Über­nah­me der Schü­ler­fahr­kos­ten

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat einer Kla­ge gegen die Stadt Wip­per­fürth statt­ge­ge­ben, nach der Schü­ler der 10. Klas­se eines G‑8-Gym­na­si­ums den glei­chen Anspruch auf Über­nah­me der Schü­ler­fahr­kos­ten wie Schü­ler der 10. Klas­se ande­rer Schul­for­men haben. Das Köl­ner Gericht schloss sich damit ähn­li­chen Ent­schei­dun­gen der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Aachen und Gel­sen­kir­chen aus dem Jahr 2011 an.

Über­nah­me der Schü­ler­fahr­kos­ten

Der Sohn der Klä­ger besuch­te im Schul­jahr 2010/​1011 die 10. Klas­se eines etwa 4 Kilo­me­ter von der Woh­nung ent­fern­ten G‑8-Gym­na­si­ums in Wip­per­fürth. Mit dem Ein­tritt in die 10. Klas­se hat­te für ihn bereits die Ober­stu­fe begon­nen. Nach­dem die Stadt Wip­per­fürth wäh­rend der Sekun­dar­stu­fe I die Fahr­kos­ten über­nom­men hat­te, lehn­te sie eine Über­nah­me ab Ein­tritt in die gym­na­sia­le Ober­stu­fe ab. Die Schü­ler­fahr­kos­ten­ver­ord­nung sieht vor, dass Fahr­kos­ten dann zu über­neh­men sind, wenn der Schul­weg für Schü­ler der Sekun­dar­stu­fe I mehr als 3,5 km und der Sekun­dar­stu­fe II mehr als 5 km beträgt. Ist die Ent­fer­nung zwi­schen Schu­le und Woh­nung gerin­ger, kommt eine Über­nah­me nur in Betracht, wenn der Schul­weg beson­ders gefähr­lich ist.

Die Eltern hat­ten damit argu­men­tiert, der Schul­weg sei wegen der ört­li­chen Ver­kehrs­ver­hält­nis­se auf einer Land­stra­ße ohne Geh­weg beson­ders gefähr­lich. Dem folg­te das Gericht zwar nicht, gab der Kla­ge aber aus einem ande­ren Grund statt: Aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz fol­ge, dass für Schü­ler der 10. Klas­se an einem Gym­na­si­um die­sel­be Ent­fer­nungs­gren­ze von 3,5 km gel­ten müs­se wie für Schü­ler der 10. Klas­se an Gesamt‑, Real- und Haupt­schu­len. Die Schü­ler­fahr­kos­ten­ver­ord­nung sei in die­sem Sin­ne ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen. In der Ver­ord­nung sei­en die unter­schied­li­chen Ent­fer­nungs­gren­zen fest­ge­setzt, weil Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Sekun­dar­stu­fe I wegen ihres Alters als phy­sisch weni­ger belast­bar ange­se­hen wür­den als älte­re Schü­ler. Vor die­sem Hin­ter­grund spre­che nichts dafür, dass die Bewäl­ti­gung des Schul­we­ges von 5 km den Gym­na­si­as­tin­nen und Gym­na­si­as­ten der G‑8-Schu­len ein Jahr frü­her zumut­bar sein sol­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2011 – 10 K 7913/​10