Kon­ver­si­on und Boden­sa­nie­rungs­kos­ten

Dem Land Hes­sen steht kein Anspruch gegen den Bund zu auf Erstat­tung der Sanie­rungs­kos­ten für den ehe­ma­li­gen Rüs­tungs­stand­ort Allen­dorf. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat jetzt in einem Bund-Län­der-Streit die ent­spre­chen­de Kla­ge des Lan­des Hes­sen abge­wie­sen. Hes­sen hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf Erstat­tung von knapp 3 Mio. € in Anspruch genom­men, die es in den 1990er Jah­ren für die Boden­sa­nie­rung des ehe­ma­li­gen Rüs­tungs­stand­or­tes Stadt­al­len­dorf auf­ge­wen­det hat­te.

Kon­ver­si­on und Boden­sa­nie­rungs­kos­ten

Dort befand sich im Zwei­ten Welt­krieg eines der größ­ten Spreng­stoff­wer­ke Euro­pas. Das Werk wur­de von der Dyna­mit AG betrie­ben und pro­du­zier­te TNT zur Ver­sor­gung des Hee­res. Nach Kriegs­en­de wur­de es auf Ent­mi­li­ta­ri­sie­rungs­an­ord­nung der Mili­tär­re­gie­rung hin demon­tiert. Beim Abbau des unter­ir­di­schen Rohr­lei­tungs­sys­tems gelang­ten erheb­li­che Men­gen der flüs­si­gen Vor­pro­duk­te der TNT-Her­stel­lung in den Boden und das Grund­was­ser. Das Land tausch­te den Boden zum Schutz der Bevöl­ke­rung und des Grund­was­sers aus. Ver­hand­lun­gen mit dem Bund über die Erstat­tung der Sanie­rungs­kos­ten blie­ben erfolg­los.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die auf das 1. Über­lei­tungs­ge­setz und auf Art. 120 GG gestütz­te Kla­ge für unbe­grün­det erach­tet, weil die Sanie­rungs­auf­wen­dun­gen nicht zur Durch­füh­rung der Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung des Wer­kes gedient hät­ten. Zwar kön­ne der Erstat­tungs­an­spruch nach dem Über­lei­tungs­ge­setz grund­sätz­lich auch Auf­wen­dun­gen für Schä­den wie Boden­ver­un­rei­ni­gun­gen umfas­sen, die Fol­ge von Ent­mi­li­ta­ri­sie­rungs­maß­nah­men sei­en. Die Fol­ge­schä­den gin­gen hier jedoch auf eine grob unsach­ge­mä­ße Tro­cken­le­gung des Rohr­lei­tungs­sys­tems unter der Ver­ant­wor­tung des Lan­des zurück; denn die­se habe selbst­ver­ständ­lich zu beach­ten­den Regeln für die schad­lo­se Besei­ti­gung gefähr­li­cher Stof­fe wider­spro­chen. Die Kon­ta­mi­nie­rung des Bodens sei von dem Demon­ta­ge­be­fehl der Mili­tär­re­gie­rung nicht umfasst gewe­sen. Dass sie eine not­wen­di­ge Fol­ge des Befehls gewe­sen sei, habe das Land nicht dar­zu­le­gen ver­mocht. Sol­che Fol­gen könn­ten dem Bund nicht zuge­rech­net wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Novem­ber 2010 – 3 A 1.09