Über­zeu­gungs­grund­satz – und die Gren­zen zuläs­si­ger Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung

Nach § 108 Abs. 1 Satz 1 VwGO hat das Gericht sei­ner Über­zeu­gungs­bil­dung das Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens zugrun­de zu legen. Es darf nicht ein­zel­ne erheb­li­che Tat­sa­chen oder Beweis­ergeb­nis­se aus sei­ner Wür­di­gung aus­blen­den.

Über­zeu­gungs­grund­satz – und die Gren­zen zuläs­si­ger Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung

Im Übri­gen darf es zur Über­zeu­gungs­bil­dung die ihm vor­lie­gen­den Tat­sa­chen und Bewei­se frei wür­di­gen.

Die­se Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung ist grund­sätz­lich dem mate­ri­el­len Recht zuzu­ord­nen 1.

Die Ein­hal­tung der ver­fah­rens­recht­li­chen Gren­zen zuläs­si­ger Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung ist des­halb nicht schon dann in Fra­ge gestellt, wenn ein Betei­lig­ter das vor­lie­gen­de Tat­sa­chen­ma­te­ri­al anders wür­digt oder aus ihm ande­re Schlüs­se zie­hen will als das Gericht. Die­se Gren­zen sind erst dann über­schrit­ten, wenn das Gericht nach sei­ner Rechts­auf­fas­sung ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Akten­in­halt über­geht oder akten­wid­ri­ge Tat­sa­chen annimmt, oder wenn die von ihm gezo­ge­nen tat­säch­li­chen Schluss­fol­ge­run­gen gegen die Denk­ge­set­ze ver­sto­ßen 2. Dafür müs­sen denklo­gisch schlecht­hin unmög­li­che, von Will­kür gepräg­te Schluss­fol­ge­run­gen auf­ge­zeigt wer­den 3.

Eine selek­ti­ve Beweis­wür­di­gung lässt sich ins­be­son­de­re nicht schon dar­aus fol­gern, dass das Beru­fungs­ge­richt einen in ers­ter Instanz vor­ge­leg­ten Schrift­satz und das strei­ti­ge Betei­lig­ten­vor­brin­gen nicht im Ein­zel­nen gewür­digt hat. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn es aus sei­ner mate­ri­ell-recht­li­chen Sicht hier­auf nicht ankam.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Juni 2019 – 8 B 36.18

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.02.2017 – 6 B 31.16 – juris m.w.N.
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.02.2017 – 6 B 31.16, m.w.N.
  3. BVerwG, Beschluss vom 10.12 2003 – 8 B 154.03, NVwZ 2004, 627
  4. Gesetz vom 17.08.2017, BGBl. I S. 3202