Betrieb des Stein­koh­le­kraft­werks Moor­burg

Wer­den die mit dem Kraft­werks­be­trieb mit­tels Durch­lauf­küh­lung ver­bun­de­nen Ein­wir­kun­gen auf die Ober­flä­chen­was­ser­kör­per Hafen und Elbe West sowie auf Fisch­ar­ten, die unter die Schutz­zie­le von Natu­ra-2000-Gebie­ten fal­len, nicht so gra­vie­rend sein, dass bis zur vor­aus­sicht­li­chen Ent­schei­dung über die Revi­si­on irrever­si­ble Nach­tei­le ein­tre­ten, darf das Kraft­werk Moor­burg mit der geplan­ten Durch­lauf­küh­lung vor­läu­fig in Betrieb gehen.

Betrieb des Stein­koh­le­kraft­werks Moor­burg

So hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Eil­recht­schutz­ver­fah­ren ent­schie­den, mit dem der BUND die für den Herbst die­ses Jah­res geplan­te Auf­nah­me des Regel­be­triebs mit­tels Durch­lauf­küh­lung ver­hin­dern woll­te. Das von Vat­ten­fall auf­grund einer bestands­kräf­ti­gen immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gung errich­te­te Kraft­werk soll im Wege der Durch­lauf­küh­lung unter Ent­nah­me von maxi­mal 64 m³ /​s Elb­was­ser betrie­ben wer­den; alter­na­tiv ist der Betrieb mit­tels Kreis­lauf­küh­lung mit einer maxi­ma­len Ent­nah­me­men­ge von 1 m³ /​s mög­lich. Die zur Was­ser­ent­nah­me erteil­te, für sofort voll­zieh­bar erklär­te was­ser­recht­li­che Erlaub­nis ent­hält zahl­rei­che Beschrän­kun­gen für Sauer­stoff­man­gel­si­tua­tio­nen wäh­rend der Som­mer­mo­na­te bis hin zur Ein­stel­lung der Durch­lauf­küh­lung.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg hat die was­ser­recht­li­che Erlaub­nis auf die Kla­ge des BUND hin wegen Ver­sto­ßes gegen das was­ser­recht­li­che Ver­schlech­te­rungs­ver­bot auf­ge­ho­ben, soweit sie die Ent­nah­me und Wie­der­ein­lei­tung von Elb­was­ser zum Zweck der Durch­lauf­küh­lung betrifft. Wäh­rend des anschlie­ßen­den, von Vat­ten­fall und der Stadt Ham­burg ange­streng­ten Revi­si­ons­ver­fah­rens hat der BUND nach Auf­nah­me des Pro­be­be­triebs Eil­rechts­schutz bean­tragt, um die für den Herbst die­ses Jah­res geplan­te Auf­nah­me des Regel­be­triebs mit­tels Durch­lauf­küh­lung zu ver­hin­dern.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Erfolgs­aus­sich­ten des Rechts­streits in der Haupt­sa­che offen sind. Nament­lich lässt sich nicht ver­läss­lich ein­schät­zen, ob das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das was­ser­recht­li­che Ver­schlech­te­rungs­ver­bot zutref­fend aus­ge­legt und ange­wen­det hat. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in einem ande­ren Ver­fah­ren dem Euro­päi­schen Gerichts­hof Fra­gen zur Aus­le­gung die­ses Ver­bots vor­ge­legt, deren Klä­rung auch für die Beur­tei­lung der hier ange­grif­fe­nen was­ser­recht­li­chen Erlaub­nis bedeut­sam ist. Wie der Gerichts­hof ent­schei­den wird, ist nicht abseh­bar. Bei der im Übri­gen gebo­te­nen fol­gen­ori­en­tier­ten Abwä­gung über­wiegt das Voll­zugs­in­ter­es­se von Vat­ten­fall gegen­über dem Sus­pen­siv­in­ter­es­se des BUND. Die mit dem Kraft­werks­be­trieb mit­tels Durch­lauf­küh­lung ver­bun­de­nen Ein­wir­kun­gen auf die Ober­flä­chen­was­ser­kör­per Hafen und Elbe West sowie auf Fisch­ar­ten, die unter die Schutz­zie­le von Natu­ra-2000-Gebie­ten im Bereich der Elbe fal­len, wer­den nach sum­ma­ri­scher Prü­fung nicht so gra­vie­rend sein, dass bis zur vor­aus­sicht­li­chen Ent­schei­dung über die Revi­si­on irrever­si­ble Nach­tei­le ein­tre­ten. Ange­sichts des­sen ist dem Inter­es­se an der Auf­nah­me des Regel­be­triebs im Wege der Durch­lauf­küh­lung grö­ße­res Gewicht bei­zu­mes­sen als dem Inter­es­se an der Aus­set­zung der Voll­zie­hung, da die dann allein zuläs­si­ge Kreis­lauf­küh­lung jähr­lich mit Mehr­kos­ten im hohen ein­stel­li­gen oder gar im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich ver­bun­den wäre und zudem einen erhöh­ten Aus­stoß von kli­ma­schäd­li­chem Koh­len­di­oxid nach sich zöge.

Aus die­sen Grün­den hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den Antrag des BUND auf Anord­nung der auf­schie­ben­den Wir­kung sei­ner Kla­ge gegen die der Vat­ten­fall Euro­pe Genera­ti­on AG durch die Freie und Han­se­stadt Ham­burg erteil­te was­ser­recht­li­che Erlaub­nis für das Stein­koh­le­kraft­werk Moor­burg an der Ham­bur­ger Süd­er­el­be abge­lehnt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 – BVerwG 7 VR 1.14