Ent­sor­gung asbest­hal­ti­gen Bau­schutts

Umsor­tier­ter Bau­schutt aus dem Umbau bzw. Abriss von Kaser­nen ist Abfall im objek­ti­ven Sinn, der durch die Ver­un­rei­ni­gun­gen mit Asbest zum gefähr­li­chen Abfall wird.

Ent­sor­gung asbest­hal­ti­gen Bau­schutts

Es fällt in den Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Abfall­be­sit­zers, wenn sich wegen gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ner Ver­fah­rens­schrit­te bestimm­te von ihm bevor­zug­te Abfallsortierungs‑, Ent­sor­gungs- und Ver­wer­tungs­kon­zep­te nicht in der behörd­lich ange­ord­ne­ten Frist ver­wirk­li­chen las­sen.

Die­ser unsor­tier­te Bau­schutt unter­fällt dem Abfall­be­griff des § 3 Abs. 1 Satz 1 KrW-/AbfG. Abfäl­le im Sin­ne die­ser Norm sind alle beweg­li­chen Sachen, die unter die in Anhang I auf­ge­führ­ten Grup­pen fal­len und deren sich ihr Besit­zer ent­le­digt, ent­le­di­gen will oder ent­le­di­gen muss. Bei dem Bau­schutt han­delt es sich um beweg­li­che Sachen, die den im Anhang I zum KrW-/AbfG auf­ge­führ­ten Grup­pen (Q 14 oder jeden­falls Q 16) zuzu­rech­nen sind. Besit­zer von Abfäl­len ist in die­sem Zusam­men­hang nach § 3 Abs. 6 KrW-/AbfG jede natür­li­che oder juris­ti­sche Per­son, die – wie hier die Klä­ge­rin – tat­säch­li­che Sach­herr­schaft über Abfäl­le hat. Wann eine sol­che Ent­le­di­gung gege­ben ist, ergibt sich aus den Begriffs­be­stim­mun­gen der Absät­ze 2 – 4 des § 3 KrW-/AbfG. Nach § 3 Abs. 4 KrW-/AbfG muss sich der Besit­zer beweg­li­cher Sachen ent­le­di­gen, wenn die­se ent­spre­chend ihrer ursprüng­li­chen Zweck­be­stim­mung nicht mehr ver­wen­det wer­den, auf­grund ihres kon­kre­ten Zustan­des geeig­net sind, gegen­wär­tig oder künf­tig das Wohl der All­ge­mein­heit, ins­be­son­de­re die Umwelt zu gefähr­den – vgl. § 10 Abs. 4 KrW-/AbfG – und deren Gefähr­dungs­po­ten­zi­al nur durch eine ord­nungs­ge­mä­ße und schad­lo­se Ver­wer­tung oder gemein­wohl­ver­träg­li­che Besei­ti­gung aus­ge­schlos­sen wer­den kann (soge­nann­ter Zwangs­ab­fall oder Abfall im objek­ti­ven Sinn). Bei unsor­tier­tem Bau­schutt, der – wie hier – beim Abriss oder Umbau von Gebäu­den anfällt, han­delt es sich regel­mä­ßig um Abfall im objek­ti­ven Sinn, weil typi­scher­wei­se neben unbe­denk­li­chem mine­ra­li­schen Mate­ri­al zahl­rei­che, poten­zi­ell schad­stoff­hal­ti­ge Bestand­tei­le ent­hal­ten sind, die Gewäs­ser und Boden gefähr­den kön­nen, also eine Beein­träch­ti­gung des All­ge­mein­wohls bei unsor­tier­ter Lage­rung oder Ver­wen­dung aus­lö­sen [1]. Beson­de­re Umstän­de, hier­von im Fall des strei­ti­gen Bau­schutts abzu­wei­chen, bestehen nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts nicht. Dahin­ste­hen mag inso­fern auch, ob gleich­zei­tig nach der (als Kor­rek­tiv wir­ken­den) Ver­kehrs­an­schau­ung auch der sub­jek­ti­ve Abfall­be­griff nach § 3 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 KrW-/AbfG erfüllt ist, weil der behaup­te­te neue Ver­wen­dungs­zweck des Bau­schutts als Bau­ma­te­ri­al für eine Kart­bahn oder eine ande­re Erwei­te­rung der Frei­zeit­an­la­ge weder unmit­tel­bar noch im Ein­klang mit den Grund­pflich­ten aus § 5 Abs. 3 Satz 1 KrW-/AbfG (ord­nungs­ge­mä­ße und schad­lo­se Ver­wer­tung) rea­li­siert wird, zumal die Klä­ge­rin weder eine Geneh­mi­gung für die erfor­der­li­che Abfall­be­hand­lung und ‑ver­wer­tung noch für die ange­dach­te Erwei­te­rung der Frei­zeit­an­la­ge vor­wei­sen oder nach dem Ver­fah­rens­stand als in Aus­sicht ste­hend prä­sen­tie­ren kann. Schon nach dem objek­ti­ven Abfall­be­griff han­delt es sich bei dem unsor­tier­ten Bau­schutt der oben genann­ten Her­kunft – selbst ohne die Durch­set­zung mit asbest­hal­ti­gem Mate­ri­al – um Abfall im Sin­ne von § 3 Abs. 1 KrW-/AbfG.

