Über­stel­lung eines Asyl­su­chen­den nach Ita­li­en

Nach der aktu­el­len Erkennt­nis­mit­tel­la­ge ist nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Olden­burg davon aus­zu­ge­hen, dass das Asyl- und Auf­nah­me­ver­fah­ren in Ita­li­en nicht mit sys­te­mi­schen Män­geln behaf­tet ist.

Über­stel­lung eines Asyl­su­chen­den nach Ita­li­en

Rechts­grund­la­ge für die Abschie­bungs­an­ord­nung ist § 34 a Abs. 1 AsylVfG. Danach ord­net das Bun­des­amt dann, wenn ein Aus­län­der in einen siche­ren Dritt­staat (§26 a) oder in einen für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­di­gen Staat (§27 a) abge­scho­ben wer­den soll, die Abschie­bung in die­sen Staat an, sobald fest­steht, dass sie durch­ge­führt wer­den kann. Gem. § 27 a AsylVfG ist ein Asyl­an­trag unzu­läs­sig, wenn ein ande­rer Staat auf­grund von Rechts­vor­schrif­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft oder eines völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­dig ist. Die Anord­nung der Abschie­bung als Zwangs­mit­tel beruht vor­lie­gend auf der voll­zieh­ba­ren Grund­ver­fü­gung im Bescheid des Bun­des­am­tes, dass der Asyl­an­trag des Asyl­be­wer­bers gem. § 27a AsylVfG unzu­läs­sig ist, weil Ita­li­en für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­dig ist. Die Grund­ver­fü­gung ist voll­zieh­bar, weil die Kla­ge des Asyl­be­wer­bers gegen die­se Ent­schei­dung gem. § 75 Abs. 1 AsylVfG kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung hat.

Die Abschie­bungs­an­ord­nung ist aller Vor­aus­sicht nach auch recht­mä­ßig, weil Ita­li­en für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens zustän­dig ist und fest­steht, dass die Abschie­bung dort­hin durch­ge­führt wer­den kann, also die Abschie­bung weder wegen inlands­be­zo­ge­ner Voll­stre­ckungs­hin­der­nis­se noch wegen der Unmög­lich­keit ihrer Durch­füh­rung aus­zu­set­zen ist.

Die Zustän­dig­keit für die Durch­füh­rung des Asyl­ver­fah­rens rich­tet sich vor­lie­gend nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 343/​2003 des Rates vom 18.02.2003 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Bestim­mung des Mit­glieds­staa­tes, der für die Prü­fung eines von einem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen in einem Mit­glied­staat gestell­ten Asyl­an­tra­ges zustän­dig ist 1 – Dub­lin II-VO. Die Zustän­dig­keits­kri­te­ri­en der Dub­lin II-VO fin­den nach Art. 49 Abs. 2 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 604/​2013 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2013 zur Fest­le­gung der Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren zur Bestim­mung des Mit­glied­staa­tes, der für die Prü­fung eines von einem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­gen oder Staa­ten­lo­sen in einem Mit­glied­staat gestell­ten Antrags auf inter­na­tio­na­len Schutz zustän­dig ist (Neu­fas­sung) 2Dub­lin III-VO – auf Asyl­an­trä­ge, die vor dem 1.01.2014 gestellt wor­den sind, wei­ter­hin Anwen­dung. Hier hat der Asyl­be­wer­ber am 25.09.2013 in der Bun­des­re­pu­blik einen Asyl­an­trag gestellt. Auf­grund der Vor­schrift des Art. 5 Abs. 2 Dub­lin II-VO, nach der bei der Bestim­mung des nach den Kri­te­ri­en der Dub­lin II-VO zustän­di­gen Mit­glieds­staats von der Situa­ti­on aus­ge­gan­gen wird, die zu dem Zeit­punkt gege­ben ist, zu dem der Asyl­be­wer­ber sei­nen Antrag zum ers­ten Mal in einem Mit­glied­staat stellt, ist Ita­li­en zustän­dig, da der Asyl­be­wer­ber aus­weis­lich des Wie­der­auf­nah­me­ge­suchs der Antrags­geg­ne­rin vom 13.12 2013 am 23.05.2011 in Ita­li­en sei­nen ers­ten Asyl­an­trag gestellt hat (Art. 13 Dub­lin II-VO).

Die Zustän­dig­keit Ita­li­ens ist auch nicht nach den Vor­schrif­ten über die Wie­der­auf­nah­me aus­nahms­wei­se auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land über­ge­gan­gen. Die Moda­li­tä­ten des Wie­der­auf­nah­me­ver­fah­rens sind vor­lie­gend gem. Art. 49 Abs. 2 Satz 1 Dub­lin III-VO eben­falls anhand der Dub­lin II-VO zu prü­fen, da das Wie­der­auf­nah­me­ge­such der Antrags­geg­ne­rin an Ita­li­en am 13.12 2013 gestellt wor­den ist. Die unab­hän­gig vom Zeit­punkt der Asyl­an­trag­stel­lung ab dem 1.01.2014 vor­ge­se­he­ne Anwend­bar­keit der Dub­lin III-VO für Auf­nah­me- und Wie­der­auf­nah­me­ge­su­che bezieht sich jeden­falls nicht auf – wie hier – bereits vor die­sem Stich­tag gestell­te (und abge­schlos­se­ne) Gesu­che. Die zustän­di­ge ita­lie­ni­sche Behör­de hat dem Gesuch nicht aus­drück­lich zuge­stimmt, so dass die Zustän­dig­keit Ita­li­ens mit Ablauf von zwei Wochen nach Stel­lung des Gesuchs gem. Art.20 Abs. 1 c Dub­lin II-VO begrün­det wor­den ist.

