Beschnei­ungs­an­la­ge im Birk­huhn­ge­biet

Wenn trotz des beträcht­li­chen Umfangs eines Bau­vor­ha­bens und der damit ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in Natur und Land­schaft sich das Vor­ha­ben gemes­sen an Grö­ße und Zweck der Schutz­ge­bie­te noch in einem Rah­men hält, kann sei­tens der Ver­wal­tung die­ses Vor­ha­ben durch Befrei­un­gen von Ver­bo­ten der Land­schafts­schutz­ge­biets­ver­ord­nun­gen gere­gelt wer­den. Die erheb­li­che Bedeu­tung für den Win­ter­tou­ris­mus und die regio­na­le Wirt­schafts­ent­wick­lung in den Gemein­den im Umkreis des Vor­ha­bens spricht für das über­wie­gen­de öffent­li­che Inter­es­se an dem Vor­ha­ben.

Beschnei­ungs­an­la­ge im Birk­huhn­ge­biet

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall über den Eil­an­trag von Natur­schutz­ver­bän­den ent­schie­den, die sich damit gegen eine Beschnei­ungs­an­la­ge im "Ski-Para­dies Sudel­feld" gewehrt haben, und den Antrag abge­lehnt. Den Antrag haben der Deut­sche Alpen­ver­ein e.V. und der Bund Natur­schutz in Bay­ern e.V. mit der Absicht gestellt, für die Beschnei­ungs­an­la­ge samt Spei­cher­be­cken einen Bau­stopp zu errei­chen.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass sei­ne Ent­schei­dung auf einer Abwä­gung zwi­schen den Inter­es­sen des Frei­staats Bay­ern und der Berg­bah­nen Sudel­feld KG am sofor­ti­gen Voll­zug der aus­ge­spro­che­nen Geneh­mi­gun­gen einer­seits und dem von den bei­den Ver­bän­den gel­tend gemach­ten Inter­es­sen an einem Bau­stopp ande­rer­seits beruht. Zwar erscheint auch dem Ver­wal­tungs­ge­richt eine für Natur und Land­schaft fol­gen­lo­se Rück­ab­wick­lung des Bau­vor­ha­bens aus­ge­schlos­sen. Es konn­te aber nach der in einem Eil­ver­fah­ren allein mög­li­chen sum­ma­ri­schen Prü­fung kei­ne durch­grei­fen­den Anhalts­punk­te dafür erken­nen, dass das Vor­ha­ben nach der Durch­füh­rung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens aus recht­li­chen Grün­den schei­tern könn­te. Des­halb über­wie­ge das vom Frei­staat Bay­ern dar­ge­leg­te öffent­li­che Inter­es­se an dem Bau­vor­ha­ben und das von der Berg­bah­nen Sudel­feld KG ange­führ­te wirt­schaft­li­che Inter­es­se am Fort­gang der Bau­ar­bei­ten das von den Ver­bän­den gel­tend gemach­te Inter­es­se, aus Grün­den des Natur- und Land­schafts­schut­zes voll­ende­te Tat­sa­chen bis zur rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che zu ver­hin­dern.

Aus­führ­lich unter­such­te das Ver­wal­tungs­ge­richt in dem 58-sei­ti­gen Gerichts­be­schluss die Fra­ge, ob für das Vor­ha­ben ange­nom­men wer­den kön­ne, dass es im "über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­se" liegt. Dies ist Vor­aus­set­zung dafür, dass das Land­rats­amt Mies­bach Befrei­un­gen von Ver­bo­ten zwei­er Land­schafts­schutz­ge­biets­ver­ord­nun­gen aus dem Jahr 1955 und vom gesetz­li­chen Bio­top­schutz ertei­len durf­te.

Trotz des beträcht­li­chen Umfangs des Vor­ha­bens und der damit ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in Natur und Land­schaft hal­te sich das Vor­ha­ben gemes­sen an Grö­ße und Zweck der Schutz­ge­bie­te noch in einem Rah­men, der sei­tens der Ver­wal­tung durch Befrei­un­gen gere­gelt wer­den konn­te. Für das über­wie­gen­de öffent­li­che Inter­es­se an dem Vor­ha­ben spre­che u.a. die erheb­li­che Bedeu­tung für den Win­ter­tou­ris­mus und die regio­na­le Wirt­schafts­ent­wick­lung in den Gemein­den im Umkreis des Sudel­felds. Dies kom­me ins­be­son­de­re in der Betei­li­gung der Gemein­de Bay­risch­zell an dem Gesamt­vor­ha­ben zur Moder­ni­sie­rung des Ski­ge­biets zum Aus­druck. Fer­ner hand­le es sich beim Sudel­feld um ein seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten inten­siv für den Win­ter­sport genutz­tes, mit erheb­li­cher tou­ris­ti­scher Infra­struk­tur erschlos­se­nes und damit deut­lich vor­be­las­te­tes Gebiet. Auch bei Berück­sich­ti­gung der ange­sichts des Kli­ma­wan­dels auf nur 15 Jah­re pro­gnos­ti­zier­ten Lebens­dau­er der tech­ni­schen Beschnei­ung sei die vom Land­rats­amt Mies­bach inso­weit getrof­fe­ne Ent­schei­dung durch das Gericht nicht zu bean­stan­den.

Die arten­schutz­recht­li­chen Beden­ken der Antrag­stel­ler (Schutz des Birk­huhns) wur­den wäh­rend des Eil­ver­fah­rens wesent­lich ent­schärft, da das Land­rats­amt Mies­bach mit Ein­ver­ständ­nis des Vor­ha­bens­trä­gers ange­ord­net hat, dass eine Beschnei­ung nicht wie bis­her bis zum 31. März, son­dern nur bis zum 28. Febru­ar jeden Jah­res erfol­gen darf. Wei­ter wur­den Rechts­fra­gen u.a. zur Alpen­kon­ven­ti­on und zur natur-schutz­recht­li­chen Kom­pen­sa­ti­on geprüft.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen, Beschluss vom 15. Mai 2014 – M 2 S 14.2116