Zutref­fend hat die Behör­de auch auf die Beson­der­hei­ten wegen der Asbest­ver­un­rei­ni­gun­gen abge­stellt. Bei den Umbau­ar­bei­ten in der ehe­ma­li­gen Kaser­ne wur­den in den Gebäu­den vor­han­de­ne Asbest­tei­le (etwa Lüf­tungs­schäch­te, ‑roh­re, Eter­nit­plat­ten und Fens­ter­bän­ke) nicht aus­sor­tiert, son­dern gemein­sam mit dem übri­gen Bau­schutt im nord­öst­li­chen Teil des Gelän­des W. abge­la­gert. Die­se asbest­hal­ti­gen Gebäu­de­be­stand­tei­le wur­den wäh­rend der Abbruch­vor­gän­ge, dem Auf­la­den, ggf. Umla­den, Trans­por­tie­ren, Abla­den und dem Auf­schich­ten zu Hauf­wer­ken, wei­ter in unter­schied­li­che Korn­grö­ßen zer­klei­nert und ver­teilt. Unab­hän­gig von der rela­tiv gerin­gen Ursprungs­men­ge asbest­hal­ti­ger Gebäu­de­be­stand­tei­le (min­des­tens 2 t) ist dadurch der gesam­te Bau­schutt, der von der Abbruch­maß­nah­me der asbest­hal­ti­gen Gebäu­de stammt oder beim Auf­schich­ten vor Ort mit ihm ver­mischt wur­de, als mit Asbest kon­ta­mi­niert anzu­se­hen. Durch die­se Ver­un­rei­ni­gung wird er zum gefähr­li­chen Abfall (§ 3 Abs. 8 KrW-/AbfG i. V. m. Abfall­schlüs­sel­num­mer 170605 AVV [2]) und Son­der­ab­fall im Sin­ne von § 13 NAbfG. Die­ser darf – wie der Behör­de rich­tig ange­nom­men hat – grund­sätz­lich nur im Rah­men einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ent­sor­gung in einer dafür zuge­las­se­nen Anla­ge im Sin­ne des § 27 Abs. 1 KrW-/AbfG ohne Gefähr­dung für die in § 10 Abs. 4 KrW-/AbfG genann­ten Schutz­gü­ter behan­delt, gela­gert oder abge­la­gert wer­den. Dies betrifft das gesam­te antrans­por­tier­te Mate­ri­al, wel­ches mit Asbest ver­mischt ist.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 9. Febru­ar 2011 – 5 A 1435/​09

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 24.06.1993 – 7 C 11.92; VG Ans­bach, Urteil vom 22.06.2006 – AN 11 K 05.01428, m. w. N.[]
  2. Abfall­ver­zeich­nis-Ver­ord­nung – AVV -BGBl. I 2001, S. 3379[]