Ein gemein­sa­mer Bade­steg ist bes­ser als gar kei­ner…

Ein pri­va­ter Bade­steg beein­träch­tigt die Funk­ti­on der Flach­was­ser­zo­ne des Boden­see­ufers und wider­spricht daher dem Wohl der All­ge­mein­heit. Die Besei­ti­gungs­an­ord­nung ver­letzt den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer nicht in sei­nem Eigen­tums­grund­recht.

Ein gemein­sa­mer Bade­steg ist bes­ser als gar kei­ner…

So hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers am Boden­see ent­schie­den, der sich gegen eine Besei­ti­gungs­ver­fü­gung des Land­rats­amts Kon­stanz gewandt hat und die Geneh­mi­gung eines vor­han­de­nen Bade­stegs begehr­te. Der Antrag, die Beru­fung gegen ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Frei­burg zuzu­las­sen, das sei­ne Kla­ge abge­wie­sen hat­te, blieb ohne Erfolg.

Der Klä­ger ist Eigen­tü­mer eines Grund­stücks am Boden­see. Ent­lang des Ufers ver­läuft ein von Ste­gen durch­setz­ter Schilf­gür­tel. Ein vom Grund­stück des Klä­gers durch das Schilf füh­ren­der Bade­steg wur­de 1999 befris­tet bis Ende 2006 geneh­migt. Im Jahr 2006 erteil­te das Land­rats­amt dem Klä­ger ent­spre­chend einem "Nut­zungs­kon­zept" von 1984, das der dama­li­ge Land­rat nach einer Abspra­che mit Behör­den­ver­tre­tern und Grund­stücks­ei­gen­tü­mern nie­der­ge­legt hat­te, eine neue Geneh­mi­gung mit der Ein­schrän­kung, dass sein Steg auch dem Nach­bar­grund­stück als See­zu­gang die­nen sol­le; zugleich ver­füg­te es die Besei­ti­gung des Nach­bar­stegs. Nach­dem der Klä­ger und sein Nach­bar Wider­spruch erho­ben hat­ten, lehn­te die Behör­de jedoch eine wei­te­re Geneh­mi­gung ab und ord­ne­te die Besei­ti­gung bei­der Ste­ge an. Die dage­gen erho­be­nen Kla­gen wies das Ver­wal­tungs­ge­richt im Anschluss an ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs zur Unzu­läs­sig­keit von Dal­ben (Boots­an­bin­de­pfäh­le) in der Flach­was­ser­zo­ne des Boden­sees ab. Mit sei­nem Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung mach­te der Klä­ger u.a. ernst­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit des Urteils gel­tend.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg sei­en Bade­ste­ge nicht anders als Dal­ben oder Boots­ste­ge zu beur­tei­len. Auch die Errich­tung eines Bade­stegs in der Flach­was­ser­zo­ne sei eine erlaub­nis­pflich­ti­ge “Benut­zung“ eines Gewäs­sers. Ein Bade­steg sei mehr noch als ein­zel­ne Dal­ben ein Fremd­kör­per in der öko­lo­gisch beson­ders hoch­wer­ti­gen und gegen­über äuße­ren Ein­flüs­sen emp­find­li­chen Flach­was­ser­zo­ne und beein­flus­se die­se Zone nach­tei­lig. Das Ver­weal­tungs­ge­richt habe auch zutref­fend fest­ge­stellt, dass der Bade­steg nicht erlaubt wer­den kön­ne, weil er die Funk­ti­on der Flach­was­ser­zo­ne des Boden­see­ufers beein­träch­ti­ge und somit dem Wohl der All­ge­mein­heit wider­spre­che. Wie der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg mehr­fach ent­schie­den habe, wir­ke sich bereits die Exis­tenz von Ste­gen in der geschütz­ten Flach­was­ser­zo­ne des Boden­see­ufers nach­tei­lig auf das loka­le Sedi­ments- und Strö­mungs­ge­sche­hen und die Vege­ta­ti­on, ins­be­son­de­re durch Ver­schat­tung, aus. Die Flach­was­ser­zo­ne sei wegen ihrer Bedeu­tung für die Selbst­rei­ni­gungs­kraft des Sees und damit für sei­ne Eig­nung als Trink­was­ser­quel­le beson­ders schutz­wür­dig. Dies gel­te in beson­de­rem Maße für die Schilfzo­ne, in der sich das Was­ser rege­ne­rie­re. Die­se Bewer­tung decke sich mit den Aus­sa­gen im Boden­see­ufer­plan.

Die Besei­ti­gungs­an­ord­nung ver­let­ze den Klä­ger nicht in sei­nem Eigen­tums­grund­recht. Das Grund­stücks­ei­gen­tum rei­che nicht unein­ge­schränkt in den Boden­see hin­ein; viel­mehr ste­he das Gewäs­ser­bett im öffent­li­chen Eigen­tum des Lan­des. Im Übri­gen über­se­he der Klä­ger, dass es Sache des Gesetz­ge­bers sei, Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums zu bestim­men. Das sei durch die was­ser­recht­li­chen Rege­lun­gen gesche­hen. Die damit ver­bun­de­ne Ein­schrän­kung der Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se sei als Aus­druck der Sozi­al­ge­bun­den­heit ent­schä­di­gungs­los hin­zu­neh­men. Mit sei­ner Lage am Boden­see als Trink­was­ser­spei­cher für rund 4 Mil­lio­nen Men­schen habe das Grund­stück des Klä­gers einen beson­de­ren sozia­len Bezug. Auf den Fort­be­stand der ihm im Juli 2006 zunächst erteil­ten neu­en Geneh­mi­gung habe der Klä­ger nicht ver­trau­en kön­nen, weil er sie nicht akzep­tiert und umge­setzt, son­dern ange­foch­ten habe. Der Klä­ger wer­de im Ver­gleich mit Eigen­tü­mern, deren Geneh­mi­gun­gen erst Ende 2015 aus­lie­fen, auch nicht ver­fas­sungs­wid­rig ungleich behan­delt. Zum einen müs­se auch er sei­nen Steg frü­hes­tens im Jahr 2012 besei­ti­gen. Zum ande­ren ent­sprä­chen die noch befris­tet geneh­mig­ten ande­ren Ste­ge, anders als der­je­ni­ge des Klä­gers, dem "Nut­zungs­kon­zept", auf des­sen Umset­zung ihre Eigen­tü­mer jah­re­lang ver­traut hät­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 10. Juli 2012 – 3 S 231/​11