Tuning in Deutschland – was ist erlaubt?

Eine große Anzahl von Autoherstellern mit unzähligen Modellen und Modellvarianten, sowie auch die Globalisierung haben dafür gesorgt, dass insgesamt deutlich mehr verschiedene Automodelle zur Verfügung stehen, als es noch vor 30 oder 40 Jahren der Fall war. Verschiedene Motoren, Ausstattungspakete und individuelle Konfigurationen bei der Neuwagenbestellung sollten eigentlich jeden Wunsch erfüllen. Dennoch ist der Wunsch nach einem individuellen Auto bei vielen Leuten geblieben. Hier setzt das Tuning an, mit welchem der Autobesitzer sein Auto unverwechselbar und häufig auch leistungsfähiger machen kann.

Tuning in Deutschland – was ist erlaubt?

Änderungen am Fahrzeug

Grundsätzlich lässt sich das komplette Fahrzeug nach Kundenwunsch ändern, sofern geltende Gesetze und Vorschriften nicht verletzt werden. Hier spricht man dann aber nicht mehr von Tuning, sondern von Customizing.

Einzelne Änderungen am Fahrzeug hingegen fallen unter den Begriff Tuning und auch hier gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Das fängt bei der Lackierung an, geht über Anbauteile an der Karosserie, anderen Felgen und Reifen (meist die sogenannten Alu-Felgen oder geschmiedete Leichtmetallräder), einem Sportauspuff mit satterem Klang und hört im Innenraum nicht auf.

Besonders häufig lassen sich Autobesitzer auch den Motor tunen, also stärker machen. Eine höhere Leistung und ein stärkeres Drehmoment sind hier das gewünschte Ziel, seltener auch ein Minderverbrauch.

Eine Menge Dinge, die man am Fahrzeug ändern kann, sind (mit gewissen Regeln und Grenzen) erlaubt. Andere Dinge hingegen verstoßen gegen Gesetze wie z.B. StVG (Straßenverkehrsgesetz) , StVZO (Straßenverkehrszulassungsverordnung) und FVZ (Fahrzeugzulassungsverordnung).

Die amtliche genehmigte Bauart

§22a der StVZO besagt, dass bestimmte Einrichtungen am Fahrzeug nur in einer amtlich genehmigten Bauart verwendet werden dürfen. Vor allem geht es um Teile, die besonders sicherheitsrelevant für das Fahrzeug sind. Dazu gehören zum Beispiel die Reifen, alle Beleuchtungselemente, die Bremsen, der Motor und Abgasstrang, Anbauteile und einiges mehr.

Zudem darf auch die Akustik des Fahrzeugs nicht einfach ohne eine entsprechende genehmigte Bauart verändert werden.

In der Regel muss nach dem Einbau eines Teils mit amtlich genehmigter Bauart eine Abnahme durch einen Sachverständigen erfolgen. Dieser stellt, vorausgesetzt es ist alles einwandfrei montiert und für das entsprechende Fahrzeug zugelassen, eine Anbaubescheinigung aus.

Die ABE für Tuning-Zubehör

Es gibt eine Reihe von Tuningteilen, die mit einer ABE, also einer allgemeinen Betriebserlaubnis, verkauft werden. Hier gilt, dass der Anbau zunächst unbedenklich ist und keine Abnahme nötig wird. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die ABE im Original im Fahrzeug mitgeführt werden muss. Eine Kopie ist nicht erlaubt.

Auch bei der ABE gibt es Ausnahmen. Werden verschiedene Teile so miteinander kombiniert, dass diese Einfluss aufeinander haben, wird wiederrum doch eine Einzelabnahme fällig. Dies könnte z.B. der Fall sein, wenn Sportauspuff und Chiptuning miteinander kombiniert werden oder das Sportlenkrad mit einem Satz neuer Räder.

Betriebserlaubnis und KFZ-Versicherung beim Tuning

Es gilt, dass sich immer peinlich genau an die Beschränkungen und Auflagen der entsprechenden Tuningteile zu halten ist. Das Fahren des Fahrzeugs unter Umgehung solcher Auflagen führt zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und das Nutzen des Fahrzeugs ist verboten. Das Fahren ohne Betriebserlaubnis ist eine Ordnungswidrigkeit und wird entsprechend mit einem heftigen Bußgeld sanktioniert. Das Fahrzeug kann darüber hinaus auch direkt vor Ort von der Polizei stillgelegt werden.

Was sich zunächst nur als einfache Ordnungswidrigkeit darstellt, zieht allerdings in Folge noch ein viel größeres Problem nach sich. So verliert das Fahrzeug ohne Betriebserlaubnis praktisch immer den Versicherungsschutz. Dies wiegt natürlich besonders schwer, wenn ein Unfall passiert. In der Regel nimmt die Versicherung Vorsatz an und wird zwar alle Schäden erstatten, diese aber vom Fahrzeughalter nach Abwicklung des Schadens zurück fordern. Auf diese Weise sind schon ganze Existenzen zerstört worden.

Tuning außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs

Abseits öffentlicher Straßen, also auf Privatgrund, darf nach Herzenslust getunt werden. Dies gilt z.B. für die Rennstrecken dieser Welt ebenso, wie für die (hoffentlich) genehmigte Fahrt mit dem Geländemotorrad in einer Kiesgrube oder das Kart auf dem eigenen Firmenparkplatz.

Hier gelten die Regeln von StVZO, StVG und FVZ zunächst nicht, allerdings müssen andere geltende Gesetze ebenfalls eingehalten werden (z.B. Lärmschutz, Umweltschutz, etc.).

Es gilt ferner zu beachten, dass man die dort zu verwendenden Fahrzeuge nicht einen Meter im öffentlichen Straßenverkehr bewegen darf. Sie müssen mit entsprechenden Hilfsmitteln (z.B. einem Hänger) transportiert werden.

Fazit

Tuning eröffnet eine Menge Möglichkeiten, sein Fahrzeug individuell zu gestalten. Allerdings hat sich jeder, der am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen möchte, an Auflagen und Spielregeln zu halten.