Ent­sor­gung salz­hal­ti­ger Hal­den­ab­wäs­ser

Nach Ansicht des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sind die Gemein­den Gers­tun­gen und Her­le­shau­sen, die Stadt Wit­zen­hau­sen sowie die Fische­rei­ge­nos­sen­schaft Unte­re Wer­ra nicht berech­tigt, gericht­lich über­prü­fen zu las­sen, ob die Ein­lei­tung salz­hal­ti­ger Hal­den­ab­wäs­ser des Wer­kes Neu­hof-Ellers der Fir­ma K + S KALI GmbH in die Wer­ra bei Hat­torf (Gemein­de Phil­ipp­s­tal) von einer dem Unter­neh­men erteil­ten was­ser­recht­li­chen Erlaub­nis des Regie­rungs­prä­si­di­ums Kas­sel gedeckt ist. Mit die­ser Fest­stel­lung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Beru­fung der Kom­mu­nen und der Fische­rei­ge­nos­sen­schaft gegen ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Kas­sel vom Juni 2009 zurück­ge­wie­sen. Unab­hän­gig hier­von hat das obers­te hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richt im übri­gen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich die Ein­lei­tung der Abwäs­ser in die Wer­ra im Rah­men einer der Fir­ma K + S KALI GmbH erteil­ten Erlaub­nis zur Bewäl­ti­gung kurz­fris­tig auf­tre­ten­der Ent­sor­gungs­eng­päs­se hal­te.

Ent­sor­gung salz­hal­ti­ger Hal­den­ab­wäs­ser

Die Kom­mu­nen und die Fische­rei­ge­nos­sen­schaft hat­ten sich an die Ver­wal­tungs­ge­rich­te gewandt, nach­dem die Fir­ma K + S KALI GmbH Hal­den­ab­wäs­ser des Wer­kes Neu­hof-Ellers nicht mehr in den Unter­grund ver­senkt, son­dern ab Ende Mai 2007 per Last­kraft­wa­gen und Bahn nach Hat­torf trans­por­tiert und dort in die Wer­ra ein­lei­tet. Die bis dahin erfolg­te Ver­sen­kung der salz­hal­ti­gen Abwäs­ser in den Unter­grund war im Hin­blick auf hydro­geo­lo­gisch nicht geklär­te Fra­gen (u. a. Salz­was­ser­aus­trit­te ins Grund­was­ser) ein­ge­stellt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs fehlt den Kom­mu­nen und der Fische­rei­ge­nos­sen­schaft die Kla­ge­be­fug­nis für ihre Kla­ge, mit der sie gericht­lich fest­stel­len las­sen wol­len, dass die Ein­lei­tung von Hal­den­ab­wäs­sern des Wer­kes Neu­hof-Ellers in die Wer­ra durch die Fir­ma K + S KALI GmbH uner­laubt erfolgt. Ein­klag­ba­re Rech­te und Inter­es­sen der Kom­mu­nen sowie der Fische­rei­ge­nos­sen­schaft wür­den auch unter Berück­sich­ti­gung euro­pa­recht­li­cher Vor­ga­ben der Was­ser­rah­men­richt­li­nie nicht berührt. Ins­be­son­de­re sei die Ein­lei­tung der Hal­den­ab­wäs­ser ent­ge­gen der Ansicht der kla­gen­den Kom­mu­nen und der Fische­rei­ge­nos­sen­schaft ihnen gegen­über nicht rück­sichts­los.

Weder im Hin­blick auf die Men­ge noch auf die Zusam­men­set­zung der Hal­den­ab­wäs­ser füh­re deren Ein­lei­tung in die Wer­ra zu zusätz­li­chen nach­tei­li­gen Ver­än­de­run­gen, zumal auf­grund tech­ni­scher Maß­nah­men der Fir­ma K + S KALI GmbH an ande­rer Stel­le die Ein­lei­tung der Hal­den­ab­wäs­ser in die Wer­ra kom­pen­siert wer­de.

Zur Ver­mei­dung wei­te­rer Recht­strei­tig­kei­ten hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof im Übri­gen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ein­lei­tung der Hal­den­ab­wäs­ser durch die der Fir­ma K + S KALI GmbH erteil­ten, für Ent­sor­gungs­eng­päs­se gel­ten­den Erlaub­nis gedeckt sei. Lang­fris­tig sol­le die Ent­sor­gung der Hal­den­ab­wäs­ser durch eine Rohr­lei­tung zu einem geeig­ne­ten Fließ­ge­wäs­ser erfol­gen. Ein Ent­sor­gungs­eng­pass im Sin­ne der vom Regie­rungs­prä­si­di­um Kas­sel erteil­ten Erlaub­nis sei jeden­falls gege­ben, wenn – wie der­zeit – der Ent­sor­gungs­weg über eine Rohr­lei­tung noch nicht zur Ver­fü­gung ste­he und der Ent­sor­gungs­weg über die Ver­sen­kung der Hal­den­ab­wäs­ser des Wer­kes Neu­hof-Ellers in den Unter­grund aus tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Grün­den nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­he.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Sep­tem­ber 2011 – 7 A 1736/​10