Immis­si­ons­schutz­recht­li­che Prü­fung für Stall­neu­bau­ten

Stall­neu­bau­ten für die Schwei­ne­mast unter­lie­gen einer erwei­ter­ten immis­si­ons­schutz­recht­li­che Prü­fung.

Immis­si­ons­schutz­recht­li­che Prü­fung für Stall­neu­bau­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg die Kla­gen zwei­er Tier­hal­te­rin­nen auf Ertei­lung von immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gun­gen für die Errich­tung und den Betrieb je eines Schwei­ne­mast­stal­les mit rund 2.000 Tier­plät­zen abge­wie­sen.

Die Klä­ge­rin­nen bean­trag­ten Ende 2006 beim Land­kreis Clop­pen­burg die Geneh­mi­gun­gen für ihre Vor­ha­ben auf den Außen­be­reichs­flä­chen eines fami­li­en­ei­ge­nen land­wirt­schaft­li­chen Tier­hal­tungs­be­trie­bes. Zur Beur­tei­lung der Geruchs­ein­wir­kun­gen auf die Nach­bar­schaft und Umge­bung leg­ten sie ein Geruchs­gut­ach­ten vor, wel­ches sie im wei­te­ren Ver­fah­ren mehr­mals auf Ver­lan­gen des Land­krei­ses über­ar­bei­ten und ergän­zen lie­ßen. In die­sen Gut­ach­ten wur­den – neben den geplan­ten Anla­gen – nur die­je­ni­gen vor­han­de­nen (Tierhaltungs-)Betriebe berück­sich­tigt, die sich in einem Radi­us von 600 m um die neu zu bau­en­den Stäl­le befin­den. Eine sol­che Betrach­tungs­wei­se ent­sprach der sei­ner­zeit herr­schen­den Ver­wal­tungs­pra­xis des Land­krei­ses Clop­pen­burg. Nach­dem die­ser jedoch durch eige­ne "Aus­brei­tungs­rech­nun­gen" für Mus­ter­stäl­le die Erkennt­nis gewon­nen hat­te, dass beläs­ti­gen­de Geruchs­ein­wir­kun­gen gro­ßer Tier­hal­tungs­an­la­gen in einer weit­aus grö­ße­ren Ent­fer­nung (bei Mast­schwei­nen bis zu 1.050 m) wahr­nehm­bar sind, änder­te er Anfang 2008 sei­ne Ver­fah­rens­wei­se und ver­langt seit­dem bei Geruchs­pro­gno­sen die Betrach­tung eines grö­ßer zu bemes­sen­den Beur­tei­lungs­ge­bie­tes. Die Klä­ge­rin­nen wei­ger­ten sich jedoch, ein wei­te­res Gut­ach­ten vor­zu­le­gen. Der Land­kreis Clop­pen­burg lehn­te ihre Geneh­mi­gungs­an­trä­ge des­halb Ende 2008 ab. Die dage­gen erho­be­nen Wider­sprü­che wies er im Juni 2009 zurück.

Die dar­auf­hin im Som­mer 2009 erho­be­nen Kla­gen hat nun das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg abge­wie­sen. da den Geneh­mi­gun­gen ent­ge­gen­ste­he, dass der Land­kreis zu Recht ein ergän­zen­des Geruchs­gut­ach­ten mit erwei­ter­tem Beur­tei­lungs­ge­biet auf der Grund­la­ge der "Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie" for­de­re. Gera­de in einer Regi­on, die auf­grund einer extre­men Tier­be­satz­dich­te ganz erheb­lich von Geruchsim­mis­sio­nen betrof­fen sei (sog. "Über­schrei­tungs­ge­biet"), dür­fe die Über­prü­fung nicht sche­ma­tisch erfol­gen. Auch die Beur­tei­lung der Vor­be­las­tungs­si­tua­ti­on durch vor­han­de­ne Betrie­be mit geruchs­be­las­ten­der Wir­kung erfor­de­re eine inten­si­ve Ein­zel­fall­prü­fung. Die Geruchsim­mis­si­ons-Richt­li­nie ent­hal­te bezüg­lich der Grö­ße des Beur­tei­lungs­ge­bie­tes nur Min­dest­an­for­de­run­gen, über die der Land­kreis Clop­pen­burg hier zu Recht habe hin­aus gehen dür­fen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom vom 13. April 2011 – 5 A 2047/​09 und 5 A 2048/​09