CERN, der Urknall und der Welt­un­ter­gang

Eine Kla­ge gegen Ver­suchs­rei­hen des in der Schweiz ansäs­si­gen CERN blieb jetzt auch letzt­in­stanz­lich vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len ohne Erfolg.

CERN, der Urknall und der Welt­un­ter­gang

Die Klä­ge­rin wand­te sich gegen Ver­suchs­rei­hen des CERN („Orga­ni­sa­ti­on Euro­péen­ne pour la Recher­che Nucléai­re“), der in der Schweiz im Kan­ton Genf sei­nen Sitz hat. Die Orga­ni­sa­ti­on betreibt dort Anla­gen und tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen, die der phy­si­ka­li­schen Grund­la­gen­for­schung die­nen. Unter ande­rem sol­len in einem Pro­to­nen­be­schleu­ni­ger Teil­chen mit hoher Ener­gie auf­ein­an­der geschos­sen wer­den, um auf die­se Wei­se den so genann­ten „Urknall“ zu simu­lie­ren. Nach über­wie­gen­der wis­sen­schaft­li­cher Mei­nung birgt der Ver­suchs­auf­bau am CERN kein Gefah­ren­po­ten­zi­al. Die Klä­ge­rin bezwei­fel­te die Rich­tig­keit der Sicher­heits­ana­ly­sen und befürch­te­te, dass bei den Expe­ri­men­ten so genann­te "Schwar­ze Löcher“ ent­ste­hen könn­ten, die im wei­te­ren Ver­lauf zur Zer­stö­rung allen irdi­schen Lebens füh­ren könn­ten. Die Klä­ge­rin begehr­te zunächst im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes, der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­zu­ge­ben, die in den Rat des CERN ent­sand­ten Dele­gier­ten zu einer Initia­ti­ve gegen die wei­te­re Inbe­trieb­nah­me des Pro­to­nen­be­schleu­ni­gers LHC mit einer Ener­gie von mehr als 2 bis 3,5 Tera-Elek­tro­nen­volt anzu­wei­sen. Den Antrag lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln im Sep­tem­ber 2008 ab, weil die von der Klä­ge­rin befürch­te­te Gefahr von der über­wie­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Mei­nung ver­neint wer­de 1. Die hier­ge­gen beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len erho­be­ne Beschwer­de 2 blieb ohne Erfolg; das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm ihre Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung an. Mit ihrer Kla­ge ver­folg­te die Klä­ge­rin ihr Begeh­ren wei­ter. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat sodann die Kla­ge auch in der Haupt­sa­che abge­wie­sen.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter hat nun den hier­ge­gen gerich­te­ten Antrag der Klä­ge­rin auf Zulas­sung der Beru­fung abge­lehnt und damit das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln bestä­tigt. Aus der grund­ge­setz­li­chen Pflicht, sich schüt­zend und för­dernd vor gefähr­de­tes mensch­li­ches Leben zu stel­len, fol­ge kei­ne Ver­pflich­tung der beklag­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, in der von der Klä­ge­rin begehr­ten Wei­se auf die Dele­gier­ten im Rat des CERN ein­zu­wir­ken. In Anbe­tracht der Sicher­heits­be­rich­te des CERN aus den Jah­ren 2003 und 2008 sei ein Gefähr­dungs­po­ten­ti­al des Pro­to­nen­be­schleu­ni­gers LHC nach dem Stand der Wis­sen­schaft aus­ge­schlos­sen. Objek­ti­ve Zwei­fel an der Rich­tig­keit der Sicher­heits­be­rich­te sei­en weder schlüs­sig dar­ge­legt noch ersicht­lich.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 16. Okto­ber 2012 – 16 A 591/​11

  1. VG Köln – 13 L 1123/​08[]
  2. OVG NRW – 20 B 1433/​08[]