eine Ver­wert­bar­keit von zehn Jah­ren vor; für Beginn und Ablauf der Til­gungs­frist sind § 29 Abs. 5 und 6 StVG zu beach­ten. Aus der gesetz­ge­be­ri­schen Absicht, mit der in der dar­ge­stell­ten Wei­se ergänz­ten Über­gangs­re­ge­lung des § 65 Abs. 9 StVG eine Gleich­be­hand­lung von den unter die Über­gangs­re­ge­lung fal­len­den Alt­fäl­len mit den unter das neue Recht fal­len­den Sach­ver­hal­ten zu errei­chen, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geschlos­sen, dass sich das, was im Sin­ne von Halb­satz 2 einer zehn­jäh­ri­gen Til­gungs­frist „ent­spricht“, aus § 29 StVG n.F. ein­schließ­lich der Rege­lung über den Beginn der Til­gungs­frist in § 29 Abs. 5 Satz 1 StVG ergibt 5.

Es liegt mit Blick auf die vom Gesetz­ge­ber mit die­ser Ergän­zung ver­folg­te Absicht einer Gleich­be­hand­lung von Alt- und Neu­fäl­len auf der Hand, dass das, was der Senat im genann­ten Urteil in Bezug auf den in § 29 Abs. 5 Satz 1 StVG gere­gel­ten Beginn der Til­gungs­frist bereits aus­drück­lich ent­schie­den hat, Gel­tung auch für die Hem­mung des Ablaufs der Til­gungs­frist durch spä­te­re Ein­tra­gun­gen gemäß § 29 Abs. 6 StVG n.F. bean­sprucht. Kann nach § 29 Abs. 6 StVG bei Neu­fäl­len eine Ablauf­hem­mung ein­tre­ten, muss das glei­cher­ma­ßen bei Alt­fäl­len gel­ten. Im dama­li­gen Urteil wur­de § 29 Abs. 5 Satz 1 StVG, da es in jenem Fall aus­schließ­lich auf die­se Rege­lung ankam, nur exem­pla­risch neben dem eben­falls auf­ge­führ­ten § 29 StVG genannt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Mai 2012 – 3 B 65.11

  1. Fort­füh­rung der Recht­spre­chung aus BVerwG, Ur­teil vom 09.06.2005 – 3 C 21.04, Buch­holz 442.10 § 2 StVG Nr. 11[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 12.07.2001 – 3 C 14.01, Buch­holz 442.10 § 65 StVG Nr. 1 S. 4 = NVwZRR 2002, 93[]
  3. BGBl I S. 386[]
  4. vgl. BT-Drucks 14/​4304 S. 14[]
  5. BVerwG, Urteil vom 09.06.2005 – 3 C 21.04, Buch­holz 442.10 § 2 StVG Nr. 11 Rn. 30 = NJW 2005, 3440 m.w.N.[]