Fle­der­maus und Uhu gegen vier Wind­kraft­an­la­gen

Einem Vogel­schutz­ver­ein fehlt die Antrags­be­fug­nis, um mit einem Eil­an­trag Ver­stö­ße gegen nach­bar­schüt­zen­de Rege­lun­gen des Lärm- und Eigen­tums­schut­zes gel­tend zu machen. Die nach dem Umwelt-Rechts­be­helfs­ge­setz (UmwRG) erteil­te Aner­ken­nung eines Ver­eins erlaubt die Gel­tend­ma­chung von Rechts­ver­stö­ßen, die in sei­nen sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben­be­reich fal­len. Weist die erteil­te Geneh­mi­gung zur Errich­tung von vier Wind­kraft­an­la­gen und den dazu erfor­der­li­chen Rodungs­maß­nah­men kei­ne Ver­stö­ßen gegen die arten­schutz­recht­li­chen Ver­bots­tat­be­stän­de des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes auf und ist die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP) so als stand­ort­be­zo­ge­ne Vor­prü­fung vor­ge­nom­men wor­den, wie es in einem nicht beson­ders geschütz­ten Are­al im Sin­ne des UVP-Geset­zes not­wen­dig ist, lie­gen kei­ne durch­grei­fen­den Rechts­feh­ler bei der Geneh­mi­gungs­er­tei­lung vor.

Fle­der­maus und Uhu gegen vier Wind­kraft­an­la­gen

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen in dem hier vor­lie­gen­den Eil­an­trag eines Vogel­schutz­ver­eins, der sich gegen die Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung der der Gemein­de Bad End­bach vom Regie­rungs­prä­si­di­um Gie­ßen im März 2013 erteil­ten Geneh­mi­gung zur Errich­tung von vier Wind­kraft­an­la­gen und den dazu erfor­der­li­chen Rodungs­maß­nah­men rich­tet. Der antrag­stel­len­de Vogel­schutz­ver­ein hat­te gegen die Geneh­mi­gung vor­ge­bracht, die­se ver­sto­ße gegen Rege­lun­gen des Lärm- und Brand­schut­zes, wir­ke optisch bedrän­gend und habe ent­eig­nen­de Wir­kung im Hin­blick auf das Eigen­tum an Forst­flä­chen und eigen­tums­ähn­li­chen Rech­ten wie der Jagd­aus­übung. Außer­dem sei eine erfor­der­li­che Prü­fung nach dem Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fungs­ge­setz (UVPG) feh­ler­haft erfolgt und ver­sto­ße die erteil­te Geneh­mi­gung gegen die arten­schutz­recht­li­chen Ver­bots­tat­be­stän­de des § 44 Abs. 1 BNatSchG. Die Daten­la­ge, auf der die arten­schutz­recht­li­che Beur­tei­lung basie­re, sei unzu­rei­chend gewe­sen. Davon betrof­fen sei­en Fle­der­mäu­se und die Avifau­na (Hasel­huhn, Raub­wür­ger, Rau­fuß­kauz, Rot­mi­lan, Uhu, Zie­gen­mel­ker) sowie auch Luchs und Wild­kat­ze.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen feh­le dem Antrag­stel­ler bereits die Antrags­be­fug­nis, soweit der Vogel­schutz­ver­ein Ver­stö­ße gegen nach­bar­schüt­zen­de Rege­lun­gen des Lärm- und Eigen­tums­schut­zes gel­tend gemacht habe. Die dem Antrag­stel­ler nach dem Umwelt-Rechts­be­helfs­ge­setz (UmwRG) erteil­te Aner­ken­nung erlau­be die­sem zwar, Rechts­be­hel­fe nach dem UmwRG ein­zu­le­gen. Dabei sei der Antrag­stel­ler aber auf die Gel­tend­ma­chung von Rechts­ver­stö­ßen beschränkt, die in sei­nen sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben­be­reich fal­len. Die­ser umfas­se nach der Sat­zung des Antrag­stel­lers die För­de­rung des Vogel- und Natur­schut­zes und ermäch­ti­ge den Antrag­stel­ler daher nicht, pri­va­te Eigen­tums­in­ter­es­sen wahr­zu­neh­men.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te daher nur den gerüg­ten Ver­stö­ßen gegen die arten­schutz­recht­li­chen Ver­bots­tat­be­stän­de des Bun­des­na­tur­schutz­ge­set­zes und die UVP-Prü­fung nach­zu­ge­hen.

