Die Stö­rung der Nacht­ru­he

Sind die in der Nacht­zeit ab 22.00 Uhr zuläs­si­gen Richt­wer­te für All­ge­mei­ne Wohn­ge­bie­te und für Misch­ge­bie­te bei einer Gast­stät­te deut­lich über­schrit­ten, kann die Sperr­zeit der betref­fen­den Gast­stät­te ver­län­gert wer­den. Ein ver­än­der­tes Frei­zeit­ver­hal­ten der Gäs­te kann nicht dazu füh­ren, dass die schutz­wür­di­gen Belan­ge der Nach­bar­schaft ins­be­son­de­re auf eine nächt­li­che Ruhe­pha­se hint­an­ste­hen müs­sen. Dabei ist es recht­lich uner­heb­lich, ob die Gast­stät­ten­er­laub­nis durch die ver­füg­te Sperr­zeit­ver­län­ge­rung man­gels Betriebs­ren­ta­bi­li­tät wirt­schaft­lich wert­los wird.

Die Stö­rung der Nacht­ru­he

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter in dem hie vor­lie­gen­den Fall die Stadt Müns­ter ver­pflich­tet, die Sperr­zeit der Gast­stät­te "Him­mel und Höl­le" in Müns­ter auf die Zeit ab 1 Uhr zu ver­län­gern. Im März 2010 hat­te die Klä­ge­rin bei der beklag­ten Stadt Müns­ter bean­tragt, die Sperr­zeit für die Gast­stät­te auf 1 Uhr zu ver­län­gern. Die Klä­ge­rin hat­te gel­tend gemacht, dass es durch lau­te Musik und durch Gäs­te ins­be­son­de­re in den Näch­ten auf Don­ners­tag, Sams­tag und Sonn­tag regel­mä­ßig nach 23 Uhr und bis ca. 3 Uhr zu nächt­li­chen Ruhe­stö­run­gen sowie Ver­un­rei­ni­gun­gen durch Exkre­men­te und Scher­ben in der Stra­ße kom­me. Die­sen Antrag hat­te die Beklag­te im Juli 2010 abge­lehnt. Dage­gen ist Kla­ge erho­ben wor­den.

Zur Beur­tei­lung der Geräusch­si­tua­ti­on im Bereich der Gast­stät­te "Him­mel und Höl­le" hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­ge­holt: Danach sind die in der Nacht­zeit ab 22.00 Uhr zuläs­si­gen Richt­wer­te für All­ge­mei­ne Wohn­ge­bie­te und für Misch­ge­bie­te deut­lich über­schrit­ten. Das Ver­wal­tungs­ge­richt habe nach den Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters kei­nen Zwei­fel dar­an, dass sei­ne Mes­sun­gen eine zutref­fen­de Wie­der­ga­be der Lärm­si­tua­ti­on dar­stell­ten. Damit sei ein beson­de­res öffent­li­ches Bedürf­nis zum Schutz der Nacht­ru­he der Nach­bar­schaft gegen­über der Gast­stät­te gege­ben.

Die Stö­run­gen ergä­ben sich durch Besu­cher­lärm, wobei zu berück­sich­ti­gen sei, dass es sich bei den Besu­chern der Gast­stät­te "Him­mel und Höl­le" in aller Regel um ein jun­ges und damit beson­ders leb­haf­tes Publi­kum han­de­le. Zwar bestün­den die Gast­stät­ten im Bereich der Kreuz­stra­ße seit Jahr­zehn­ten und hät­ten laut dem hier ein­schlä­gi­gen Bebau­ungs­plan Bestand­schutz. Auch die betriebs­wirt­schaft­li­chen Über­le­gun­gen der Gas­tro­no­mie, jun­ges Publi­kum als Ziel­grup­pe in einer Uni­ver­si­täts­stadt anzu­zie­hen, sei­en nach­voll­zieh­bar. Dies sei aber zugleich eine Reak­ti­on auf ein ver­än­der­tes Frei­zeit­ver­hal­ten der Gäs­te. Gera­de die Her­an­wach­sen­den und jün­ge­ren Erwach­se­nen pfleg­ten ein gegen­über frü­he­ren Genera­tio­nen und Zei­ten spä­te­res Aus­ge­hen, ein län­ge­res Aus­blei­ben, kür­ze­re Auf­ent­halts­zei­ten in ein­zel­nen Loka­len und damit einen häu­fi­ge­ren Wech­sel von Lokal zu Lokal. All das erhö­he die Fluk­tua­ti­on der Gäs­te und den An- und Abfahrt­ver­kehr bzw. Fuß­gän­ger­ver­kehr zu und vom Lokal. Anders als frü­her kon­zen­trie­re sich das nächt­li­che Aus­ge­hen nicht mehr auf die Wochen­en­den, son­dern auch unter der Woche fra­ge die jün­ge­re Bevöl­ke­rung nächt­li­che Frei­zeit­an­ge­bo­te nach.

Dies kön­ne ins­ge­samt jedoch nicht dazu füh­ren, dass die schutz­wür­di­gen Belan­ge der Nach­bar­schaft ins­be­son­de­re auf eine nächt­li­che Ruhe­pha­se hint­an­ste­hen müss­ten. Dabei sei die Fra­ge, ob die Gast­stät­ten­er­laub­nis durch die ver­füg­te Sperr­zeit­ver­län­ge­rung man­gels Betriebs­ren­ta­bi­li­tät wirt­schaft­lich wert­los wer­de, recht­lich uner­heb­lich.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 30. Okto­ber 2013 – 9 K 1971/​12