Es lie­gen auch kei­ne Umstän­de vor, die die Zustän­dig­keit Ita­li­ens in Durch­bre­chung des Sys­tems der Bestim­mun­gen der Dub­lin-Ver­ord­nun­gen ent­fal­len lie­ßen.

Dem Gemein­sa­men Euro­päi­schen Asyl­sys­tem, zu dem ins­be­son­de­re die Dub­lin-Ver­ord­nun­gen gehö­ren, liegt die Ver­mu­tung zugrun­de, dass jeder Asyl­be­wer­ber in jedem Mit­glied­staat gemäß den Anfor­de­run­gen der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on 3, des Abkom­mens über die Rechts­stel­lung der Flücht­lin­ge vom 28.07.1951 4 sowie der Euro­päi­schen Kon­ven­ti­on der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten vom 04.11.1950 5 behan­delt wird. Es gilt daher die Ver­mu­tung, dass Asyl­be­wer­bern in jedem Mit­glieds­staat eine Behand­lung ent­spre­chend den Erfor­der­nis­sen der Char­ta, der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on – GFK – und der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on – EMRK – zukommt.

Die die­sem „Prin­zip des gegen­sei­ti­gen Ver­trau­ens” 6 bzw. dem „Kon­zept der nor­ma­ti­ven Ver­ge­wis­se­rung” 7 zugrun­de lie­gen­de Ver­mu­tung ist jedoch dann als wider­legt zu betrach­ten, wenn den Mit­glied­staa­ten „nicht unbe­kannt sein kann”, also ernst­haft zu befürch­ten ist, dass dem Asyl­ver­fah­ren ein­schließ­lich sei­ner Auf­nah­me­be­din­gun­gen in einem zustän­di­gen Mit­glied­staat der­art grund­le­gen­de, sys­te­mi­sche Män­gel anhaf­ten, dass für dort­hin über­stell­te Asyl­be­wer­ber die Gefahr besteht, einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­den Behand­lung im Sin­ne von Art. 4 GR-Char­ta aus­ge­setzt zu wer­den 8. In einem sol­chen Fall ist die Prü­fung anhand der Zustän­dig­keits­kri­te­ri­en der Dub­lin-Ver­ord­nun­gen fort­zu­füh­ren, um fest­zu­stel­len, ob anhand der wei­te­ren Kri­te­ri­en ein ande­rer Mit­glied­staat als für die Prü­fung des Asyl­an­tra­ges zustän­dig bestimmt wer­den kann; ist zu befürch­ten, dass durch ein unan­ge­mes­sen lan­ges Ver­fah­ren eine Situa­ti­on, in der Grund­rech­te des Asyl­be­wer­bers ver­letzt wer­den, ver­schlim­mert wird, muss der ange­gan­ge­ne Mit­glied­staat den Asyl­an­trag selbst prü­fen 8.

Als sys­te­mi­sche Män­gel sind sol­che Stö­run­gen anzu­se­hen, die ent­we­der im Sys­tem eines natio­na­len Asyl­ver­fah­rens ange­legt sind und des­we­gen Asyl­be­wer­ber oder bestimm­te Grup­pen von ihnen nicht ver­ein­zelt oder zufäl­lig, son­dern in einer Viel­zahl von Fäl­len objek­tiv vor­her­seh­bar tref­fen oder die die­ses Sys­tem auf­grund einer empi­risch fest­stell­ba­ren Umset­zung in der Pra­xis in Tei­len funk­ti­ons­los wer­den las­sen 9.

Die Aus­le­gung der Tat­be­stands­merk­ma­le des Art. 4 GR-Char­ta ist gem. Art. 52 Abs. 3 S. 1 GR-Char­ta ein­schließ­lich der Erläu­te­run­gen hier­zu 10 i. V.m. Art. 6 Abs. 1 S. 3 EUV vom 07.02.1992 11, zuletzt geän­dert durch Art. 1 des Ver­tra­ges von Lis­sa­bon vom 13.12 2007 12 an Art. 3 EMRK aus­zu­rich­ten. Nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te 13 ist eine Behand­lung dann unmensch­lich, wenn sie absicht­lich über Stun­den erfolgt und ent­we­der tat­säch­li­che kör­per­li­che Ver­let­zun­gen oder schwe­re kör­per­li­che oder psy­chi­sche Lei­den ver­ur­sacht. Als ernied­ri­gend ist eine Behand­lung dann anzu­se­hen, wenn sie eine Per­son demü­tigt oder her­ab­wür­digt und feh­len­den Respekt für ihre Men­schen­wür­de zeigt oder die­se her­ab­min­dert oder wenn sie Gefüh­le der Furcht, Angst oder Unter­le­gen­heit her­vor­ruft, die geeig­net sind, den mora­li­schen oder psy­chi­schen Wider­stand der Per­son zu bre­chen. Die Behandlung/​Miss­hand­lung muss dabei, um in den Schutz­be­reich des Art. 3 EMRK zu fal­len, einen Min­dest­grad an Schwe­re errei­chen. Des­sen Beur­tei­lung ist aller­dings rela­tiv, hängt also von den Umstän­den des Fal­les ab, ins­be­son­de­re von der Dau­er der Behand­lung und ihren phy­si­schen und psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen sowie mit­un­ter auch vom Geschlecht, Alter und Gesund­heits­zu­stand des Opfers. Art. 3 EMRK kann aller­dings nicht in dem Sinn aus­ge­legt wer­den, dass er die Ver­trags­par­tei­en ver­pflich­te­te, jeder­mann in ihrem Hoheits­ge­biet mit einer Woh­nung zu ver­sor­gen. Auch begrün­det Art. 3 EMRK kei­ne all­ge­mei­ne Ver­pflich­tung, Flücht­lin­gen finan­zi­el­le Unter­stüt­zung zu gewäh­ren oder ihnen einen bestimm­ten Lebens­stan­dard zu ermög­li­chen 14.

