Kanu-Sport oder Schutz wild­le­ben­der Tier­ar­ten

Zum Schutz der in der Nid­da und in deren Ufer­be­reich leben­den und nis­ten­den Tier­ar­ten darf das zustän­di­ge Regie­rungs­prä­si­di­um das Befah­ren der Nid­da unter­sa­gen.

Kanu-Sport oder Schutz wild­le­ben­der Tier­ar­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Kla­gen des Hes­si­schen Kanu­ver­ban­des als unbe­grün­det abge­wie­sen. Das Regie­rungs­prä­si­di­um hat­te jeweils durch All­ge­mein­ver­fü­gung das Betre­ten der Fluss­par­zel­le der Nid­da ein­schließ­lich ihrer Ufer­be­rei­che, das Befah­ren mit mus­kel­kraft- und maschi­nen­be­trie­be­nen Was­ser­fahr­zeu­gen aller Art sowie das freie Lau­fen las­sen und Baden von Hun­den in den Rena­tu­rie­rungs­ge­bie­ten der Nid­da unter­sagt. Betrof­fen waren zwei Fluss­ab­schnit­te zwi­schen Ilben­stadt und Groß-Kar­ben und zwi­schen Klein-Kar­ben und Dor­tel­weil. Der Hes­si­sche Kanu­ver­band hat mit sei­nen Kla­gen die Fest­stel­lung begehrt, dass die durch das Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt ver­füg­te zeit­wei­se Sper­rung (jeweils vom 01.03.bis 30.09.) der Nid­da in den Jah­ren 2012 und 2013 rechts­wid­rig war.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen aus­ge­führt, dass der Kanu­ver­band – anders als noch in den Eil­ver­fah­ren des Kanu­ver­ban­des – kla­ge­be­fugt sei, d.h. in eige­nem Rech­ten betrof­fen sein kön­ne.

Aller­dings sei­en die All­ge­mein­ver­fü­gun­gen des Regie­rungs­prä­si­di­ums recht­mä­ßig gewe­sen. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 2 BNatSchG, der der Abwehr von Gefah­ren im Bereich Natur­schutz und Land­schafts­pfle­ge die­ne, lägen vor. Das Regie­rungs­prä­si­di­um habe zu Recht und mit aus­rei­chen­den Ermes­sen­er­wä­gun­gen zum Schutz der in der Nid­da und in deren Ufer­be­reich leben­den und nis­ten­den beson­ders geschütz­ten wild leben­den Fisch‑, Vogel- und ande­ren Tier­ar­ten, das Befah­ren der Nid­da unter­sagt um die Stö­rung der Tie­re wäh­rend der Fortpflanzungs‑, Aufzucht‑, Mauser‑, Über­win­te­rungs- und Wan­de­rungs­zei­ten zu ver­hin­dern.

Auch die zeit­li­che Aus­deh­nung des Nut­zungs­ver­bo­tes bis Ende Sep­tem­ber sei gerecht­fer­tigt gewe­sen, um ins­be­son­de­re die spät schlüp­fen­den Jung­tie­re der streng geschütz­ten Euro­päi­schen Sumpf­schild­krö­te aus­rei­chend zu schüt­zen.

Ver­wal­tungs­gricht Gie­ßen, Urtei­le vom 12. Mai 2014 – 1 K 493/​12.GI und 1 K 932/13.GI