Koh­len­mon­oxid-Pipe­line und die Gefah­ren-Vor­sor­ge

Ist für eine Koh­len­mon­oxid-Pipe­line hin­rei­chend Vor­sor­ge gegen Schä­den getrof­fen wor­den, gehen kei­ne Gefah­ren für Men­schen, Umwelt, Böden oder ande­re schüt­zens­wer­te Güter von der Pipe­line aus.

Koh­len­mon­oxid-Pipe­line und die Gefah­ren-Vor­sor­ge

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall Kla­gen von vier Anwoh­nern abge­wie­sen, die sich gegen eine Koh­len­mon­oxid-Pipe­line von Dor­ma­gen nach Kre­feld gewehrt hat­ten. Der Dax-Kon­zern Cove­stro, der 2015 aus der ehe­ma­li­gen Kunst­stoff­s­par­te von Bay­er her­vor­ge­gan­gen war, benö­tigt Koh­len­mon­oxid bei der Pro­duk­ti­on von Kunst­stof­fen in sei­nem Werk in Kre­feld-Uer­din­gen. Bis­her wird das Gas dort erzeugt. Künf­tig soll es über die Roh­re aus Dor­ma­gen kom­men, wo das Koh­len­mon­oxid als Abfall­pro­dukt ent­steht. Cove­stro hat­te «ein Höchst­maß an Sicher­heit, das über die gesetz­li­chen Vor­schrif­ten hin­aus­geht» ver­spro­chen. Die Roh­re sei­en tie­fer ver­legt als vor­ge­schrie­ben, hiel­ten extrem hohen Druck aus und sei­en gegen Erschüt­te­run­gen und Erd­be­ben geschützt. Obwohl die 67 Kilo­me­ter lan­ge Pipe­line, die zwi­schen den Wer­ken Dor­ma­gen und Kre­feld des Che­mie­kon­zerns Cove­stro ver­läuft und zwei­mal den Rhein unter­quert, seit dem Jahr 2009 weit­ge­hend fer­tig gebaut ist, fand bis jetzt eine Benut­zung nicht statt.

Vor der Benut­zung haben Anwoh­ner geklagt, die bei einer Beschä­di­gung der weit­ge­hend unter­ir­disch ver­lau­fen­den Lei­tung töd­li­che Gefah­ren durch das hoch­gif­ti­ge Gas befürch­ten. Vom Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf ist das Pro­jekt auf Eis gelegt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len gebe es im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss der Bezirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf kei­ne erheb­li­chen Feh­ler. Er sei nicht rechts­wid­rig. Den Weg für den Bau der Pipe­line hat­te der nord­rhein-west­fä­li­sche Land­tag mit einem Gesetz frei gemacht. Im Lau­fe des Ver­fah­rens hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt sei­ne ursprüng­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen das Gesetz fal­len gelas­sen. So wür­den von der Rohr­lei­tung kei­ne Gefah­ren für Men­schen, Umwelt, Böden oder ande­re schüt­zens­wer­te Güter aus­ge­hen. Außer­dem sei «hin­rei­chend Vor­sor­ge» gegen Schä­den getrof­fen wor­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 31. August 2020 – 20 A 1932/​11