Die Nach­barn einer Anla­ge zur Alt­bat­te­rie-Ver­hüt­tung

Eine immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung für die Alt­bat­te­rie-Ver­hüt­tung ver­letzt die Nach­barn nicht in ihren Rech­ten, wenn von dem Vor­ha­ben kei­ne unzu­mut­ba­ren Umwelt­be­las­tun­gen aus­ge­hen und alle immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Grenz­wer­te nicht über­schrit­ten wer­den.

Die Nach­barn einer Anla­ge zur Alt­bat­te­rie-Ver­hüt­tung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Nach­bark­la­ge gegen eine Schacht­ofen­an­la­ge zur Ver­hüt­tung von u. a. ver­brauch­ten blei­hal­ti­gen Auto­bat­te­ri­en für die Erzeu­gung von Roh­blei, eine Blei­raf­fi­na­ti­on sowie eine Blei­oxid­fer­ti­gung abge­wie­sen. Die Bei­gela­de­ne betreibt im Land­kreis Neu­wied eine sol­che Anla­ge und bean­trag­te im April 2009 die Geneh­mi­gung zur Erwei­te­rung der Recy­cling­ka­pa­zi­tä­ten sowie wei­te­rer betrieb­li­cher Ände­run­gen; u. a. soll die Blei­oxid­fer­ti­gung künf­tig nicht mehr betrie­ben wer­den. Das Vor­ha­ben wur­de im März 2010 vom Land­kreis Neu­wied unter Fest­set­zung von Neben­be­stim­mun­gen geneh­migt. Nach erfolg­lo­ser Durch­füh­rung eines Wider­spruchs­ver­fah­rens erho­ben die in 450 m und 1.500 m von dem Betrieb ent­fernt woh­nen­den Nach­barn Kla­ge.

Wäh­rend des lau­fen­den Kla­ge­ver­fah­rens ver­zich­te­te die Bei­gela­de­ne auf den Ein­satz ver­schie­de­ner von der Geneh­mi­gung umfass­ter Stof­fe (wie bei­spiels­wei­se blei­ver­un­rei­nig­te Misch­kunst­stoff­frak­ti­on, Boden­aus­hub, Ver­pa­ckungs­ab­fall, Holz, Glas, Kunst­stoff und Fil­ter­staub) für den Schacht­ofen­pro­zess. Der Beklag­te änder­te dar­auf­hin die Geneh­mi­gung ent­spre­chend ab. Schließ­lich wur­den in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt die im Bescheid fest­ge­setz­ten Grenz­wer­te für Dioxi­ne und Fura­ne zuguns­ten der Nach­barn ver­bes­sert.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ver­let­ze die Geneh­mi­gung in ihrer jet­zi­gen Fas­sung die Nach­barn nicht in ihren Rech­ten. Die Nach­barn könn­ten nur dann die Auf­he­bung der Geneh­mi­gung bean­spru­chen, wenn das Vor­ha­ben Rechts­vor­schrif­ten miss­ach­te, die gera­de ihrem Schutz die­nen soll­ten. Dar­an hät­ten auch die von den Klä­gern für sich bean­spruch­ten euro­pa­recht­li­chen Vor­schrif­ten und die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes nichts geän­dert. Von dem geneh­mig­ten Vor­ha­ben gin­gen für die Nach­barn kei­ne nach gel­ten­dem Recht unzu­mut­ba­ren Umwelt­be­las­tun­gen aus. Nach der vor­ge­leg­ten schall­tech­ni­schen Unter­su­chung wür­den die ein­schlä­gi­gen Immis­si­ons­richt­wer­te der TA Lärm beim Betrieb der Anla­ge zulas­ten der Klä­ger nicht über­schrit­ten; das gel­te auch hin­sicht­lich der Geräu­sche durch den vom Betrieb ver­ur­sach­ten LKW-Ver­kehr. Außer­dem sei­en die fest­ge­leg­ten Neben­be­stim­mun­gen zur Ver­mei­dung von Schad­stof­fen in der Luft und von Geruchsim­mis­sio­nen recht­mä­ßig fest­ge­setzt wor­den. Von daher sei das Vor­ha­ben für die Nach­barn nicht rück­sichts­los. Schließ­lich sei­en kei­ne Bestim­mun­gen zum Schutz vor einem Stör­fall zu Las­ten der Klä­ger ver­letzt wor­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 29. Janu­ar 2013 – 7 K 541/​11.KO