Über­zeu­gungs­ge­win­nung beim Ver­wal­tungs­ge­richt

Gemäß § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO ent­schei­det das Gericht nach sei­ner frei­en, aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­nen Über­zeu­gung. Es ist ver­pflich­tet, sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung den im Ver­fah­ren fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt voll­stän­dig und rich­tig zugrun­de zu legen.

Über­zeu­gungs­ge­win­nung beim Ver­wal­tungs­ge­richt

Das Gericht darf nicht in der Wei­se ver­fah­ren, dass es ein­zel­ne erheb­li­che Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen oder Beweis­ergeb­nis­se nicht in die recht­li­che Wür­di­gung ein­be­zieht, ins­be­son­de­re Umstän­de über­geht, deren Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit sich ihm hät­te auf­drän­gen müs­sen.

In sol­chen Fäl­len fehlt es an einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge für die inne­re Über­zeu­gungs­bil­dung des Gerichts, auch wenn die dar­auf basie­ren­de recht­li­che Wür­di­gung als sol­che nicht zu bean­stan­den ist 1.

Ver­zich­tet das Gericht auf die fall­be­zo­ge­ne Auf­klä­rung ist zugleich ein Ver­stoß gegen § 86 Abs. 1 VwGO gege­ben 2. Dies kann dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht vor­ge­hal­ten wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Dezem­ber 2014 – 2 B 55.2014 -

  1. BVerwG, Urteil vom 02.02.1984 – 6 C 134.81, BVerw­GE 68, 338, 339 f. = Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 145 S. 36 f.; Beschluss vom 20.12 2013 – 2 B 35.13, NVwZ-RR 2014, 314 Rn.19 m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 01.12 1995 – 8 B 150.95NWVBl 1996, 125 f.[]