Über­zo­ge­ne Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen

Der Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs nach Art. 103 Abs. 1 GG und § 108 Abs. 2 VwGO wird ver­letzt, wenn das Gericht über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung des Vor­brin­gens eines Betei­lig­ten stellt und sich dadurch einer sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit den vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­ten ent­zieht.

Über­zo­ge­ne Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen

Zwar ver­leiht die­se Ver­fah­rens­ge­währ­leis­tung kei­nen Schutz gegen Ent­schei­dun­gen, die den Sach­vor­trag eines Betei­lig­ten aus Grün­den des for­mel­len oder mate­ri­el­len Rechts teil­wei­se oder ganz unbe­rück­sich­tigt las­sen 1. Vor­aus­set­zung ist jedoch, dass die Anwen­dung die­ses Rechts der Bedeu­tung und Trag­wei­te der Ver­fah­rens­ga­ran­tie ange­mes­sen Rech­nung trägt.

Die­se Gren­ze ist jeden­falls dann über­schrit­ten, wenn das Gericht über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen an die Sub­stanz des Vor­brin­gens eines Betei­lig­ten stellt und sich dadurch einer sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit den vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­ten ent­zieht.

So ver­hält es sich hier; denn allein der zeit­li­che Abstand von nicht ein­mal sechs Jah­ren zwi­schen der vor­ge­leg­ten Wert­ermitt­lung und den Bewer­tungs­un­ter­la­gen, die dem Kauf­ver­trag zu Grun­de lagen, war kein plau­si­bler Grund dafür, dem Beweis­mit­tel jeg­li­che Aus­sa­ge­kraft für den gel­tend gemach­ten Zuschlag abzu­spre­chen. Der wert­bil­den­de Cha­rak­ter der Ufer­la­ge eines Grund­stücks ist schon von der Natur der Sache her regel­mä­ßig nicht sol­chen ver­hält­nis­mä­ßig kurz­fris­ti­gen und zugleich weit­grei­fen­den Schwan­kun­gen unter­wor­fen. Es wäre daher Sache des Gerichts gewe­sen, Umstän­de dar­zu­tun, war­um der Markt­wert der in Rede ste­hen­den Ufer­grund­stü­cke sich in dem maß­geb­li­chen Zeit­raum der­art ver­än­dert hat­te, dass eine ver­glei­chen­de Her­an­zie­hung des vor­ge­leg­ten Wert­gut­ach­tens aus dem Jahr 1999 von vorn­her­ein nicht in Betracht kam.

Die Ver­let­zung des Anspruchs auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs hat zugleich den von der Klä­ge­rin gerüg­ten Ver­stoß gegen die Amts­er­mitt­lungs­pflicht nach § 86 Abs. 1 VwGO zur Fol­ge, weil das nicht ver­wer­te­te Vor­brin­gen dem Gericht hät­te Ver­an­las­sung geben müs­sen, der Fra­ge, ob die Ufer­la­ge des Grund­stücks einen Bewer­tungs­zu­schlag for­der­te, nach­zu­ge­hen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Okto­ber 2014 – 3 B 40.2014 -

  1. stRspr; BVerfG, Beschluss vom 15.02.1967 – 2 BvR 658/​65, BVerfGE 21, 191, 194[]