Aus­bau der Gemein­de­stra­ße und der Natur­schutz­ver­band

Gegen den Aus­bau einer Gemein­de­stra­ße besteht kei­ne Kla­ge­be­fug­nis für Natur­schutz­ver­bän­de.

Aus­bau der Gemein­de­stra­ße und der Natur­schutz­ver­band

Mit die­ser Begrün­dung ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, dass der BUND Lan­des­ver­band Rhein­land-Pfalz e. V. als aner­kann­ter Natur­schutz­ver­band kein Kla­ge­recht gegen eine natur­schutz­recht­li­che Ent­schei­dung des Lan­des zum Aus­bau einer Gemein­de­stra­ße hat.

Im März 2010 hat­te die Orts­ge­mein­de Frie­sen­ha­gen die natur­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung zum Aus­bau eines zum 1. Janu­ar 2010 zur Gemein­de­stra­ße abge­stuf­ten, im Land­schafts­schutz­ge­biet „Wil­den­bur­gi­sches Land“ gele­ge­nen Teil­stü­ckes der ehe­ma­li­gen Kreis­stra­ße K 81 bean­tragt. Nach der Pla­nung soll das bis­lang ledig­lich geschot­ter­te Teil­stück asphal­tiert wer­den. Die Obe­re Natur­schutz­be­hör­de stell­te das erfor­der­li­che Beneh­men nach dem Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz her und erteil­te eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung von den Ver­bo­ten der Land­schafts­schutz­ver­ord­nung.

Mit der nach erfolg­lo­sem Wider­spruch erho­be­nen Kla­ge mach­te der Klä­ger gel­tend, dass es für die Geneh­mi­gung des Vor­ha­bens einer vor­he­ri­gen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung bedür­fe und er selbst als aner­kann­ter Natur­schutz­ver­band deren Feh­len nach dem Umwelt­rechts­be­helfs­ge­setz gericht­lich gel­tend machen kön­ne.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz wies die Kla­ge als unzu­läs­sig ab: Bei der ange­foch­te­nen Maß­nah­me han­de­le es sich nicht um eine Ent­schei­dung im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Satz 1 Umwelt­rechts­be­helfs­ge­setz, für die allein das Gesetz eine Kla­ge­be­fug­nis von Umwelt­ver­bän­den auch ohne die Gel­tend­ma­chung einer Ver­let­zung in eige­nen Rech­ten vor­se­he.

Inso­weit feh­le es hier bereits an einer Rechts­pflicht zur Durch­füh­rung einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung. Eine sol­che Rechts­pflicht erge­be sich ins­be­son­de­re auch nicht auf der Grund­la­ge des Lan­des­stra­ßen­rechts. Für den Aus­bau einer Gemein­de­stra­ße bedür­fe es – anders als bei Lan­des- oder Kreis­stra­ßen – grund­sätz­lich weder einer Plan­fest­stel­lung noch eines Bebau­ungs­pla­nes.

Etwas ande­res gel­te vor­lie­gend auch nicht aus­nahms­wei­se wegen einer beson­de­ren Ver­kehrs­be­deu­tung des betrof­fe­nen Stre­cken­ab­schnit­tes. Nach den vom Klä­ger selbst durch­ge­führ­ten Ver­kehrs­zäh­lun­gen gebe es dort täg­lich nur eini­ge weni­ge Ver­kehrs­be­we­gun­gen durch Anlie­ger oder land- und forst­wirt­schaft­li­chen Ver­kehr.

Auch sei nicht erkenn­bar, dass städ­te­bau­li­che Grün­de die auf­wän­di­ge Durch­füh­rung eines Bebau­ungs­plan­ver­fah­rens erfor­der­ten. So sei weder eine Ände­rung der Wege­füh­rung noch der Nut­zung von Stra­ßen­flä­che und angren­zen­den Grund­stü­cken vor­ge­se­hen. Zudem wer­de kei­ne zusätz­li­che Flä­che in Anspruch genom­men, son­dern ledig­lich die bestehen­de Stra­ße in ihrer bis­he­ri­gen Brei­te erneu­ert. Even­tu­el­len Miss­stän­den in Form einer vom Klä­ger behaup­te­ten unzu­läs­si­gen Nut­zung durch Nicht­an­lie­ger kön­ne schließ­lich auf der Ebe­ne des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 16. Juni 2011 – 7 K 1132/​10.KO