Gleich­wohl sind die in der Richt­li­nie 2013/​33/​EU des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2013 zur Fest­le­gung von Nor­men für die Auf­nah­me von Per­so­nen, die inter­na­tio­na­len Schutz bean­tra­gen – Auf­nah­me­richt­li­nie 15 genann­ten Min­dest­stan­dards für die Auf­nah­me von Asyl­su­chen­den in den Mit­glieds­staa­ten zu berück­sich­ti­gen. Asyl­su­chen­de wer­den in einem Mit­glieds­staat unmensch­lich oder ernied­ri­gend behan­delt, wenn ihnen nicht die Leis­tun­gen der Daseins­vor­sor­ge gewährt wer­den, die ihnen nach der Auf­nah­me­richt­li­nie zuste­hen. Ihnen müs­sen wäh­rend der Dau­er des Asyl­ver­fah­rens die not­wen­di­gen Mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen, mit denen sie ihre ele­men­ta­ren Grund­be­dürf­nis­se (wie z.B. Unter­kunft, Nah­rungs­auf­nah­me und Hygie­ne­be­dürf­nis­se) in zumut­ba­rer Wei­se befrie­di­gen kön­nen. Als Maß­stab sind die Art. 17 und 18 der Auf­nah­me­richt­li­nie mit den dort gere­gel­ten zeit­lich begrenz­ten Ein­schrän­kungs­mög­lich­kei­ten bei vor­über­ge­hen­den Unter­brin­gungs­eng­päs­sen und der Ver­pflich­tung, auch in die­sen Fäl­len die Grund­be­dürf­nis­se zu decken, hier­an zu zie­hen 16.

Pro­gno­se­maß­stab für das Vor­lie­gen der­art rele­van­ter Män­gel ist eine beacht­li­che Wahr­schein­lich­keit. Die Annah­me sys­te­mi­scher Män­gel setzt somit vor­aus, dass das Asyl­ver­fah­ren oder die Auf­nah­me­be­din­gun­gen im zustän­di­gen Mit­glieds­staat auf­grund grö­ße­rer Funk­ti­ons­stö­run­gen regel­haft so defi­zi­tär sind, dass anzu­neh­men ist, dass dort auch dem Asyl­su­chen­den im kon­kret zu ent­schei­den­den Ein­zel­fall mit beacht­li­cher Wahr­schein­lich­keit eine unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung droht 17. Bei einer zusam­men­fas­sen­den, qua­li­fi­zier­ten – nicht rein quan­ti­ta­ti­ven – Wür­di­gung aller Umstän­de, die für das Vor­lie­gen sol­cher Män­gel spre­chen, muss ihnen ein grö­ße­res Gewicht als den dage­gen spre­chen­den Tat­sa­chen zukom­men, d.h. es müs­sen hin­rei­chend gesi­cher­te Erkennt­nis­se dazu vor­lie­gen, dass es immer wie­der zu den genann­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen kommt 18.

Der Mit­glieds­staat, der die Über­stel­lung des Asyl­su­chen­den vor­neh­men muss, ist im Fall der Wider­le­gung der Ver­mu­tung, dass die Behand­lung der Asyl­be­wer­ber in jedem Mit­glieds­staat im Ein­klang mit den Erfor­der­nis­sen der GFK und der EMRK steht, ver­pflich­tet, den Asyl­an­trag selbst zu prü­fen, sofern nicht ein ande­rer Mit­glieds­staat als für die Prü­fung des Asyl­an­trags zustän­dig bestimmt wer­den kann.

Gemes­sen an die­sen Maß­ga­ben besteht schon des­halb kei­ne Ver­pflich­tung der Antrags­geg­ne­rin, den Asyl­an­trag des Asyl­be­wer­bers selbst zu prü­fen, weil in Ita­li­en sys­te­mi­sche Män­gel im Asyl- und Auf­nah­me­ver­fah­ren nicht vor­lie­gen.

Grund­la­ge der gericht­li­chen Ent­schei­dung sind die ver­schie­de­nen Berich­te über die Situa­ti­on von Flücht­lin­gen ins­be­son­de­re bezüg­lich der Rück­über­stel­lun­gen nach Ita­li­en.

