Acker­land für die Orts­um­ge­hung

Eine erfor­der­li­che Aus­gleichs­maß­nah­me, durch die hoch­wer­ti­ges Acker­land in Anspruch genom­men wird, ist not­wen­dig und rech­tens, wenn die für die Schaf­fung von neu­em Reten­ti­ons­raum vor­ge­schla­ge­nen Alter­na­tiv­flä­chen unge­eig­net sind.

Acker­land für die Orts­um­ge­hung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt an der Wein­stra­ße die Kla­ge eines Land­wirts aus Heß­heim gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss zum Bau der Orts­um­ge­hung Heß­heim abge­wie­sen. Nach der Pla­nung soll in Heß­heim an der Lan­des­stra­ße L 453 aus Rich­tung Fran­ken­thal von Osten kom­mend eine nörd­lich die Orts­la­ge umfüh­ren­de Orts­um­ge­hungs­stra­ße zur L 520 nach Gerol­s­heim im Wes­ten der Orts­la­ge her­ge­stellt wer­den. Das Vor­ha­ben befin­det sich im Nah­be­reich des Auto­bahn­kreu­zes Fran­ken­thal. Ziel der Pla­nung ist die Orts­durch­fahrt Heß­heim vom hohen Ver­kehrs­auf­kom­men zwi­schen Fran­ken­thal und Grün­stadt zu ent­las­ten und so die inner­ört­li­che Ver­kehrs­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Der Klä­ger, des­sen Ein­wen­dun­gen von der Land­wirt­schafts­kam­mer unter­stützt wor­den sind, mach­te gegen das Plan­vor­ha­ben gel­tend, dass für eine wegen der Orts­um­ge­hung erfor­der­lich gewor­de­ne was­ser­wirt­schaft­li­che und natur­schutz­recht­li­che Aus­gleichs­maß­nah­me sein hoch­wer­ti­ges Acker­land unnö­tig in Anspruch genom­men wer­de. So stün­de eine geeig­ne­te Alter­na­tiv­flä­che für die Schaf­fung eines Aus­gleichs für den durch den Stra­ßen­bau ver­dräng­ten Hoch­was­ser­rück­hal­te­raum im Über­schwem­mungs­ge­biet des Schra­kel­bachs nörd­lich sei­ner Acker­flä­chen auf weni­ger hoch­wer­ti­gem Land zur Ver­fü­gung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Neu­stadt an der Wein­stra­ße war die­se Argu­men­ta­ti­on nicht über­zeu­gend: So habe sich der Lan­des­be­trieb Mobi­li­tät (LBM) Rhein­land-Pfalz als Pla­nungs­be­hör­de bei sei­ner Ent­schei­dung auf die nach­voll­zieh­ba­ren Bewer­tun­gen der zustän­di­gen Was­ser­fach­be­hör­de bei der Struk­tur- und Geneh­mi­gungs­di­rek­ti­on Süd gestützt, wonach die nörd­lich und auf tie­fe­rem Niveau gele­ge­ne Alter­na­tiv­flä­che für die Gewin­nung von neu­em Reten­ti­ons­raum für das durch den Stra­ßen­bau ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Hoch­was­ser­rück­hal­te­vo­lu­men unge­eig­net sei. Die­se Alter­na­tiv­flä­che wer­de danach bereits bei einem gerin­ge­ren Hoch­was­ser geflu­tet und ste­he dann als Reten­ti­ons­raum für ein soge­nann­tes hun­dert­jäh­ri­ges Hoch­was­ser, für das das Über­schwem­mungs­ge­biet des Schra­kel­bachs aus­ge­legt sei, nicht mehr zur Ver­fü­gung. Hier­aus fol­ge eine Erhö­hung der Hoch­was­ser­ge­fahr für die Orts­la­ge in Heß­heim. Da der Klä­ger die­se nach­voll­zieh­ba­ren Fest­stel­lun­gen der Was­ser­fach­be­hör­de nicht mit sub­stan­ti­ier­ten Ein­wen­dun­gen oder fach­kun­di­gen Stel­lung­nah­men zu erschüt­tern ver­moch­te, sah das Ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Grund, deren Rich­tig­keit anzu­zwei­feln oder ein wei­te­res Gut­ach­ten zu den Anfor­de­run­gen einer sol­chen was­ser­wirt­schaft­li­chen Aus­gleichs­maß­nah­me ein­zu­ho­len. Viel­mehr habe sich ange­sichts der über­zeu­gend vom Lan­des­be­trieb Mobi­li­tät dar­ge­leg­ten Unge­eig­net­heit der vom Klä­ger für die Schaf­fung von neu­em Reten­ti­ons­raum vor­ge­schla­ge­nen Alter­na­tiv­flä­che die­ser Stand­ort für die Aus­gleichs­maß­nah­me nicht als vor­zugs­wür­dig erwie­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt an der Wein­stara­ße, Urteil vom 17. Okto­ber 2012 – 4 K 62/​12.NW