Über­lan­ge Ver­wal­tungs­ge­richts­ver­fah­ren – und kei­ne Ent­schä­di­gung für die betei­lig­te Kommune

Kom­mu­nen und kom­mu­na­len Zweck­ver­bän­den steht wegen über­lan­ger Dau­er von Ver­wal­tungs­rechts­strei­tig­kei­ten mit Bür­gern regel­mä­ßig kei­ne Ent­schä­di­gung zu. Kom­mu­nen und kom­mu­na­le Zweck­ver­bän­de kön­nen nur dann einen Anspruch auf Ent­schä­di­gung wegen über­lan­ger Dau­er eines ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens haben, wenn sie in die­sem Ver­fah­ren ein Selbst­ver­wal­tungs­recht gegen­über einem ande­ren Trä­ger öffent­li­cher Gewalt gel­tend gemacht haben.

Über­lan­ge Ver­wal­tungs­ge­richts­ver­fah­ren – und kei­ne Ent­schä­di­gung für die betei­lig­te Kommune

Die­ser Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts lagen meh­re­re Fäl­le einer bran­den­bur­gi­schen Stadt sowie eines dort ansäs­si­gen kom­mu­na­len Was­ser­ver­ban­des zugrun­de. Die Stadt sowoie der kom­mu­na­le Was­ser­ver­band begeh­ren von dem beklag­ten Land Bran­den­burg jeweils eine Ent­schä­di­gung wegen der über­lan­gen Dau­er von abga­ben­recht­li­chen Ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt. In die­sen Ver­wal­tungs­rechts­strei­tig­kei­ten hat­ten Bür­ger Bei­trags- oder Gebüh­ren­be­schei­de ange­foch­ten, die von Stadt bzw. Was­ser­ver­band als Trä­ger der ört­li­chen Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­sei­ti­gung erlas­sen wor­den waren.

Nach dem Abschluss die­ser als über­lang gerüg­ten Gerichts­ver­fah­ren haben die Stadt und der kom­mu­na­le Was­ser­ver­band Ent­schä­di­gungs­kla­gen gegen das Land erho­ben, die das dafür erst­in­stanz­lich zustän­di­ge Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg abge­wie­sen hat1. Die dage­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Stadt und des kom­mu­na­len Was­ser­ver­bands hat­ten nun auch vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Erfolg:

Die Stadt und der kom­mu­na­le Was­ser­ver­band haben schon des­halb kei­nen Anspruch auf Ent­schä­di­gung wegen über­lan­ger Ver­fah­rens­dau­er, weil sie nicht als ent­schä­di­gungs­be­rech­tig­te Ver­fah­rens­be­tei­lig­te des jeweils als über­lang gerüg­ten Gerichts­ver­fah­rens im Sin­ne der Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung des § 198 GVG anzu­se­hen sind. Dazu zäh­len Trä­ger der öffent­li­chen Ver­wal­tung wie die hier kla­gen­de Stadt oder ein kom­mu­na­ler Zweck­ver­band nur dann, wenn sie in Wahr­neh­mung eines (kom­mu­na­len) Selbst­ver­wal­tungs­rechts an dem Ver­fah­ren betei­ligt gewe­sen sind (§ 198 Abs. 6 Nr. 2 GVG). Das ist in ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Strei­tig­kei­ten nur dann der Fall, wenn es sich um einen Streit mit einem ande­ren Trä­ger öffent­li­cher Gewalt (etwa der Rechts­auf­sichts­be­hör­de) han­delt, nicht aber in Strei­tig­kei­ten, wel­che die Gemein­de oder der Was­ser­ver­band als Trä­ger der öffent­li­chen Ver­wal­tung mit einem Bür­ger führt.

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Denn unab­hän­gig davon, ob das Selbst­ver­wal­tungs­recht – wie für Gemein­den – im Grund­ge­setz selbst gere­gelt oder wie – im Fall des Was­ser­ver­ban­des – durch (ein­fa­ches) Geset­zes­recht begrün­det ist, han­delt es sich dabei um ein Kom­pe­tenz­recht, das nur durch einen ande­ren Trä­ger öffent­li­cher Ver­wal­tung ver­letzt und die­sem gegen­über ver­wal­tungs­ge­richt­lich gel­tend gemacht wer­den kann, nicht aber gegen­über einem Bürger.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 26. Febru­ar 2021 – 5 C 15.19 D, 5 C 16.19 D und 5 C 17.19 D

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 01.10.2019 – 3 A 7.18, 3 A 1.19 und 3 A 4.19[]

Bild­nach­weis:

  • Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig: Robert Windisch