Bekannt­ma­chung der Arten ver­füg­ba­rer Umwelt­in­for­ma­tio­nen

Die Anfor­de­run­gen an die Bekannt­ma­chung der Arten ver­füg­ba­rer Umwelt­in­for­ma­tio­nen nach § 3 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Bau­GB, wie sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 18.07.2013 – 4 CN 3.121 for­mu­liert hat, sind einer Aus­nah­me nicht zugäng­lich.

Bekannt­ma­chung der Arten ver­füg­ba­rer Umwelt­in­for­ma­tio­nen

Nach § 3 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Bau­GB sind Ort und Dau­er der Aus­le­gung der Ent­wür­fe von Bau­leit­plä­nen sowie Anga­ben dazu, wel­che Arten umwelt­be­zo­ge­ner Infor­ma­tio­nen ver­füg­bar sind, min­des­tens eine Woche vor der Aus­le­gung orts­üb­lich bekannt zu machen. Wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits ent­schie­den hat 2, sind die Gemein­den danach ver­pflich­tet, die in den vor­han­de­nen Stel­lung­nah­men und Unter­la­gen behan­del­ten Umwelt­the­men nach The­men­blö­cken zusam­men­zu­fas­sen und die­se in der Aus­le­gungs­be­kannt­ma­chung schlag­wort­ar­tig zu cha­rak­te­ri­sie­ren. Das Bekannt­ma­chungs­er­for­der­nis erstreckt sich dabei auch auf sol­che Arten ver­füg­ba­rer Umwelt­in­for­ma­tio­nen, die in Stel­lung­nah­men ent­hal­ten sind, die die Gemein­de für unwe­sent­lich hält und des­halb nicht aus­zu­le­gen beab­sich­tigt. Der (blo­ße) Hin­weis auf den Umwelt­be­richt genügt nicht, denn die­ser ermög­licht kei­ne inhalt­li­che Ein­schät­zung dar­über, wel­che Umwelt­be­lan­ge in einer kon­kre­ten Pla­nung bis­her the­ma­ti­siert wor­den sind 3. Zur Begrün­dung die­ser Ent­schei­dung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – neben Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts – vor allem auf den unter­schied­li­chen Wort­laut in § 3 Abs. 2 Satz 1 und 2 Bau­GB hin­ge­wie­sen. Da § 3 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Bau­GB auf die "ver­füg­ba­ren" umwelt­be­zo­ge­nen "Infor­ma­tio­nen" abstel­le, fol­ge hier­aus, dass der Gemein­de – anders als nach § 3 Abs. 2 Satz 1 Bau­GB – inso­fern kei­ne Befug­nis zur Selek­ti­on der bekannt zu machen­den Umwelt­in­for­ma­tio­nen zuste­he 4. Damit von der öffent­li­chen Bekannt­ma­chung der Aus­le­gung die gebo­te­ne Anstoß­wir­kung aus­ge­he, sei es uner­läss­lich, dass die bekannt gemach­ten Infor­ma­tio­nen der Öffent­lich­keit bereits eine ers­te inhalt­li­che Ein­schät­zung dar­über ermög­lich­ten, wel­che Umwelt­be­lan­ge in den der Gemein­de ver­füg­ba­ren Stel­lung­nah­men und sons­ti­gen Unter­la­gen behan­delt wür­den 5. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist folg­lich zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass der von der Antrags­geg­ne­rin ver­wen­de­te Hin­weis auf "umwelt­re­le­van­te Stel­lung­nah­men all­ge­mei­ner Art" und der pau­scha­le Ver­weis auf den Umwelt­be­richt die­sen Anfor­de­run­gen nicht genügt, zumal er sich auf die aus­ge­leg­ten Stel­lung­nah­men, nicht aber auf die der Gemein­de ver­füg­ba­ren Infor­ma­tio­nen bezieht.