Nach den inso­weit im Kern über­stim­men­den aktu­el­len Erkennt­nis­mit­teln des Aus­wär­ti­gen Amtes 19, des UNHCR 20 und der Schwei­ze­ri­schen Flücht­lings­hil­fe 21 wer­den Dub­lin-Rück­keh­rer in der Regel auf dem Luft­weg nach Ita­li­en über­stellt. Sie wer­den von der ita­lie­ni­schen Grenz- bzw. Luft­po­li­zei nach der Lan­dung zu den regio­na­len Poli­zei­di­rek­tio­nen (Que­stu­ra) am Flug­ha­fen beglei­tet bzw. erhal­ten ein Zug­ti­cket, um zu einer wei­ter ent­fern­ten Que­stu­ra zu fah­ren. Die dort vor­zu­neh­men­de For­ma­li­sie­rung des Asyl­an­tra­ges – sog. Ver­ba­liz­za­zio­ne – kann eini­ge Tage, Wochen oder gele­gent­lich sogar Mona­te dau­ern 22. Wäh­rend die­ser Zeit sind die Asyl­su­chen­den nicht immer hin­rei­chend vor Obdach­lo­sig­keit geschützt. Eine Unter­kunft erhal­ten sie im Regel­fall erst nach der Ver­ba­liz­za­zio­ne. Zumin­dest an den ita­lie­ni­schen Haupt­flug­hä­fen ste­hen den Dub­lin-Rück­keh­rern, die noch kei­nen Asyl­an­trag gestellt haben, in der Über­gangs­zeit bis zur Auf­nah­me des Asyl­ge­suchs Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGO) zur Sei­te, die sie bei Bedarf betreu­en und die sich – in der Regel auch erfolg­reich – um eine Unter­kunft bemü­hen. Nach der Ver­ba­liz­za­zio­ne gelan­gen die Asyl­su­chen­den in Auf­nah­me­zen­tren für die Erst­auf­nah­me (CARA – Cen­tri di acco­gli­en­za per richie­de­ni asi­lo) bzw. des Auf­nah­me­sys­tems SPRAR (Sis­te­ma di pro­te­zio­ne per richie­den­ti asi­lo e rifu­gia­ti). Obwohl dane­ben noch kom­mu­na­le oder von NGOs betrie­be­ne Unter­künf­te zur Ver­fü­gung ste­hen, wird von Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tio­nen – anders das Aus­wär­ti­ge Amt 23 – auf Eng­päs­se der Bele­gungs­si­tua­ti­on hin­ge­wie­sen. Das gilt ins­be­son­de­re für die über­be­leg­ten CARA 24. Hin­zu­wei­sen ist auf die Schwie­rig­kei­ten, zuver­läs­si­ge Bele­gungs­zah­len zu ermit­teln, da die­se nicht nur von den bereits vor­han­de­nen Unter­kunfts­plät­zen abhän­gen, son­dern von häu­fig irra­tio­na­len nicht vor­her­seh­ba­ren Ver­hal­tens­wei­sen der Asyl­be­wer­ber – ein typi­scher Bele­gungs­zeit­raum lässt sich nicht ein­deu­tig fest­le­gen – und kurz­fris­tig auf­tre­ten­den Flücht­lings­strö­men in die EU beein­flusst sind. Der ita­lie­ni­sche Staat ist erfolg­ver­spre­chend bemüht, die Unter­brin­gungs­ka­pa­zi­tä­ten den jewei­li­gen Belas­tungs­si­tua­tio­nen anzu­pas­sen. Nach dem zwi­schen­zeit­li­chen Höchst­stand der Zahl der nach Ita­li­en geflüch­te­ten Per­so­nen im Jahr 2011 und einem Rück­gang im Jahr 2012 ist die Zahl im Jahr 2013 wie­der ange­stie­gen 25. Auf den Anstieg der Zah­len im Jahr 2011 haben die ita­lie­ni­schen Behör­den mit zusätz­li­chen – im Jahr 2012 wie­der redu­zier­ten – Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten reagiert. Auch für 2013 war eine Erhö­hung der Platz­zahl vor­ge­se­hen 26.

Die Asyl­su­chen­den haben wäh­rend der Dau­er des Asyl­ver­fah­rens im Regel­fall neben dem Anspruch auf Unter­brin­gung Anspruch auf mate­ri­el­le Leis­tun­gen wie Ver­pfle­gung und Hygie­ne­ar­ti­kel 27. Das gilt auch für die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung. Der in Arti­kel 19 der Auf­nah­me­richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Min­dest­stan­dard einer Not­ver­sor­gung ist gewähr­leis­tet 28.

Auch im Hin­blick auf die mate­ri­el­len Leis­tun­gen und der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung ist aber nur im Regel­fall von einem hin­rei­chen­den Schutz aus­zu­ge­hen. Sowohl in die­sem Bereich wie auch beson­ders im Bereich der Unter­brin­gung wer­den in den ange­führ­ten Erkennt­nis­mit­teln auf Män­gel hin­ge­wie­sen. Sie sei­en das Ergeb­nis struk­tu­rel­ler Lücken und eines Kapa­zi­täts­man­gels im Auf­nah­me­sys­tem 29. Dies gilt ins­be­son­de­re für Asyl­su­chen­de, über deren Antrag bereits ent­schie­den wor­den ist. Gleich­wohl hat der UNHCR, eine gene­rel­le Emp­feh­lung, Asyl­be­wer­ber und Aus­län­der, die bereits einen Schutz­sta­tus in Ita­li­en haben, nicht nach Ita­li­en zu über­stel­len, nicht aus­ge­spro­chen. Auch wenn dar­aus nicht geschlos­sen wer­den soll, wie der UNHCR in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 07.03.2014 an das OVG NRW betont, dass kei­ne einer Über­stel­lung ent­ge­gen­ste­hen­de Umstän­de vor­lä­gen, ist die Nicht­emp­feh­lung als Indiz für das Feh­len sys­te­mi­scher Män­gel zu wer­ten, da die vom UNHCR her­aus­ge­ge­be­nen Doku­men­te bei der Aus­le­gung der uni­ons­recht­li­chen Asyl­vor­schrif­ten beson­ders rele­vant sind 30.

Auch unab­hän­gig von die­ser Indi­zwir­kung lie­gen hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te für die Annah­me sys­te­mi­scher Män­gel nicht vor:

