Die Gemei­ne, ihr Grund­stück – und die Belan­ge des Natur­schut­zes in der Plan­fest­stel­lung

Eine Gemein­de kann wie ein pri­va­ter Grund­stücks­ei­gen­tü­mer gel­tend machen, die (teil­wei­se) Inan­spruch­nah­me der in ihrem Eigen­tum ste­hen­den Grund­stü­cke ver­let­ze das Gebot einer gerech­ten Abwä­gung ihrer eige­nen Belan­ge 1. Es spielt nur für die Abwä­gung, nicht aber für die Kla­ge­be­fug­nis eine Rol­le, ob die betrof­fe­nen Grund­stü­cke der Gemein­de einen Bezug zur Erfül­lung gemeind­li­cher Auf­ga­ben haben 2.

Die Gemei­ne, ihr Grund­stück – und die Belan­ge des Natur­schut­zes in der Plan­fest­stel­lung

Ob die Kla­ge­be­fug­nis zusätz­lich auch aus einer mög­li­chen Beein­träch­ti­gung der Pla­nungs­ho­heit nach Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG folgt, kann dabei offen blei­ben. Mit Beja­hung der Kla­ge­be­fug­nis wegen der Eigen­tums­be­trof­fen­heit ist die Kla­ge ins­ge­samt zuläs­sig. § 42 Abs. 2 VwGO lässt es nicht zu, die Kla­ge nach unter­schied­li­chen Kla­ge­grün­den auf­zu­spal­ten mit der Fol­ge, ein­zel­ne Kla­ge­grün­de im Wege einer Art Vor­prü­fung end­gül­tig aus­zu­schal­ten und die sach­li­che Nach­prü­fung des klä­ge­ri­schen Vor­brin­gens auf die ver­blei­ben­den Kla­ge­grün­de zu beschrän­ken 3.

Die von der Fach­pla­nung betrof­fe­ne Gemein­de ist auf die Rüge von Vor­schrif­ten beschränkt, die ihrem Schutz die­nen. Weder die in Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG ver­bürg­te Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie und Pla­nungs­ho­heit noch das zivil­recht­li­che Eigen­tum an den Grund­stü­cken, die durch das plan­fest­ge­stell­te Vor­ha­ben in Anspruch genom­men wer­den, ver­mit­teln ihr einen Anspruch auf Voll­über­prü­fung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses 4. Auch eine ent­eig­nungs­recht­li­che Vor­wir­kung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses zu ihren Las­ten führt nicht zu dem aus Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG her­ge­lei­te­ten Anspruch auf voll­um­fäng­li­che Prü­fung, da die Klä­ge­rin nicht Trä­ge­rin des Grund­rechts aus Art. 14 Abs. 1 GG ist 5.

Damit schei­det eine Prü­fung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses an natur­schutz­recht­li­chen Rege­lun­gen von vorn­her­ein aus 6. Dies gilt auch, soweit die Gemein­de unte­re Land­schafts­be­hör­de nach § 8 Abs. 1 Satz 3 Land­schafts­ge­setz NRW 7 ist. Inso­weit nimmt sie zwar Pflicht­auf­ga­ben zur Erfül­lung nach Wei­sung (§ 8 Abs. 3 Satz 1 LG NRW) wahr, sie wird aber nicht Begüns­tig­te des mate­ri­el­len Natur­schutz­rech­tes, wenn – wie hier die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de (§ 75 Abs. 1 Satz 1 VwVfG NRW) – eine ande­re Behör­de für natur­schutz­recht­li­che Ent­schei­dun­gen zustän­dig ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2013 – 4 A 1.2013 -

  1. BVerwG, Urteil vom 27.03.1992 – 7 C 18.91, BVerw­GE 90, 96, 101 = Buch­holz 451.22 AbfG Nr. 48 S. 125 und Beschluss vom 26.09.2013 – 4 VR 1.13NuR 2013, 800 Rn. 17; vgl. auch BVerwG, Beschlüs­se vom 09.10.2012 – 7 VR 10.12, Buch­holz 310 § 50 VwGO Nr. 31 Rn. 7; und vom 28.02.2013 – 7 VR 13.12, UPR 2013, 345 Rn. 7[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 24.11.1994 – 7 C 25.93, BVerw­GE 97, 143, 151 f. = Buch­holz 451.22 § 7 Abfall­be­sei­ti­gung Nr. 1 S. 9 und Beschluss vom 18.03.2008 – 9 VR 5.07, Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr.197 Rn. 16[]
  3. BVerwG, Urteil vom 20.05.1998 – 11 C 3.97, Buch­holz 406.25 § 41 BIm­SchG Nr. 18 S. 52[]
  4. stRspr, Urteil vom 21.03.1996 – 4 C 26.94, BVerw­GE 100, 388, 391 f. = Buch­holz 407.4 § 17 FStrG Nr. 114 S. 123, Beschlüs­se vom 28.02.2013 – 7 VR 13.12UPR 2013, 345 Rn. 10; und vom 26.09.2013 – 4 VR 1.13NuR 2013, 800 Rn. 26[]
  5. BVerfG, Beschluss vom 08.07.1982 – 2 BvR 1187/​80, BVerfGE 61, 82, 100 f.[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 18.03.2008 – a.a.O. Rn. 12[]
  7. Gesetz zur Siche­rung des Natur­haus­halts und zur Ent­wick­lung der Land­schaft Nord­rhein-West­fa­len – Land­schafts­ge­setz – LG NRW, i.d.F. der Bekannt­ma­chung vom 21.07.2000, GV. NRW S. 568, zuletzt geän­dert durch Art. 1 des Geset­zes vom 16.03.2010, GV. NRW S. 185[]