Haf­tung nach dem Umwelt­scha­dens­ge­setz – und das Ver­schul­den des Gut­ach­ters

Bei der ver­schul­dens­ab­hän­gi­gen Haf­tung für Umwelt­schä­den wer­den Vor­satz und Fahr­läs­sig­keit nach zivil­recht­li­chen Maß­stä­ben bestimmt. Ein etwai­ges Ver­schul­den eines vom Ver­ant­wort­li­chen beauf­trag­ten wei­sungs­frei­en Gut­ach­ters wird die­sem nicht zuge­rech­net.

Haf­tung nach dem Umwelt­scha­dens­ge­setz – und das Ver­schul­den des Gut­ach­ters

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­te der Klä­ger, ine aner­kann­te Natur­schutz­ver­ei­ni­gung, vom Land Rhein­land-Pfalz die Anord­nung von Sanie­rungs­maß­nah­men nach dem Umwelt­scha­dens­ge­setz. Die Bebau­ung eines teil­wei­se in einem FFH-Gebiet lie­gen­den Grund­stücks u.a. mit Getrei­de­si­los und eine feh­ler­haf­te Durch­füh­rung von natur­schutz­fach­li­chen Aus­gleichs­maß­nah­men hät­ten zu erheb­li­chen nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf den Lebens­raum der Fal­ter­ar­ten Dunk­ler Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling und Gro­ßer Feu­er­fal­ter geführt.

Die Kla­ge blieb sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Ver­wal­tungs­ge­richt Neustadt/​Weinstraße [1] und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz [2] ohne Erfolg. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on der Natur­schutz­ver­ei­ni­gung zurück­ge­wie­sen:

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt habe unter Zugrun­de­le­gung zutref­fen­der recht­li­cher Maß­stä­be und ohne durch­grei­fen­de Feh­ler bei der tatrich­ter­li­chen Beur­tei­lung eine Ver­ant­wort­lich­keit der Silo­be­trei­be­rin nach dem Umwelt­scha­dens­ge­setz ver­neint, befand das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Nach Ein­schät­zung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat die Silo­be­trei­be­rin weder vor­sätz­lich noch fahr­läs­sig gehan­delt. Ein etwai­ges Ver­schul­den des von ihr beauf­trag­ten Gut­ach­ters kann ihr nicht ent­spre­chend § 278 BGB zuge­rech­net wer­den. Das Umwelt­scha­dens­ge­setz trifft eine abschlie­ßen­de Rege­lung der Ver­ant­wort­lich­keit.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2017 – 7 C 29.15

  1. VG Neu­stadt, Urteil vom 25.03.2014 – 5 K 505/​13.NW[]
  2. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 22.07.2015 – 8 A 10041/​15[]