Die Ein­lei­tung von Salz­ab­wäs­sern ins Grund­was­ser

Gibt es der­zeit kei­ne Anhalts­punk­te für die Befürch­tung, die Ein­lei­tung bzw. Ver­sen­kung von Salz­ab­wäs­ser kön­ne die Umwelt und ins­be­son­de­re die Trink­was­ser­ver­sor­gung einer Gemein­de nach­hal­tig gefähr­den, darf eine Pro­duk­ti­ons­fir­ma von Dün­ge­mit­teln vor­läu­fig wei­ter­hin Salz­ab­wäs­ser in das Grund­was­ser ein­lei­ten.

Die Ein­lei­tung von Salz­ab­wäs­sern ins Grund­was­ser

So der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof im Beschwer­de­ver­fah­ren der Gemein­de Gers­tun­gen, des Ver­ban­des für Angeln und Natur­schutz Thü­rin­gen e. V. und der Bür­ger­initia­ti­ve „Für ein lebens­wer­tes Wer­ra­tal“ e. V. gegen die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Kas­sel, die auf­schie­ben­de Wir­kung ihrer Kla­ge nicht wie­der­her­zu­stel­len, um so die Ein­lei­tung bzw. die Ver­sen­kung der Salz­ab­wäs­ser durch die Fir­ma K+S KALI GmbH bis zu einer rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über die Kla­ge zu unter­bin­den. Das Land Hes­sen, ver­tre­ten durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Kas­sel, hat­te der Fir­ma erneut mit Bescheid vom 30. Novem­ber 2011 die Erlaub­nis für die Ein­lei­tung von Salz­ab­wäs­sern (Ver­sen­kung in den Plat­ten­do­lo­mit) bis zum 15. Novem­ber 2015 befris­tet erteilt und gleich­zei­tig die sofor­ti­ge Voll­zieh­bar­keit die­ser Erlaub­nis ange­ord­net. Dage­gen haben die Antrag­stel­ler Ende des Jah­res 2011 und Anfang des Jah­res 2012 Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel1 erho­ben, über die noch nicht ent­schie­den ist.

Dar­über­hin­aus haben die Antrag­stel­ler im Wege des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes bean­tragt, die auf­schie­ben­de Wir­kung ihrer Kla­ge wie­der­her­zu­stel­len, um so die Ein­lei­tung bzw. die Ver­sen­kung der Salz­ab­wäs­ser bis zu einer rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über die Kla­ge zu unter­bin­den. Die­sen Antrag hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel vom 2. August 2012 abge­lehnt. Dage­gen ist Beschwer­de erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs gebe es der­zeit kei­ne mit den Erkennt­nis­mit­teln des vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­rens fest­stell­ba­ren Anhalts­punk­te für die Befürch­tung, die Ein­lei­tung bzw. Ver­sen­kung der Salz­ab­wäs­ser kön­ne die Umwelt und ins­be­son­de­re die Trink­was­ser­ver­sor­gung der Gemein­de Gers­tun­gen nach­hal­tig gefähr­den. Aus den dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof vor­lie­gen­den Daten kön­ne weder in hydro­che­mi­scher noch in hydro­dy­na­mi­scher Hin­sicht auf eine direk­te hydrau­li­sche Ver­bin­dung des unter­ir­di­schen, Grund­was­ser füh­ren­den Plat­ten­do­lo­mits aus dem hes­si­schen Ver­sen­kungs­ge­biet bei Eichhorst/​Bodesruh in den Raum Gers­tun­gen hin­ein geschlos­sen wer­den. Eine Gefähr­dung der Trink­was­ser­ver­sor­gung der Gemein­de Gers­tun­gen sei des­halb auf­grund der tat­säch­li­chen Erkennt­nis­se im gegen­wär­ti­gen Sta­di­um des vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­rens eben­so wenig anzu­neh­men wie eine Beein­träch­ti­gung von Natur­schutz­ge­bie­ten.

Auch die Ent­schei­dung des Regie­rungs­prä­si­di­ums Kas­sel, den Sofort­voll­zug der Ein­lei­tungs- bzw. Ver­sen­kungs­er­laub­nis aus Grün­den des öffent­li­chen Inter­es­ses sowie aus über­wie­gen­den Inter­es­sen der Fir­ma K+S KALI GmbH an der Auf­recht­erhal­tung der Pro­duk­ti­on anzu­ord­nen, kön­ne recht­lich nicht bean­stan­det wer­den.

Im übri­gen sei die Bür­ger­initia­ti­ve nicht kla­ge- bzw. antrags­be­fugt, so dass ihr Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz bereits nicht zuläs­sig sei.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. März 2013 – 2 B 1716/​12

  1. VG Kas­sel – 4 K 1594/11.KS []