Blaue Tonnen in Dresden

Darf eine Kommune privaten Unternehmen die Durchführung von Altpapiersammlungen untersagen? Das Sächsische Oberverwaltungsgericht jedenfalls hat hieran Zweifel und gab – anders noch als erstinstanzlich das Verwaltungsgericht Dresden1 – jetzt den Eilanträgen von fünf privaten Entsorgungsfirmen gegen die Untersagung ihrer Sammlungstätigkeit mittels Blauer Tonnen durch die Landeshauptstadt Dresden statt. Die von privaten Entsorgungsfirmen den Dresdner Haushalten bereitgestellten Blauen Tonnen zur Sammlung von Papier und Pappe dürfen damit vorerst weiter geleert und damit genutzt werden.

Blaue Tonnen in Dresden

Nach Auffassung des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts sind die Erfolgsaussichten der zwischenzeitlich gegen die Untersagung der Sammlung mittels Blauer Tonne erhobenen Klagen offen. Im Rahmen der deshalb vorzunehmenden Interessenabwägung überwiege das Interesse der Antragsteller an der Fortführung ihrer Sammlungstätigkeit gegenüber dem Interesse der Landeshauptstadt an deren sofortiger Unterbindung. Für den Fall der sofortigen Vollziehung der Untersagungsverfügung drohe die Schaffung vollendeter Tatsachen. Die dann nutzlosen Blauen Tonnen müssten eingesammelt werden und würden voraussichtlich durch die beabsichtigte Verteilung von eigenen Blauen Tonnen durch die Landeshauptstadt endgültig aus dem Markt verdrängt.

Zudem sei zu erwarten, dass bis zur Entscheidung in der Hauptsache eine den Antragstellern günstigere Rechtslage in Gestalt einer Änderung des Abfallrechts eintrete. Nach dem von der Bundesregierung am 30. März 2011 beschlossenen Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts würde das Bereitstellen von Blauen Tonnen eine privilegierte gewerbliche Sammlung darstellen, welche nur aus überwiegenden öffentlichen Interessen untersagt werden könnte. Nach den bisherigen Ausführungen der Landeshauptstadt seien hingegen solche entgegenstehende öffentliche Interessen nicht ersichtlich. Sie habe nicht dargelegt, dass und inwieweit die geltend gemachten Einnahmeverluste nach Bereitstellung der Blauen Tonnen Auswirkungen auf die Organisation oder die Planungssicherheit ihrer Entsorgungstätigkeit haben.

Sächsisches Oberverwaltungsgericht, Beschlüsse vom 10. Juni 2011 – 4 B 355/10 u.a

  1. VG Dresden, Beschlüsse vom 16.12.2010 – 3 L 461/10 u.a. []