Impf­pflicht gegen Blauzungenkrankheit

Für das Land Rhein­land-Pfalz wur­de durch eine All­ge­mein­ver­fü­gung ange­ord­net, dass Rin­der, Scha­fe und Zie­gen jähr­lich zwei­ma­lig, jeweils im Zeit­raum Mai bis August, gegen die Blau­zun­gen­krank­heit zu imp­fen sind. Ähn­li­che Bestim­mun­gen bestehen auch für ande­re Bundesländer.

Impf­pflicht gegen Blauzungenkrankheit

Die­se vom Land Rhein­land-Pfalz in Form einer All­ge­mein­ver­fü­gung ergan­ge­ne Anord­nung ist recht­mä­ßig, wie jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in zwei Urtei­len ent­schie­den hat.

Den bei­den Urtei­len lagen die Kla­gen von drei von der Impf­pflicht betrof­fe­nen Hal­tern von Rin­dern zugrun­de, die sich zur Begrün­dung ihrer Kla­gen unter ande­rem dar­auf berie­fen, dass die vom Land Rhein­land-Pfalz ange­ord­ne­te Impf­pflicht nicht von einer ord­nungs­ge­mä­ßen Rechts­grund­la­ge getra­gen sei. Fer­ner sei die Bei­be­hal­tung der im Jah­re 2008 ver­füg­ten gene­rel­len Impf­pflicht – mit zudem noch nicht zuge­las­se­nen Impf­stof­fen – in Anbe­tracht der rück­läu­fi­gen Zahl von Erkran­kungs­fäl­len unver­hält­nis­mä­ßig. Es bestehe im Übri­gen die Gefahr von Impf­schä­den (ins­be­son­de­re Ver­kal­bung, Ste­ri­li­tät, Tod), die gewich­ti­ger sei­en als die Infek­ti­on selbst. Ihr Tier­be­stand sei gesund und mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit bereits auf natür­li­chem Wege immu­ni­siert. Zudem erfor­de­re die Durch­füh­rung der Imp­fung die Fixie­rung der Tie­re, was bei den in Mut­ter­kuh­her­den gehal­te­nen Tie­ren mit erheb­li­chen Ver­let­zungs­ge­fah­ren für Mensch und Tier ver­bun­den sei. Fer­ner wer­de bei der Her­de Stress auf­ge­baut, der die wei­te­re Her­den­be­treu­ung erheb­lich erschwere.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on der Klä­ger woll­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier jedoch nicht fol­gen. Die ange­foch­te­ne All­ge­mein­ver­fü­gung fin­de, so die Trie­rer Ver­wal­tungs­rich­ter, ihre Rechts­grund­la­ge in den auf eine Emp­feh­lung der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zurück zu füh­ren­den Vor­schrif­ten der Blau­zun­gen­schutz­ver­ord­nung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz, die ihrer­seits ihre Rechts­grund­la­ge in den Vor­schrif­ten des Tier­seu­chen­ge­set­zes finde. 

Bei der Blau­zun­gen­krank­heit han­de­le es sich um eine von bestimm­ten Mücken­ar­ten (Gnit­zen) über­tra­ge­ne Infek­ti­ons­krank­heit, an der Wie­der­käu­er erkrank­ten und die zu den mel­de­pflich­ti­gen Tier­seu­chen zäh­le. Im Jah­re 2007 habe sich die Krank­heit rasant aus­ge­brei­tet, bis Ende des Jah­res sei­en in Deutsch­land ins­ge­samt über 20.000 Fäl­le gezählt wor­den, davon etwa 2800 Fäl­le allein in Rheinland-Pfalz. 

Dies habe den Ver­ord­nungs­ge­ber ver­an­las­sen dür­fen, die aus sei­ner – fach­wis­sen­schaft­lich bestä­tig­ter – Sicht ein­zig erfolg­ver­spre­chen­de Maß­nah­me der flä­chen­de­cken­den Imp­fung aller domes­ti­zier­ten Wie­der­käu­er zu ergrei­fen. Nam­haf­te wis­sen­schaft­li­che Insti­tu­te, ins­be­son­de­re das Paul-Ehr­lich und das Fried­rich-Löff­ler-Insti­tut, führ­ten den erheb­li­chen Rück­gang der Infek­tio­nen im Jah­re 2008 auf die flä­chen­de­cken­den Imp­fun­gen zurück. 

Der klä­ge­ri­sche Vor­trag, dass der Rück­gang auf natür­li­cher Immu­ni­sie­rung beru­he, sei bis­her von wis­sen­schaft­li­cher Sei­te nicht ver­läss­lich unter­mau­ert, wohin­ge­gen die Annah­me der sach­ver­stän­di­gen Insti­tu­te durch euro­päi­sche Wis­sen­schaft­ler bestä­tigt werde. 

Die von den Klä­gern ange­führ­ten Impf­schä­den sei­en zwar mit­un­ter tat­säch­lich fest­zu­stel­len, nach nach­voll­zieh­ba­ren fach­wis­sen­schaft­li­chen Aus­füh­run­gen jedoch hin­nehm­bar, weil die Zahl der fest­ge­stell­ten Impf­schä­den im Ver­hält­nis zur Zahl der ver­ab­reich­ten Impf­do­sen ver­schwin­dend gering sei, wes­halb die Zweck-/Mit­tel­re­la­ti­on ein­deu­tig für die Ein­füh­rung und Bei­be­hal­tung der Impf­pflicht spreche. 

Zu berück­sich­ti­gen sei dabei auch, dass die Tie­re bei einer Infek­ti­on eines qual­vol­len Todes ster­ben kön­nen und dass die Aus­brei­tung zunächst rasant schnell ver­lau­fen sei. Dies zu ver­hin­dern sei legi­ti­mer Zweck der Impfmaßnahmen. 

Da die Ver­ord­nung zudem die Mög­lich­keit von Aus­nah­men von der Impf­pflicht vor­se­he, sei die Ein­füh­rung der Impf­pflicht ins­ge­samt gese­hen ver­hält­nis­mä­ßig. Ob auch den Klä­gern wegen even­tu­el­ler Beson­der­hei­ten ein Anspruch auf eine Aus­nah­me zuste­hen kön­ne, sei in einem geson­der­ten Ver­fah­ren zu prü­fen. Die grund­sätz­li­che Bei­be­hal­tung der Impf­pflicht sei – trotz der rück­läu­fi­gen Erkran­kungs­zah­len – jedoch rech­tens, da es gel­te, die fest­ge­stell­ten Impf­erfol­ge zu ver­fes­ti­gen und zu verstetigen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urtei­le vom 28. Juli 2009 – 1 K 831/​08.TR und 1 K 103/​09.TR