Brenn­ma­te­ri­al für die Bio­mas­se-Hei­zungs­an­la­ge

In einer Bio­mas­se-Hei­zungs­an­la­ge dür­fen nur die vom Her­stel­ler für das kon­kre­te Gerät zuge­las­se­nen Brenn­stof­fe ein­ge­setzt und im Rah­men der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen ver­feu­ert wer­den. Eine ord­nungs­be­hörd­li­che Ver­fü­gung, die die Nut­zung eines danach an sich zuläs­si­gen Brenn­stof­fes unter­sagt, ohne etwai­ge Ver­stö­ße gegen gesetz­li­che Vor­ga­ben (wie etwa den Feuch­te­ge­halt des Brenn­stof­fes oder Fein­staub­grenz­wer­te) aus­rei­chend fest­ge­stellt zu haben, ist dage­gen rechts­wid­rig. Die Unter­sa­gung, ande­re als die gesetz­lich und nach der Her­stel­ler­frei­ga­be zuge­las­se­nen Brenn­stof­fe zu ver­wen­den, ist hin­ge­gen recht­mä­ßig.

Brenn­ma­te­ri­al für die Bio­mas­se-Hei­zungs­an­la­ge

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Rechts­streit betreibt der Klä­ger eine Bio­mas­se-Hei­zungs­an­la­ge, in der er zunächst Holz­pel­lets, spä­ter zuneh­mend Raps­stroh, Getrei­despreu und Holz­hack­schnit­zel ver­feu­er­te. Nach viel­fa­chen Beschwer­den aus der Nach­bar­schaft über Rauch‑, Staub- und Geruchs­be­läs­ti­gun­gen und einer durch­ge­führ­ten Fein­staub­mes­sung, die mit 0,38 g/​m3 in der Abluft eine Über­schrei­tung des zuläs­si­gen Grenz­wer­tes von 0,15 g/​m3 ergab, unter­sag­te die Ver­bands­ge­mein­de Men­dig dem Klä­ger den Betrieb der Hei­zungs­an­la­ge mit ande­ren Brenn­stof­fen als Holz­pel­lets und Holz­hack­schnit­zeln.

Hier­ge­gen erhob der Klä­ger Wider­spruch und trug vor, dass auf Grund­la­ge der zwi­schen­zeit­lich geän­der­ten Geset­zes­la­ge auch Stroh und Getrei­de­aus­putz zuläs­si­ge Brenn­stof­fe sei­en. Über­dies habe er sei­nen Schorn­stein erhöht, so dass nun­mehr eine Geruchs- und Rauch­be­läs­ti­gung aus­ge­schlos­sen sei. Ohne zwi­schen­zeit­li­che Ent­schei­dung über den Wider­spruch ver­folg­te der Klä­ger sein Begeh­ren gericht­lich wei­ter. Die beklag­te Ver­bands­ge­mein­de ver­trat dage­gen wei­ter­hin die Ansicht, dass die Hei­zungs­an­la­ge man­gels wei­ter­ge­hen­der Typen­prü­fung nur für Holz­pel­lets zuge­las­sen sei. Dar­über hin­aus sei das vom Klä­ger ver­wen­de­te Raps­stroh nicht mit ein­fa­chem Stroh ver­gleich­bar und die Brenn­stof­fe des Klä­gers wie­sen ins­ge­samt einen zu hohen Feuch­tig­keits­ge­halt auf.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz gab der Kla­ge nun teil­wei­se statt: Soweit dem Klä­ger der Betrieb sei­ner Feue­rungs­an­la­ge mit Getrei­de im Rah­men der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen unter­sagt wur­de, sei der Bescheid rechts­wid­rig. Dies beru­he dar­auf, dass der Klä­ger als Inha­ber eines land­wirt­schaft­li­chen Betrie­bes auch Getrei­de­ab­fäl­le nach den nun­mehr gül­ti­gen gesetz­li­chen Bestim­mun­gen als zuläs­si­gen Brenn­stoff ver­wen­den kön­ne, der über­dies in sei­ner Hei­zungs­an­la­ge nach Her­stel­ler­an­ga­ben ver­feu­ert wer­den dür­fe. Die Ver­bren­nung von zuge­las­se­nen Brenn­stof­fen müs­se dar­über hin­aus zwar im Rah­men der gesetz­li­chen Vor­ga­ben (z. B. den Feuch­te­ge­halt des Brenn­stof­fes oder Fein­staub­grenz­wer­te) erfol­gen. Die Ver­bands­ge­mein­de habe etwai­ge Ver­stö­ße, trotz ent­spre­chen­der Anhalts­punk­te für einen unzu­rei­chen­den Trock­nungs­grad und eine zu hohe Fein­staub­be­las­tung, jedoch nicht wei­ter erforscht und nicht in ihre Ermes­sens­er­wä­gun­gen ein­ge­stellt. Soweit dem Klä­ger dane­ben die Ver­wen­dung ande­rer Brenn­stof­fe, ins­be­son­de­re von Stroh, unter­sagt wur­de, sei die Ver­fü­gung recht­mä­ßig, da die Hei­zungs­an­la­ge vom Her­stel­ler hier­zu nicht zuge­las­sen sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 1. März 2011 – 1 K 1169/​10.KO