Der Erwerb einer land­wirt­schaft­li­chen Flä­che

Eine Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung zum Erwerb einer land­wirt­schaft­li­chen Flä­che kann einem Land­kreis als unte­re Natur­schutz­be­hör­de erteilt wer­den, denn der Umwelt- und Natur­schutz stellt ein agrar­struk­tu­rel­les Ziel dar, das unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen gegen­über dem Ziel, die Land­wirt­schaft mit aus­rei­chen­den Flä­chen zu ver­sor­gen, als gleich­wer­tig anzu­se­hen ist.

Der Erwerb einer land­wirt­schaft­li­chen Flä­che

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Land­krei­ses Vech­ta ent­schie­den, der als unte­re Natur­schutz­be­hör­de von sich selbst, dem Land­kreis Vech­ta als Geneh­mi­gungs­be­hör­de, die zum Kauf einer land­wirt­schaft­li­chen Flä­che not­wen­di­ge Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung vor Gericht ein­kla­gen muss­te. Land­wirt­schaft­li­che Flä­chen kön­nen nicht ohne wei­te­res an jeder­mann ver­kauft wer­den. Erfor­der­lich ist eine soge­nann­te Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung. Damit soll unter ande­rem ver­hin­dert wer­den, dass Flä­chen unwirt­schaft­lich ver­klei­nert oder als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jek­te von Nicht­land­wir­ten gekauft wer­den. Der Land­kreis Vech­ta woll­te land­wirt­schaft­li­che Flä­chen zur Ver­wirk­li­chung von bestimm­ten Natur­schutz­pro­jek­ten erwer­ben. Wie jeder­mann benö­tig­te der Land­kreis hier­für eine Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung. Als der nota­ri­el­le Kauf­ver­trag dem Grund­stücks­ver­kehrs­aus­schuss des Land­krei­ses Vech­ta vor­ge­legt wur­de, stell­te die­ser sich quer: Der Land­kreis als Geneh­mi­gungs­be­hör­de wei­ger­te sich, dem Land­kreis als Natur­schutz­be­hör­de die begehr­te Geneh­mi­gung zu ertei­len. Es gebe näm­lich einen Land­wirt, der die Flä­chen für sei­nen Betrieb benö­ti­ge. Die Inter­es­sen des Land­krei­ses am Erwerb der Grund­stü­cke und deren Nut­zung als Natur­schutz­ge­biet müss­ten dage­gen zurück­ste­hen. Das Amts­ge­richt Vech­ta bestä­tig­te die­se Ent­schei­dung. Der Ver­käu­fer der Flä­chen leg­te Beschwer­de ein, die der Land­kreis Vech­ta als unte­re Natur­schutz­be­hör­de unter­stütz­te.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg hät­te die Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gung erteilt wer­den müs­sen. Ver­sa­gungs­grün­de nach § 9 GrdstVG lägen nicht vor. Der Umwelt- und Natur­schutz stel­le ein agrar­struk­tu­rel­les Ziel dar, das unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen gegen­über dem Ziel, die Land­wirt­schaft mit aus­rei­chen­den Flä­chen zu ver­sor­gen, als gleich­wer­tig anzu­se­hen sei. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en vor­lie­gend erfüllt.

Die Gerichts­kos­ten hat der Land­kreis Vech­ta zu tra­gen. Er hat das Ver­fah­ren zwar gewon­nen, auf der ande­ren Sei­te ist er aber auch Ver­lie­rer die­ses Pro­zes­ses.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Beschluss vom 18. April 2013 – 10 W 7/​13