Ent­spre­chend den genann­ten Anfor­de­run­gen an den für die Annah­me sys­te­mi­scher Män­gel maß­geb­li­chen Pro­gno­se­maß­stab kann näm­lich nicht allein auf ein­zel­ne Män­gel des Sys­tems ver­wie­sen wer­den. Die beacht­li­che Wahr­schein­lich­keit muss sich auf die Wür­di­gung aller Umstän­de grün­den, zu denen das jewei­li­ge Rechts­sys­tem des Mit­glieds­staa­tes wie auch die Ver­wal­tungs­pra­xis gehört. Die­ser hat sich auf den vor­her­seh­ba­ren Ver­lauf der Din­ge aus­zu­rich­ten. Bemü­hun­gen des betrof­fe­nen Staa­tes, sich den Män­geln zu stel­len und auf sei­ne Ent­wick­lun­gen etwa des enor­men Anstiegs einer Flücht­lings­zahl zu reagie­ren, sind zu berück­sich­ti­gen. Kommt es gleich­wohl zu Män­geln bei der Unter­brin­gung von Asyl­su­chen­den bis zur Auf­nah­me ihres Asyl­an­tra­ges, lie­gen kei­ne sys­te­mi­schen Män­gel vor, wenn der betref­fen­de Mit­glieds­staat erfolg­ver­spre­chen­de Gegen­maß­nah­men ergreift. Sol­che Bemü­hun­gen des ita­lie­ni­schen Staa­tes lie­gen vor. Beim Anstieg der Zahl der Asyl­su­chen­den im Jah­re 2011 ist – wie aus­ge­führt – ein beson­de­res Pro­gramm zur Unter­brin­gung der Asyl­su­chen­den auf­ge­stellt und durch­ge­führt wor­den. Nach dem erneu­ten Anstieg der Zahl der Asyl­su­chen­den im Jah­re 2013 sind die ita­lie­ni­schen Behör­den vom ita­lie­ni­schen Innen­mi­nis­te­ri­um ange­wie­sen wor­den, dass die Ver­ba­liz­za­zio­ne zeit­lich mit der Asyl­ge­such­stel­lung zusam­men­fal­len und zur Ver­kür­zung der War­te­zei­ten ein neu­es Infor­ma­ti­ons­sys­tem (Vesta­net) ein­ge­führt wer­den soll 31. Von einem Inkauf­neh­men der Män­gel der Unter­kunfts­ge­wäh­rung kann somit nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Von einer all­ge­mei­nen dra­ma­ti­schen Woh­nungs- und Unter­brin­gungs­not der Dub­lin-Rück­keh­rer wird nicht berich­tet. Dies gilt auch für bereits in Ita­li­en aner­kann­te Flücht­lin­ge.

Das Gericht schließt sich des­halb der Beur­tei­lung des EGMR und der im Fol­gen­den zitier­ten Recht­spre­chung an, die infol­ge der umfas­sen­den Aus­wer­tung der vor­lie­gen­den auch aktu­el­len Erkennt­nis­mit­tel zu dem Ergeb­nis gekom­men ist, dass zwar in eini­gen Berei­chen, an eini­gen Orten ins­be­son­de­re infol­ge des Ein­tref­fens von Flücht­lings­wel­len immer wie­der Män­gel ins­be­son­de­re bei der Unter­brin­gung von Asyl­be­wer­bern zu ver­zeich­nen sind, die­se jedoch nicht den Grad bzw. Umfang von sys­te­mi­schen Män­geln auf­wei­sen. Der EGMR hat in sei­nem Beschluss vom 02.04.2013 32 hier­zu aus­ge­führt:

Unter Berück­sich­ti­gung der Berich­te von Regie­rungs- und Nicht­re­gie­rungs­in­sti­tu­tio­nen und ‑orga­ni­sa­tio­nen über die Auf­nah­me­pro­gram­me für Asyl­be­wer­ber in Ita­li­en, kommt der Gerichts­hof zu dem Schluss, dass die all­ge­mei­ne Situa­ti­on und die Lebens­be­din­gun­gen in Ita­li­en für Asyl­be­wer­ber, aner­kann­te Flücht­lin­ge und Aus­län­der, die aus Grün­den des inter­na­tio­na­len Schut­zes oder zu huma­ni­tä­ren Zwe­cken eine Auf­ent­halts­er­laub­nis erhal­ten haben, eini­ge Män­gel auf­wei­sen mag, dass die vor­lie­gen­den Mate­ria­li­en jedoch kein sys­te­mi­sches Ver­sa­gen der Hilfs- und Unter­stüt­zungs­maß­nah­men für Asyl­be­wer­ber als Mit­glie­der einer beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Per­so­nen­grup­pe auf­zei­gen, wie es im Fall M.S.S. gegen Bel­gi­en und Grie­chen­land der Fall war. Berich­te des UNHCR und des Men­sch­rechts­kom­mis­sars wei­sen auf jüngs­te Ver­bes­se­run­gen der Situa­ti­on hin, mit dem Ziel der Män­gel­be­sei­ti­gung; alle Berich­te zei­gen über­ein­stim­mend und aus­führ­lich die Exis­tenz aus­ge­ar­bei­te­ter Struk­tu­ren von Ein­rich­tun­gen und Hilfs­maß­nah­men, die auf die Bedürf­nis­se der Asyl­be­wer­ber zuge­schnit­ten sind. (…) Vor die­sem Hin­ter­grund kommt der Gerichts­hof zu dem Schluss, dass die Bf. nicht auf­ge­zeigt hat, dass ihr im Fall einer Rück­kehr nach Ita­li­en aus wirt­schaft­li­cher, gesund­heit­li­cher oder psy­cho­lo­gi­scher Sicht ein tat­säch­li­ches und dring­li­ches Här­te­fall­ri­si­ko droht, das schwer genug wie­gen wür­de, um von Art. 3 EMRK erfasst zu wer­den.”

Der EGMR, des­sen Recht­spre­chung für die Aus­le­gung der EMRK auch über den jewei­lig ent­schie­de­nen Fall hin­aus eine Ori­en­tie­rungs- und Leit­funk­ti­on hat 33, hat sei­ne Rechts­auf­fas­sung über die Ein­schät­zung der Situa­ti­on der Asyl­su­chen­den in Ita­li­en durch die Ent­schei­dung vom 10.09.2013 (EGMR vom 10.09.2013 – Nr. 2314/​10, HUDOC) aus­drück­lich bestä­tigt.

