Han­del mit Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat heu­te eine Kla­ge der Fa. Arcelor gegen die Gül­tig­keit der Richt­li­nie über ein Sys­tem für den Han­del mit Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen. Die gegen die Richt­li­nie gerich­te­te Nich­tig­keits­kla­ge hielt das Gericht für unzu­läs­sig, den gleich­zeit rechts­hän­gig gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­trag für unbe­grün­det.

Han­del mit Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten

Die Richt­li­nie über ein Sys­tem für den Han­del mit Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten in der Gemein­schaft 1 wur­de von der EU ange­nom­men, um auf die Ver­rin­ge­rung von Treib­haus­gas­emis­sio­nen, vor allem von CO2, hin­zu­wir­ken. Ihr lie­gen die Ver­pflich­tun­gen der Euro­päi­schen Gemein­schaft aus dem Rah­men­über­ein­kom­men der Ver­ein­ten Natio­nen über Kli­ma­än­de­run­gen und dem Kyo­to-Pro­to­koll zugrun­de.

Die Richt­li­nie bestimmt, dass die Betrei­ber der in ihrem Anhang genann­ten Anla­gen im Rah­men des Emis­si­ons­han­dels­sys­tems ihre Treib­haus­gas­emis­sio­nen mit den ihnen von den Mit­glied­staa­ten nach natio­na­len Zutei­lungs­plä­nen zuge­teil­ten Zer­ti­fi­ka­ten decken müs­sen. Gelingt es einem Betrei­ber, sei­ne Emis­sio­nen zu sen­ken, kann er die über­schüs­si­gen Zer­ti­fi­ka­te an ande­re Betrei­ber ver­kau­fen. Umge­kehrt kann der Betrei­ber einer Anla­ge, von der über­höh­te Emis­sio­nen aus­ge­hen, die erfor­der­li­chen Zer­ti­fi­ka­te von einem Betrei­ber erwer­ben, der über Über­schüs­se ver­fügt.

Im Anhang der Richt­li­nie sind die Arten von Anla­gen auf­ge­führt, die von der Richt­li­nie betrof­fen sind, so unter ande­rem auch bestimm­te Feue­rungs­an­la­gen zur Erzeu­gung von Ener­gie sowie zur Eisen­me­tall­erzeu­gung und ‑ver­ar­bei­tung bestimm­te Anla­gen wie die Anla­gen für die Her­stel­lung von Roh­ei­sen oder Stahl.

Die Fir­ma Arcelor, die seit ihrem Zusam­men­schluss mit Mit­tal im Jahr 2006 zum füh­ren­den Stahl­er­zeu­ger welt­weit gewor­den ist, hat beim Gericht der Euro­päi­schen Uni­on Kla­ge erho­ben und zum einen die Nich­tig­erklä­rung eini­ger Arti­kel der Richt­li­nie und zum ande­ren den Ersatz des ihr durch den Erlass der Richt­li­nie ent­stan­de­nen Scha­dens bean­tragt. Arcelor macht hier­für gel­tend, die Anwen­dung die­ser Bestim­mun­gen auf Anla­gen für die Her­stel­lung von Roh­ei­sen oder Stahl ver­sto­ße gegen meh­re­re Grund­sät­ze des Gemein­schafts­rechts, ins­be­son­de­re gegen das Eigen­tums­recht, die Frei­heit der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung, den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz, den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, die Nie­der­las­sungs­frei­heit und den Grund­satz der Rechts­si­cher­heit.

Die Nich­tig­keits­kla­ge

Mit sei­nem heu­ti­gen Urteil hat das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Nich­tig­keits­kla­ge von Arcelor als unzu­läs­sig abge­wie­sen.

Eine juris­ti­sche Per­son wie eine Gesell­schaft kann gegen die Rechts­ak­te der Gemein­schaft Kla­ge erhe­ben, die sie unmit­tel­bar und indi­vi­du­ell betref­fen. Das Euro­päi­sche Gericht stellt jedoch fest, dass Arcelor von der Richt­li­nie weder indi­vi­du­ell noch unmit­tel­bar betrof­fen ist. Die Richt­li­nie gilt näm­lich gene­rell und abs­trakt für alle Markt­teil­neh­mer im Sin­ne des Anhangs, ein­schließ­lich der­je­ni­gen des Sek­tors der Her­stel­lung von Roh­ei­sen oder Stahl, und ist nicht geeig­net, die tat­säch­li­che und recht­li­che Situa­ti­on von Arcelor aus dem Kreis der übri­gen Markt­teil­neh­mer her­aus­zu­he­ben.

Die Scha­dens­er­satz­kla­ge

Anschlie­ßend wies das Gericht auch den Scha­dens­er­satz­an­trag von Arcelor zurück. Arcelor habe, so das Euro­päi­sche Gericht, nicht dar­ge­tan hat, dass der Gemein­schafts­ge­setz­ge­ber mit dem Erlass der Richt­li­nie einen hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Ver­stoß gegen das Eigen­tums­recht, die Frei­heit der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung, den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz, den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, die Nie­der­las­sungs­frei­heit oder den Grund­satz der Rechts­si­cher­heit began­gen hat, der die außer­ver­trag­li­che Haf­tung der Gemein­schaft aus­lö­sen könn­te.

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on erin­nert in die­sem Zusam­men­hang ins­be­son­de­re dar­an, dass der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten bereits fest­ge­stellt hat 2, dass die Richt­li­nie nicht gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­stößt, da die durch die Nicht­ein­be­zie­hung des Che­mie­sek­tors und des Nicht­ei­sen­me­tall­sek­tors in den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie ver­ur­sach­te unter­schied­li­che Behand­lung durch objek­ti­ve Kri­te­ri­en gerecht­fer­tigt ist.

Nach Auf­fas­sung des Gerichts der Euro­päi­schen Uni­on ver­stößt auch der Umstand, dass die Richt­li­nie den Markt­teil­neh­mern nicht die Mög­lich­keit garan­tiert, die zuge­teil­ten Zer­ti­fi­ka­te auf eine ande­re, ren­ta­ble­re Anla­ge in einem ande­ren Mit­glied­staat zu über­tra­gen, nicht gegen den Grund­satz der Nie­der­las­sungs­frei­heit. Die Richt­li­nie belässt den Mit­glied­staa­ten einen hin­rei­chend wei­ten Ermes­sens­spiel­raum, um ihnen die Anwen­dung der Richt­li­nie im Ein­klang mit der Nie­der­las­sungs­frei­heit zu ermög­li­chen. Selbst wenn die natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten dadurch, dass sie kei­ne Mög­lich­keit vor­se­hen, Zer­ti­fi­ka­te frei zwi­schen in ver­schie­de­nen Mit­glied­staa­ten bele­ge­nen Anla­gen zu über­tra­gen, nicht mit der Nie­der­las­sungs­frei­heit im Ein­klang stün­den, könn­te dem­nach eine sol­che Beschrän­kung nicht allein des­halb der Richt­li­nie zuge­schrie­ben wer­den, weil die­se eine sol­che Pra­xis der Mit­glied­staa­ten nicht aus­drück­lich ver­bie­tet.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 2. März 2010 – T‑16/​04

  1. Richt­li­nie 2003/​87/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13. Okto­ber 2003 über ein Sys­tem für den Han­del mit Treib­haus­gas­emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten in der Gemein­schaft und zur Ände­rung der Richt­li­nie 96/​61/​EG des Rates (ABl. L 275, S. 32).[]
  2. Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten vom 16.12.2008 -C‑127/​07, Arcelor Atlan­tique et Lor­rai­ne u. a.[]