Betei­li­gung von Natur­schutz­ver­bän­den bei der Beein­träch­ti­gun­gen von FFH-Gebie­ten

Das Betei­li­gungs­recht aner­kann­ter Natur­schutz­ver­ei­ni­gun­gen greift erst, wenn ein Pro­jekt im Wege einer FFH-recht­li­chen Abwei­chungs­ent­schei­dung zuge­las­sen oder durch­ge­führt wer­den soll.

Betei­li­gung von Natur­schutz­ver­bän­den bei der Beein­träch­ti­gun­gen von FFH-Gebie­ten

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­te der kla­gen­de Natur­schutz­ver­ein die Fest­stel­lung, dass die beklag­te Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­pflich­tet ist, vor Durch­füh­rung mili­tä­ri­scher Tief­flug­übun­gen über dem Gebiet der Col­bitz-Letz­lin­ger Hei­de eine FFH-recht­li­che Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­zu­füh­ren und ihn vor Abschluss die­ser Prü­fung, hilfs­wei­se vor einer gege­be­nen­falls erfor­der­li­chen Abwei­chungs­ent­schei­dung zu betei­li­gen. Die Col­bitz-Letz­lin­ger Hei­de ist ein sog. FFH-Gebiet und beher­bergt nach Anga­ben des Klä­gers wäh­rend der Brut­zeit zahl­rei­che Vogel­ar­ten, deren Brut­er­folg durch die Tief­flü­ge gefähr­det wer­de.

Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits mit Urteil vom 10. April 2013 ent­schie­den, dass die Bun­des­wehr im Rah­men ihrer Befug­nis, von den luft­ver­kehrs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen Min­dest­flug­hö­hen abzu­wei­chen, von den FFH-recht­li­chen Ver­fah­rens­schrit­ten gemäß § 34 BNatSchG nicht frei­ge­stellt ist, und dass aner­kann­te Natur­schutz­ver­ei­ni­gun­gen gemäß § 63 Abs. 2 Nr. 5 BNatSchG vor einer gege­be­nen­falls erfor­der­li­chen Abwei­chungs­ent­schei­dung zu betei­li­gen sind, 1 und die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in Mad­ge­burg zurück­ver­wie­sen. Die­ses hat­te dar­auf­hin fest­ge­stellt, dass die Beklag­te ver­pflich­tet ist, eine förm­li­che FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­zu­füh­ren und den kla­gen­den Natur­schutz­ver­ein zu betei­li­gen, soweit die­se Prü­fung ergibt, dass die Tief­flü­ge zu erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen des Gebiets füh­ren kön­nen. Ein Betei­li­gungs­recht schon im Rah­men der Ver­träg­lich­keits­prü­fung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ver­neint 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die­se Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in Mag­de­burg bestä­tigt:

Das Betei­li­gungs­recht von Natur­schutz­ver­ei­ni­gun­gen nach § 63 Abs. 2 Nr. 5 BNatSchG knüpft an das Ergeb­nis der vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­träg­lich­keits­prü­fung an. Es greift erst, wenn auf­grund die­ser Prü­fung fest­steht, dass das Pro­jekt zu erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen eines FFH-Gebiets füh­ren kann und des­halb ohne Abwei­chungs­ent­schei­dung unzu­läs­sig ist. Im Abwei­chungs­ver­fah­ren kön­nen die Natur­schutz­ver­ei­ni­gun­gen ihren Sach­ver­stand ein­brin­gen und auch etwai­ge Feh­ler der Ver­träg­lich­keits­prü­fung gel­tend machen. Der Zweck der Ver­bands­be­tei­li­gung wird dadurch nicht ver­fehlt, effek­ti­ver Rechts­schutz bleibt gewähr­leis­tet. Eine Betei­li­gung an der Ver­träg­lich­keits­prü­fung ist auch nach Art. 9 Abs. 3 der Aar­hus-Kon­ven­ti­on oder Art. 6 Abs. 3 der FFH-Richt­li­nie nicht gebo­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 1. April 2015 – 4 C 6.2014 -

  1. BVerwG, Urteil vom 10.04.2013 – 4 C 3.12[]
  2. OVG LSA, Urteil vom 26.09.2013 – 2 L 95/​13[]