Die­ser Ein­schät­zung schließt sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg mit einer Viel­zahl wei­te­rer Gerich­te an. 34. Die Ent­schei­dun­gen der Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­te der Län­der Nord­rhein- West­fa­len, Sach­sen-Anhalt und Rhein­land-Pfalz 35 beleuch­ten dabei ins­be­son­de­re detail­liert die Zugangs­mög­lich­kei­ten zum Asyl­ver­fah­ren sowie des­sen Dau­er und Qua­li­tät, die Auf­nah­me- und Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten und ‑kapa­zi­tä­ten, die Siche­rung der übri­gen Grund­be­dürf­nis­se (u.a. Schutz vor Gewalt; hygie­ni­sche Ver­hält­nis­se) und den Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung. Sie wei­sen für die Zukunft dar­auf hin, dass der ita­lie­ni­sche Staat – wie schon das Not­pro­gramm 2011 gezeigt habe – bemüht sei, Kapa­zi­tä­ten für den Zeit­raum 2014 bis 2016 zu schaf­fen und ein ver­bes­ser­tes Com­pu­ter­sys­tem (Vesta­net) ein­ge­führt habe.

Die Recht­spre­chung der Gerich­te, die eine Über­stel­lung nach Ita­li­en für unzu­läs­sig hal­ten, über­zeugt das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg nicht. Sie neh­men ent­we­der eine Inter­es­sen­ab­wä­gung zu Guns­ten der Asyl­be­wer­ber allein auf­grund der Tat­sa­che vor, dass der EGMR zur in Rede ste­hen­den Fra­ge der Situa­ti­on in Ita­li­en die Gro­ße Ver­wal­tungs­ge­richt ange­ru­fen hat 36 oder bewer­ten die Lage auf­grund ein­zel­ner kri­ti­scher Äuße­run­gen als offen 37, beru­hen nicht auf der Aus­wer­tung der neu­es­ten Erkennt­nis­mit­tel und Ent­schei­dun­gen, ins­be­son­de­re des EGMR vom 10.09.2013 38 oder stel­len in ers­ter Linie auf die Fäl­le beson­ders schutz­wür­di­ger Per­so­nen ab 39. Gegen­über der oben genann­ten Recht­spre­chung, die auf­grund einer umfas­sen­den Abwä­gung zu einer Ein­schät­zung der Lage in Ita­li­en kommt, beleuch­ten die­se Ent­schei­dun­gen nach Auf­fas­sung des Gerichts nur Teil­as­pek­te.

Der Vor­trag des Asyl­be­wer­bers recht­fer­tigt kei­ne ande­re Ent­schei­dung. Die von ihm gel­tend gemach­ten Umstän­de, er sei im Jah­re 2011 nach 3 Mona­ten aus sei­ner staat­li­chen Unter­kunft ver­wie­sen wor­den, habe sich dann ca. ein ¾ Jahr obdach­los und ohne Unter­stüt­zung durch­schla­gen müs­sen und schließ­lich Ita­li­en, ohne dass über sei­nen Asyl­an­trag ent­schie­den wor­den sei, ver­las­sen, kön­nen auf­grund der Aus­sa­gen der aktu­el­len Erkennt­nis­mit­tel nicht mehr als maß­geb­lich erach­tet wer­den. Im Jahr 2011 hat­te Ita­li­en den außer­or­dent­li­chen Flücht­lings­strom aus den Kri­sen­ge­bie­ten Tune­si­ens und Marok­kos zu bewäl­ti­gen, dem er mit einem Not­pro­gramm, des­sen Aus­wir­kun­gen erst im Lau­fe der Zeit grif­fen, begeg­ne­te. Die Situa­ti­on der Flücht­lin­ge stellt sich – wie den in der zitier­ten Recht­spre­chung aus­ge­wer­te­ten aktu­el­len Erkennt­nis­mit­teln zu ent­neh­men ist – der­zeit sowohl hin­sicht­lich der Auf­nah­me­be­din­gun­gen als auch hin­sicht­lich der Durch­füh­rung ihres Asyl­ver­fah­rens posi­ti­ver dar. Dies gilt auch für Dub­lin-Rück­keh­rer, die wäh­rend ihres lau­fen­den Asyl­ver­fah­rens in ein ande­res euro­päi­sches Land wei­ter­ge­reist sind. Sie erhal­ten, wenn sie über Rom rück­über­stellt wer­den und Rom oder Vare­se für ihr Ver­fah­ren zustän­dig ist, von den NGOs Bera­tung und Unter­brin­gung im dor­ti­gen Ein­zugs­be­reich, ansons­ten ein Zug­ti­cket, um in die zustän­di­ge Regi­on wei­ter­rei­sen zu kön­nen.