In Bezug auf die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP) ist das Ver­wal­tungs­ge­richt der Mei­nung, dass sie nicht in dem von dem Antrag­tel­ler gel­tend gemach­ten Umfang habe durch­ge­führt wer­den müs­sen, denn weder die Anzahl der Wind­kraft­an­la­gen noch die in Anspruch genom­me­ne Flä­che oder beson­de­re Umstän­de hät­ten dies erfor­der­lich gemacht. Da die Wind­kraft­an­la­gen nicht in einem beson­ders geschütz­ten Are­al im Sin­ne des UVP-Geset­zes lägen, sei kei­ne wei­ter­ge­hen­de Prü­fung als die vor­ge­nom­me­ne stand­ort­be­zo­ge­ne Vor­prü­fung not­wen­dig gewe­sen.

Auch ein Ver­stoß gegen das arten­schutz­recht­li­che Tötungs- und Ver­let­zungs­ver­bot nach § 44 Abs. 1 BNatSchG sei nicht fest­stell­bar. Dabei teil­te das Ver­wal­tungs­ge­richt die Beden­ken des Antrag­stel­lers im Hin­blick auf die Bestands­auf­nah­men des Tier­be­stan­des, die in den vom Regie­rungs­prä­si­di­um her­an­ge­zo­ge­nen Stel­lung­nah­men von Fach­be­hör­den und Fach­gut­ach­tern zu Grun­de gelegt wor­den waren, nicht. Der Tier­be­stand im betrof­fe­nen Gebiet sei nach dem Stand der Wis­sen­schaft aus­rei­chend ermit­telt und bewer­tet wor­den. Ins­be­son­de­re sei auch den Hin­wei­sen von Mit­glie­dern des Antrag­stel­lers von den behörd­lich beauf­trag­ten Gut­ach­tern hin­rei­chend nach­ge­gan­gen wor­den.

Zur Ver­mei­dung einer signi­fi­kan­ten Erhö­hung des Tötungs- oder Ver­let­zungs­ri­si­kos betrof­fe­ner Tier­ar­ten sehe die Geneh­mi­gung aus­rei­chen­de Ver­mei­dungs­maß­nah­men in Gestalt der Bau­zei­ten­re­ge­lung für Rodungs­ar­bei­ten und eine öko­lo­gi­sche Bau­be­glei­tung sowie eine mög­lichst weit­ge­hen­de Ver­mei­dung von Ein­grif­fen in höher­wer­ti­ge Wald­be­stän­de vor.

Auch das im Eil­ver­fah­ren erst­mals gel­tend gemach­te Feh­len von Kon­flikt­ana­ly­sen und der Ver­stoß gegen das Stö­rungs­ver­bot des § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG bezüg­lich der Groß­säu­ger Luchs und Wild­kat­ze sei bei sum­ma­ri­scher Prü­fung nicht durch­schla­gend. Denn es gebe kei­ne Erkennt­nis­se über eine Sen­si­bi­li­tät die­ser Arten gegen­über Wind­kraft­an­la­gen, die nach wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen kei­ne Bar­rie­re­wir­kun­gen für die weit­räu­mig am Boden wan­dern­den Arten wie Wild­kat­ze und Luchs ent­fal­te­ten. Zudem lägen Sich­tun­gen und Nach­wei­se für die bei­den Arten nur für Gebie­te vor, die in beträcht­li­cher Ent­fer­nung vom Vor­ha­ben­ge­biet lägen. Für wei­te­re Stö­run­gen geschütz­ter Tier­ar­ten fehl­ten hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen, Beschluss vom 5. Novem­ber 2013 – 1 L 2031/​13.GI