Der Wald in unmit­tel­ba­rer Nähe einer Tier­mast­an­la­ge

Wird durch den Betrieb einer Mast­an­la­ge der an die Gebäu­de anschlie­ßen­de Wald dadurch geschä­digt, dass ein für den Wald unver­träg­li­cher Schad­stoff­ein­trag erfolgt, ist eine immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung für eine Tier­mast­an­la­ge mit dem Gesetz nicht ver­ein­bar.

Der Wald in unmit­tel­ba­rer Nähe einer Tier­mast­an­la­ge

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung zur Mast­hähn­chen- und Mast­schwei­ne­hal­tung auf­ge­ho­ben und der Kla­ge des Umwelt­fo­rums Osna­brü­cker Land e.V. statt­ge­ge­ben. Der Land­kreis Osna­brück hat­te einem Land­wirt aus Bip­pen-Lon­ner­be­cke erlaubt, sei­ne Mast­hähn­chen­hal­tung um 100.000 Tier­plät­ze auf 180.000 Plät­ze und die Mast­schwei­ne­hal­tung auf 1.470 Tier­plät­ze aus­zu­wei­ten. Gegen die­se Geneh­mi­gung hat das Umwelt­fo­rum Osna­brü­cker Land e.V. geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Osna­brück wer­de der nörd­lich und west­lich an die Gebäu­de anschlie­ßen­de Wald durch den Betrieb der Mast­an­la­ge geschä­digt, denn durch das emit­tier­te Ammo­ni­ak und den ent­ste­hen­den Stick­stoff kom­me es zu einem für den Wald unver­träg­li­chen Schad­stoff­ein­trag. Das erge­be sich bereits aus dem vom Land­wirt im Rah­men des Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens vor­ge­leg­ten Immis­si­ons­schutz­gut­ach­ten. Danach wer­de der Grenz­wert sowohl für die Ammo­niak­kon­zen­tra­ti­on als auch für die Stick­stoff­de­po­si­ti­on deut­lich über­schrit­ten.

Die­se Über­frach­tung mit Schad­stof­fen kön­ne auch nicht dadurch kom­pen­siert wer­den, dass der Land­kreis Osna­brück der Mut­ter des Land­wir­tes als Eigen­tü­me­rin der Wald­flä­che die Geneh­mi­gung erteilt habe, den vom Schad­stoff­ein­trag betrof­fe­nen, 1,73 ha gro­ßen Bereich zu roden und künf­tig so zu nut­zen, dass der Grenz­wert nicht über­schrit­ten wer­de. Der Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung kom­me in die­sem Zusam­men­hang kei­ne recht­li­che Bedeu­tung zu. Von ihr habe kein Gebrauch gemacht wer­den dür­fen, weil das Umwelt­fo­rum auch gegen die­se Geneh­mi­gung Kla­ge erho­ben habe. Dem­entspre­chend hät­te die Flä­che ent­ge­gen der Ver­fah­rens­wei­se des Land­krei­ses im Rah­men der Prü­fung der Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit der Mast­an­la­ge als Wald berück­sich­tigt wer­den müs­sen.

Abge­se­hen davon sei die Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung auch offen­sicht­lich rechts­wid­rig, denn der Land­kreis Osna­brück habe sie aus­weis­lich der Pro­zess­un­ter­la­gen im engen Kon­takt mit der Geneh­mi­gungs­emp­fän­ge­rin und auch dem Land­wirt ohne die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Betei­li­gung der Öffent­lich­keit und auch ohne die erfor­der­li­che Bekannt­ga­be an Drit­te aus­ge­spro­chen. Dar­aus fol­ge eine Ein­schrän­kung der Rech­te der All­ge­mein­heit. Ins­be­son­de­re ange­sichts die­ses Ver­hal­tens der Geneh­mi­gungs­be­hör­de habe das Ver­wal­tungs­ge­richt durch­grei­fen­de Zwei­fel dar­an, dass das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren ord­nungs­ge­mäß geführt wor­den sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 13. Novem­ber 2013 – 3 A 78/​13