Über­nah­me von Fremd­an­lie­ger­kos­ten in einem Erschlie­ßungs­ver­trag

Ein Erschlie­ßungs­ver­trag ist nicht schon des­halb unan­ge­mes­sen im Sin­ne von § 124 Abs. 3 Satz 1 Bau­GB und damit nich­tig, weil sich der Erschlie­ßungs­un­ter­neh­mer in dem Ver­trag zur Über­nah­me von Erschlie­ßungs­kos­ten ver­pflich­tet, die bei öffent­lich-recht­li­cher Bei­trags­er­he­bung auf im Erschlie­ßungs­ver­trags­ge­biet gele­ge­ne Grund­stü­cke sog. Fremd­an­lie­ger ent­fie­len.

Über­nah­me von Fremd­an­lie­ger­kos­ten in einem Erschlie­ßungs­ver­trag

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te sich ein pri­va­ter Unter­neh­mer gegen­über der kla­gen­den Stadt ver­trag­lich dazu ver­pflich­tet, ein Bau­ge­biet zu erschlie­ßen. Der Erschlie­ßungs­ver­trag sah u.a. vor, dass der Unter­neh­mer auch den Anteil der Erschlie­ßungs­kos­ten tra­gen soll­te, der bei öffent­lich-recht­li­cher Bei­trags­er­he­bung auf Grund­stü­cke ent­fal­len wür­de, die weder der Stadt noch dem Unter­neh­mer gehör­ten (sog. Fremd­an­lie­ger). Nach Durch­füh­rung der Erschlie­ßungs­ar­bei­ten nahm die Stadt den Unter­neh­mer auf­grund einer beson­de­ren Abrech­nungs­klau­sel des Ver­tra­ges auf Zah­lung eines Aus­gleichs­be­tra­ges in Anspruch.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Zah­lungs­kla­ge für unbe­grün­det erklärt, weil der Erschlie­ßungs­ver­trag nich­tig sei [1]. Er ver­sto­ße, so die Schles­wi­ger Rich­ter, gegen das Ange­mes­sen­heits­ge­bot des § 123 Abs. 1 Satz 2 LVwG SH, weil der Beklag­te im Ergeb­nis auch mit Kos­ten­an­tei­len belas­tet wer­de, die im Fal­le einer öffent­lich-recht­li­chen Bei­trags­er­he­bung nicht ihm, son­dern allein Fremd­an­lie­gern auf­er­legt wer­den könn­ten.

Auf die Revi­si­on der beklag­ten Stadt hin hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die­se Auf­fas­sung bean­stan­det: Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt lege einen unzu­tref­fen­den Maß­stab an, weil es den Ver­trag an § 123 LVwG SH und nicht an der spe­zi­el­le­ren Vor­schrift des § 124 Bau­GB über die Zuläs­sig­keit und den Inhalt von Erschlie­ßungs­ver­trä­gen mes­se. § 124 Abs 2 Satz 2 Bau­GB gestat­te es aus­drück­lich, dass der Erschlie­ßungs­un­ter­neh­mer sich gegen­über der Gemein­de ver­pflich­tet, die Erschlie­ßungs­kos­ten ganz oder teil­wei­se zu über­neh­men, und zwar unab­hän­gig davon, ob die Erschlie­ßungs­an­la­gen nach Bun­des- oder Lan­des­recht bei­trags­fä­hig sind. Dies schlie­ße es aus, allein schon wegen der Über­bür­dung von Fremd­an­lie­ger­kos­ten die ver­trag­li­chen Leis­tun­gen als nicht ange­mes­sen i.S.v. § 124 Abs. 3 Satz 1 Bau­GB anzu­se­hen. Ob Letz­te­res der Fall sei, kön­ne nur unter Berück­sich­ti­gung der gesam­ten Umstän­de des kon­kre­ten Ver­tra­ges beur­teilt wer­den. Da es im Streit­fall an den hier­für erfor­der­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen fehl­te, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Sache an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. August 2011 – 9 C 6.10

  1. Schles­wig-Holst. OVG, Urteil vom 15.05.2009 – 2 LB 67/​08[]