Soll­te das Asyl­ver­fah­ren des Asyl­be­wer­bers in Ita­li­en unter Zuer­ken­nung sub­si­diä­ren Schut­zes vor sei­ner Wei­ter­rei­se nach Däne­mark bereits abge­schlos­sen gewe­sen sein, wofür sein Vor­trag wäh­rend sei­ner Anhö­rung beim Bun­des­amt, er habe einen „Flücht­lings­pass” beses­sen, spricht, wäre Ita­li­en gem. Art. 16 Abs. 2 Dub­lin II-VO zur Wie­der­auf­nah­me ver­pflich­tet. Dem Asyl­be­wer­ber wür­den in die­sem Fall zwar die genann­ten Unter­stüt­zungs­maß­nah­men nicht gewährt wer­den. Flücht­lin­ge mit sub­si­diä­rem Schutz gel­ten als Per­so­nen mit gül­ti­ger Auf­ent­halts­be­wil­li­gung und sind bezüg­lich ihrer sozia­len Rech­te den Ita­lie­nern gleich­ge­stellt, für die das Sozi­al­sys­tem sehr schwach aus­ge­stal­tet ist 40. Die­ser Umstand ist jedoch nach den oben genann­ten Maß­ga­ben nicht als sys­te­mi­scher Man­gel zu qua­li­fi­zie­ren. In die­sem Zusam­men­hang hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te 32 aus­ge­führt: Die dro­hen­de Zurück­wei­sung in ein Land, in dem die eige­ne wirt­schaft­li­che Situa­ti­on schlech­ter sein wer­de als in dem aus­wei­sen­den Ver­trags­staat, rei­che nicht aus, die Schwel­le der unmensch­li­chen Behand­lung gem. Art. 3 EMRK zu über­schrei­ten. Die Bestim­mung ver­pflich­te die Ver­trags­staa­ten nicht, jeden mit einem Obdach zu ver­sor­gen oder Flücht­lin­ge gene­rell finan­zi­ell zu unter­stüt­zen, um ihnen einen bestimm­ten Lebens­stan­dard zu ermög­li­chen. Aus­län­der hät­ten grund­sätz­lich kei­nen Anspruch im Gebiet eines Ver­trags­staa­tes zu ver­blei­ben, um dort wei­ter­hin von medi­zi­ni­scher, sozia­ler oder ander­wei­ti­ger Unter­stüt­zung oder Leis­tung zu pro­fi­tie­ren, die vom aus­wei­sen­den Staat zur Ver­fü­gung gestellt wer­de. Wenn kei­ne außer­ge­wöhn­li­chen zwin­gen­den huma­ni­tä­ren Grün­de vor­lä­gen, die gegen eine Aus­wei­sung sprä­chen, sei allein die Tat­sa­che, dass die wirt­schaft­li­chen und sozia­len Lebens­ver­hält­nis­se eines Asyl­be­wer­bers bei Aus­wei­sung deut­lich geschmä­lert wür­den, nicht aus­rei­chend, einen Ver­stoß gegen Art. 3 EMRK zu begrün­den.

Sol­che Aus­nah­me­grün­de, die den Asyl­be­wer­ber gegen­über einem sons­ti­gen bedürf­ti­gen Ita­lie­ner, belas­ten wür­den, hat er weder vor­ge­tra­gen noch sind die­se ander­wei­tig ersicht­lich. Auch für die Bewer­tung, dass rück­über­stell­ten Asyl­be­wer­bern mit sub­si­diä­rem Schutz auf­grund der der­zei­ti­gen Ver­hält­nis­se in Ita­li­en grds. kei­ne unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung droht, schließt sich das Gericht der zitier­ten Recht­spre­chung an 41.

Anhalts­punk­te dafür, dass dem Asyl­be­wer­ber unab­hän­gig davon auf­grund wei­te­rer beson­de­rer Umstän­de im Ein­zel­fall eine unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung, d.h. ein Ver­stoß gegen Art. 4 GR-Char­ta bei Über­stel­lung nach Ita­li­en droht, lie­gen eben­falls nicht vor.

Der Abschie­bung ste­hen auch weder inlands­be­zo­ge­ne Abschie­bungs­hin­der­nis­se ent­ge­gen, noch ist sie tat­säch­lich unmög­lich.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 5. Mai 2014 – 12 B 1154/​14

