Das ehe­ma­li­ge de Haen-Betriebs­ge­län­de in Han­no­ver – und die Boden­sa­nie­rung

Haben Boden­un­ter­su­chun­gen auf Grund­stü­cken erge­ben, dass schäd­li­che Boden­ver­un­rei­ni­gun­gen in che­mi­scher bzw. radio­lo­gi­scher Form vor­lie­gen, recht­fer­tigt dies ein Ein­schrei­ten der Boden­schutz­be­hör­de. Dabei darf die Boden­schutz­be­hör­de im Rah­men der sog. Stö­rer­aus­wahl (allein) die­je­ni­gen Stö­rer zur Boden­sa­nie­rung her­an­zie­hen, deren recht­li­che Ver­pflich­tung zur Sanie­rung zwei­fels­frei fest­steht, was bei Grund­stück­ei­gen­tü­mern und damit sog. Zustands­stö­rern der Fall ist.

Das ehe­ma­li­ge de Haen-Betriebs­ge­län­de in Han­no­ver – und die Boden­sa­nie­rung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Kla­gen von Grund­stücks­ei­gen­tü­mern abge­wie­sen, die sich gegen die an sie gerich­te­ten Boden­sa­nie­rungs­an­ord­nun­gen der Regi­on Han­no­ver gewehrt haben. De Grund­stü­cke der Klä­ger lie­gen im Bereich des ehe­ma­li­gen de Haen-Betriebs­ge­län­des in Han­no­ver-List. Noch einen Tag vor der Ver­hand­lung hat­te die Regi­on Han­no­ver die strei­ti­gen Anord­nun­gen als Reak­ti­on auf einen recht­li­chen Hin­weis des Gerichts an die Betei­lig­ten im Vor­feld der Ver­hand­lung ver­än­dert und neben dem bis­her gefor­der­ten Boden­aus­tausch zusätz­lich auch eine Ver­sie­ge­lung der betrof­fe­nen Flä­chen vor­be­halt­lich deren denk­mal­schutz- und baum­schutz­recht­li­cher Zuläs­sig­keit als Sanie­rungs­va­ri­an­te zuge­las­sen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver unter Ein­be­zie­hung die­ser Ände­rung die Sanie­rungs­an­ord­nun­gen für recht­mä­ßig erach­tet. Auf allen betrof­fe­nen Grund­stü­cken lägen nach dem Ergeb­nis der durch­ge­führ­ten Boden­un­ter­su­chun­gen schäd­li­che Boden­ver­un­rei­ni­gun­gen in che­mi­scher und/​oder radio­lo­gi­scher Form vor, die ein Ein­schrei­ten der Regi­on als Boden­schutz­be­hör­de im Grund­satz recht­fer­tig­ten. Es sei auch nicht ermes­sen­feh­ler­haft, dass die Regi­on eine Sanie­rung der betrof­fe­nen Flä­chen und nicht ledig­lich deren Absi­che­rung vor einem Betre­ten ver­langt habe. Das Boden­schutz­ge­setz gehe im Grund­satz von einem Vor­rang der Sanie­rung gegen­über einer blo­ßen Siche­rung kon­ta­mi­nier­ter Flä­chen aus. Letz­te­res sei nur dann gebo­ten, wenn eine Sanie­rung ent­we­der nicht mög­lich oder mit einem unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­auf­wand ver­bun­den wäre. Das sei bei den betrof­fe­nen Grund­stü­cken nicht der Fall.

Nicht zu bean­stan­den sei schließ­lich auch, dass die Regi­on (nur) die Grund­stück­ei­gen­tü­mer her­an­ge­zo­gen habe, nicht aber die Nach­er­ben des ehe­ma­li­gen Fabrik­be­sit­zers de Haen oder die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver. Die Regi­on habe sich im Rah­men der sog. Stö­rer­aus­wahl rechts­feh­ler­frei auf die­je­ni­gen Stö­rer beschrän­ken dür­fen, deren recht­li­che Ver­pflich­tung zur Sanie­rung zwei­fels­frei fest­ste­he, was bei den Klä­gern als Grund­stück­ei­gen­tü­mern und damit sog. Zustands­stö­rern der Fall sei. Sowohl hin­sicht­lich der Nach­er­ben von de Haen als auch hin­sicht­lich der Lan­des­haupt­stadt sei dem­ge­gen­über recht­lich zumin­dest zwei­fel­haft, ob sie über­haupt als Stö­rer ange­se­hen wer­den könn­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urtei­le vom 11. März 2014 – 4 A 6262/​12, 4 A 7145/​12 und 4 A 2091/​14