Bereits aus dem Urteil vom 18.07.2013 6, das mit Blick auf den Wort­laut des § 3 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Bau­GB und den uni­ons­recht­li­chen Hin­ter­grund der Rege­lung strikt for­mu­liert ist, ergibt sich hin­rei­chend, dass für etwai­ge Aus­nah­men in Bezug auf die Anga­ben, wel­che Arten umwelt­be­zo­ge­ner Infor­ma­tio­nen ver­füg­bar sind, kein Raum ist. Nach Sinn und Zweck der Norm kann die Hin­weis­pflicht auch nicht vom Über­schrei­ten bestimm­ter Rele­vanz­schwel­len abhän­gig gemacht wer­den. Je weni­ger Umwelt­in­for­ma­tio­nen die Gemein­de im Rah­men eines Bau­leit­plan­ver­fah­rens bis zur förm­li­chen Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung erlangt hat, des­to wich­ti­ger ist es, die inter­es­sier­te Öffent­lich­keit ent­spre­chend (genau) zu infor­mie­ren, um die­se "anzu­sto­ßen", etwai­ge Umwelt­be­lan­ge, die der Gemein­de bis­her unbe­kannt waren, ins Ver­fah­ren ein­zu­füh­ren und so zur Grund­la­ge der Abwä­gungs­ent­schei­dung der Gemein­de zu machen. Auch das Argu­ment des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs, da der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Ände­rungs­be­bau­ungs­plan unter Umwelt­ge­sichts­punk­ten nur unwe­sent­li­che Ände­run­gen hin­sicht­lich der zu beach­ten­den Belan­ge mit sich brin­ge, sei der all­ge­mei­ne Hin­weis auf umwelt­re­le­van­te Stel­lung­nah­men aus­rei­chend, ver­mag nicht zu über­zeu­gen, weil das Gericht damit der Gemein­de – in Anleh­nung an die nicht ein­schlä­gi­ge Rege­lung des § 3 Abs. 2 Satz 1 Bau­GB – die Befug­nis zur Bewer­tung und Selek­ti­on von Umwelt­in­for­ma­tio­nen zubil­ligt, die sie nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Rah­men des § 3 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Bau­GB gera­de nicht besitzt.

Aus dem Urteil vom 07.05.2014 7 folgt nichts ande­res, weil es den hier nicht gege­be­nen Fall der wie­der­hol­ten Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung betrifft, der den beson­de­ren Wer­tun­gen des § 49 Abs. 3 Satz 1 und 2 Bau­GB unter­liegt.

Ein erstoß gegen § 3 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Bau­GB ist gemäß § 214 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Bau­GB beacht­lich; ange­sichts der im Umwelt­be­richt behan­del­ten The­men greift die inter­ne Unbe­acht­lich­keits­klau­sel des § 214 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Halbs. 2 Alt. 2 Bau­GB nicht 8. Der Ver­fah­rens­feh­ler wur­de von der Antrag­stel­le­rin frist­ge­recht gemäß § 215 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Bau­GB gegen­über der Antrags­geg­ne­rin durch die Begrün­dung des Nor­men­kon­troll­an­tra­ges vom 02.09.2010 gel­tend gemacht, der aus­weis­lich der Stel­lung­nah­me der Antrags­geg­ne­rin zum Nor­men­kon­troll­an­trag vom 16.11.2010 die­ser inner­halb der Jah­res­frist zuging. Er führt zur Gesamt­un­wirk­sam­keit des ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Bebau­ungs­plans. Folg­lich kommt es nicht mehr dar­auf an, ob die von der Revi­si­on gel­tend gemach­ten wei­te­ren for­mel­len und mate­ri­el­len Feh­ler des Bebau­ungs­plans gege­ben sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 11. Sep­tem­ber 2014 – 4 CN 1.2014 -

  1. BVerw­GE 147, 206[]
  2. BVerwG, Urteil vom 18.07.2013 – 4 CN 3.12, BVerw­GE 147, 206[]
  3. BVerwG, a.a.O. Rn. 22[]
  4. BVerwG, a.a.O. Rn. 18[]
  5. BVerwG, a.a.O. Rn.20[]
  6. BVerwG, a.a.O.[]
  7. BVerwG, Urteil vom 07.05.2014 – 4 CN 5.13, NVwZ 2014, 1170[]
  8. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.07.2013 a.a.O. Rn. 25[]