  1. ABl. L 50 vom 25.02.2003, S. 1
  2. ABl. L 180 vom 29.06.2013, S. 31
  3. ABl. C 83/​389 vom 30.03.2010
  4. BGBl. II 1953, S. 559
  5. BGBl. II 1952, S. 685, ber. S. 953, in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 20.10.2010 ((BGBl. II S. 1198
  6. EuGH, Urteil vom 21.12 2011 – C‑411/​10 u. – C‑493/​10, NVwZ 2012, S. 417 u. juris; ders.: Urteil vom 14.11.2013 – C‑4/​11, NVwZ 2014, S. 129 u. juris
  7. BVerfG, Urteil vom 14.05.1996 – 2 BvR 1938/​93 u. 2315/​93, BVerfGE 94, S. 49 = NJW 1996, S. 1665 u. juris
  8. EuGH, Urteil vom 21.12 2011, a.a.O.; ders.: Urteil vom 14.11.2013, a.a.O.
  9. vgl. Bank/​Hruschka, Die EuGH, Ent­schei­dung zu Über­stel­lun­gen nach Grie­chen­land und ihre Fol­gen für Dub­lin-Ver­fah­ren (nicht nur) in Deutsch­land, ZAR 2012, S. 182; OVG Rhein­land-Platz, Urteil vom 21.02.2014 – 10 A 10656/​13
  10. ABL. C 303/​17 vom 14.12 207
  11. ABl. C 191, S. 1
  12. ABl. C 306, S. 1, ber. ABl.2008 C 111 S. 56 u. ABl.2009 C 290 S. 1
  13. EGMR, Urteil vom 21.01.2011 – 30696/​09 (M.S.S.), EuGRZ 2011, 243
  14. EGMR, Urteil vom 21.01.2011, a.a.O.; ders.: Beschluss vom 02.04.2013 – 27725/​10 – Moham­med Hus­sein u.a. gegen die Nie­der­lan­de und Ita­li­en, ZAR 2013, S. 336 u. juris
  15. ABl. L 180 S. 96
  16. vgl. OVG NRW, Urteil vom 07.03.2014 – 1 A 21/​12.A unter Hin­weis auf die Ent­schei­dun­gen des EGMR vom 21.01.2011 und des EuGH vom 27.02.2014
  17. BVerwG, Beschluss vom 19.03.2014 – 10 B 6.14
  18. vgl. OVG NRW, Urteil vom 07.03.2014, a.a.O.; OVG Sach­sen Anhalt, Beschluss vom 14.11.2013 – 4 L 44/​13; BVerwG, Urteil vom 20.02.2013 – 10 C 23/​12, BVerw­GE 146, 67; OVG Rhein­land-Pfalz, a.a.O.
  19. AA an das OVG NRW vom 11.09.2013, an das OVG Sach­sen-Anhalt vom 21.01.2013
  20. an das VG Frei­burg vom 19.12 2013; Bericht vom Juli 2013
  21. SFH vom Okto­ber 2013
  22. SFH, Okto­ber 2013; UNHCR, Bericht vom Juli 2013; AA an OVG NRW vom 11.09.2013; nach dem aida-Report (Natio­nal Coun­try Report Ita­ly – Asyl­um Infor­ma­ti­on Data­ba­se), Novem­ber 2013, S. 42, sind exak­te Anga­ben nicht mög­lich
  23. AA vom 11.09.2013
  24. SFH, Okto­ber 2013, S. 18 ff., vgl. hier­zu die Stel­lung­nah­me der Liai­sons­be­am­tin des Bun­des­am­tes an das OVG NRW vom 21.11.2013
  25. SFH, Okto­ber 2013, S. 7
  26. vgl. hier­zu im Ein­zel­nen: aida-Report, Novem­ber 2013; Liai­sons­be­am­tin des Bun­des­am­tes vom 21.11.2013; AA vom 24.05.2013 an das VG Min­den und 21.08.2013 an das OVG Sach­sen-Anhalt; UNHCR vom Juli 2013; SFH, Okto­ber 2013
  27. vgl. nur AA an OVG Sach­sen-Anhalt vom 21.01.2013
  28. AA an OVG Sach­sen-Anhalt vom 21.01.2013 und an VG Gie­ßen vom 26.03.2013; SFH, Okto­ber 2013, S. 49 f, 52
  29. UNHCR vom 19.12 2013 und Juli 2013; Gut­ach­ten der Flücht­lings­or­ga­ni­sa­ti­on bor­der­line-euro­pe an das VG Braun­schweig vom Dezem­ber 2012; amnes­ty inter­na­tio­nal, Report 2013
  30. vgl. EuGH, Urteil vom 30.05.2013 – C‑528/​11, Rn 44, NVwZ 2013, 660 ff. u. juris
  31. vgl. OVG NRW, Urteil vom 07.03.2014, a.a.O.
  32. EGMR, Beschluss vom 02.04.2013, a.a.O.
  33. vgl. BVerfG, Urteil vom 04.05.2011 – 2 BvR 2333/​08, u.a., BVerw­GE 128, 326; BVerwG, Urteil vom 28.02.2013 – C 3/​12, NVwZ 2013, S. 1087
  34. OVG NRW, a.a.O., OVG Rhein­land-Pfalz, a.a.O.; OVG Sach­sen-Anhalt, a.a.O.; hier­zu: BVerwG, Beschluss vom 19.03.2014, a.a.O.; OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 24.06.2013 – OVG 7 S 58/​13, ders.: Beschluss vom 17.10.2013 – OVG 3 S 40/​13; Nds. OVG, Beschluss vom 02.08.2012 – 4 MC 133/​12, ders.: Beschluss vom 18.03.2014 – 13 LA 75/​13; VG Lüne­burg, Beschluss vom 06.03.2014 – 6 B 14/​14; VG Osna­brück, Urteil vom 20.01.2014 – 5 A 81/​13, VG Göt­tin­gen, Beschluss vom 19.02.2014 – 4 B 32/​14; VG Braun­schweig, Beschluss vom 07.03.2014 – 4 B 43/​14; VG Sta­de, Beschluss vom 20.02.2014 – 1 B 375/​14; VG Stutt­gart, Urteil vom 28.02.2014 – A 12 K 383/​14; VG Wies­ba­den, Beschluss vom 06.03.2014 – 5 L 591/14.WI.A; VG Regens­burg, Beschluss vom 06.03.2014 – RN 5 S 14.30209; VG Würz­burg, Beschluss vom 07.03.2014 – W 6 S 14.30255; VG Müns­ter, Beschluss vom 20.03.2014 – 6 L 101/​14.A; VG Augs­burg, Beschluss vom 20.03.2014 – Au 7 S 14.30174; VG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 31.03.2014 – 13 L 119/​14.A; VG Min­den, Urteil vom 20.01.2014 – 10 K 1096/​13.A; VG Saar­land, Beschluss vom 27.01.2014 – 3 K 339/​13; VG Trier, Beschluss vom 11.02.20145 L 95/​14.TR; VG Ans­bach, Beschluss vom 13.02.2014 – AN 1 S 14.30090; VG Ham­burg, Gerichts­be­scheid vom 18.02.2014 – 10 A 5090/​13; VG Mün­chen, Beschluss vom 24.02.2014 – M 11 S 14.30179
  35. jeweils a.a.O.
  36. VG Han­no­ver, Beschluss vom 02.04.2014 – 4 B 8151/​13, V.n.b.
  37. VG Aachen, Beschluss vom 18.02.2014 – 9 L 96/​14.A
  38. VG Köln, Urteil vom 20.02.2014 – 20 K 2681/​13.A – unter Bezug­nah­me auf das eige­ne Urteil vom 07.05.2013 – 20 L 613/​13.A, juris; VG Gie­ßen, Urteil vom 25.11.2013 – 1 K 844/​11.GI.A, juris; VG Frank­furt a.M., Urteil vom 09.07.2013 – 7 K 560/​11.F.A
  39. VG Gel­sen­kir­chen, Beschluss vom 05.03.2014 – 7 a L 180/​14.A, juris; VG Gie­ßen, a.a.O.
  40. vgl. SFH, Okto­ber 2013
  41. vgl. ins­be­son­de­re OVG Rhein­land-Pfalz, a.a.O.; VG Sta­de, a.a.O.; VG Trier, a.a.O.; VG Mün­chen, a.a.O.