Anord­nung einer Abfall­ent­sor­gung

Bei dem von der Fa. Wool­rec pro­du­zier­ten Stoff Woo­lit auf der Grund­la­ge der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs sowie des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hat es sich immer um Abfall gehan­delt, der zu besei­ti­gen oder zu ver­wer­ten ist. Die Ein­bin­dung der poten­ti­ell krebs­er­re­gen­den künst­li­chen Mine­ral­fa­sern in die ande­ren Inhalts­stof­fe des Stof­fes Woo­lit hat das abfall­ty­pi­sche Gefähr­dungs­po­ten­ti­al der Fasern noch nicht besei­tigt.

Anord­nung einer Abfall­ent­sor­gung

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in einem Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes die Beschwer­de der Fa. Wool­rec gegen eine Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen zurück­ge­wie­sen. Das Regie­rungs­prä­si­di­um Gie­ßen hat­te der Fir­ma auf­ge­ge­ben, ca.3000 Ton­nen des von ihr über­wie­gend aus künst­li­chen Mine­ral­fa­sern pro­du­zier­ten Stof­fes Woo­lit, der auf dem Gelän­de einer Zie­ge­lei im Müns­ter­land lagert, zu besei­ti­gen oder in ihrer eige­nen Abfall­be­hand­lungs­an­la­ge zu behan­deln. Grund für die Anord­nung des Regie­rungs­prä­si­di­ums war die durch Unter­su­chun­gen begrün­de­te Tat­sa­che, dass poten­ti­ell krebs­er­re­gen­de künst­li­che Mine­ral­fa­sern sich in weit über das als unschäd­lich anzu­se­hen­de Maß hin­aus aus der Ein­bin­dung in die ande­re Mate­ria­li­en des Stof­fes Woo­lit gelöst hat­ten und eine Frei­set­zung die­ser künst­li­chen Mine­ral­fa­sern in die Luft zu befürch­ten war.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist die Anord­nung offen­sicht­lich recht­mä­ßig und ihre Voll­zie­hung eil­be­dürf­tig: Danach habe es sich bei dem von der Fa. Wool­rec pro­du­zier­ten Stoff Woo­lit auf der Grund­la­ge der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs sowie des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts immer um Abfall gehan­delt, der zu besei­ti­gen oder zu ver­wer­ten ist. Die Ein­bin­dung der poten­ti­ell krebs­er­re­gen­den künst­li­chen Mine­ral­fa­sern in die ande­ren Inhalts­stof­fe des Stof­fes Woo­lit habe das abfall­ty­pi­sche Gefähr­dungs­po­ten­ti­al der Fasern noch nicht besei­tigt. Ein Ende der Abfall­ei­gen­schaft kön­ne erst nach Zer­stö­rung der Faser­struk­tu­ren im Rah­men des Brenn­pro­zes­ses bei der Zie­gel­her­stel­lung ange­nom­men wer­den. Des­halb dür­fe die abfall­recht­li­che Über­wa­chung nicht vor­her enden. Dies gel­te auch – ent­ge­gen der seit­he­ri­gen Annah­me des Regie­rungs­prä­si­di­ums Gie­ßen – bei der Her­stel­lung des Stof­fes Woo­lit nach der Rezep­tur, die Gegen­stand eines festel­len­den Beschei­des aus dem Jah­re 2006 (vom Regie­rungs­prä­si­di­um als Pro­duktan­er­ken­nungs­be­scheid bezeich­net) gewe­sen sei. Es sei des­halb uner­heb­lich, ob sich die Rezep­tur bei der Her­stel­lung des Stoo­fes Woo­lit seit dem Jah­re 2007 geän­dert hat und es kom­me des­halb auch nicht dar­auf an, aus wel­chen Grün­den sich die künst­li­chen Mine­ral­fa­sern aus der Ein­bin­dung in die ande­ren Stof­fe gelöst hät­ten, wie es bei der Abla­ge­rung im Müns­ter­land nun­mehr fest­ge­stellt wor­den sei. Die abfall­recht­li­che Über­wa­chung ende näm­lich erst mit dem voll­stän­di­gen Durch­lau­fen des Ver­wer­tungs­ver­fah­rens.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Okto­ber 2012 – 2 B 1860/​12