Kunst­flug über bzw. in der Nähe von Wöll­stein

Sind nach der Luft­ver­kehrs­ord­nung Kunst­flü­ge unter ande­rem über Städ­ten und ande­ren dicht besie­del­ten Gebie­ten ver­bo­ten, heißt das, allein ein Kunst­flug "über" dicht besie­del­tem Gebiet, wenn also die Flug­be­we­gun­gen im Luft­raum senk­recht über dem Bereich statt­fin­den, der als dicht besie­delt anzu­se­hen ist, ist ver­bo­ten. In der Nähe die­ser Gebie­te kann in geo­gra­phisch genau bestimm­ten Luft­räu­men – soge­nann­ten Kunst­flug­bo­xen – Kunst­flug statt­fin­den.

Kunst­flug über bzw. in der Nähe von Wöll­stein

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge einer Betrei­be­rin einer Kunst­flug­schu­le statt­ge­ge­ben, die mit der Fest­stel­lungs­kla­ge die Frei­ga­be von Kunst­flug­bo­xen begehrt hat. Die Klä­ge­rin betreibt mit zwei Flug­zeu­gen eine Motor-Kunst­flug­schu­le, die eine Aus­bil­dung von Pri­vat­flug­zeug­füh­rern im Kunst­flug anbie­tet. Hier­zu nutz­te sie in der Ver­gan­gen­heit geo­gra­phisch genau bestimm­te Luft­räu­me – soge­nann­te Kunst­flug­bo­xen – in der Nähe von Wöll­stein und des Auto­bahn­drei­ecks Nahe­tal. Nach ihren Anga­ben dau­ert ein durch­schnitt­li­cher Kunst­flug ein­schließ­lich Anflug zur Kunst­flug­box und Rück­flug zum Flug­ha­fen Mainz-Fin­then, dem Stand­ort ihrer Maschi­nen, etwa 35 Minu­ten. Die Flü­ge wür­den durch­schnitt­lich vier- bis fünf­mal wöchent­lich durch­ge­führt. Nach­dem das bei­gela­de­ne Land im Jahr 2010 in einer Bekannt­ma­chung gro­ße Tei­le Rhein­hes­sens ein­schließ­lich der Kunst­flug­bo­xen "Wöll­stein" und "Auto­bahn­drei­eck Nahe­tal" als dicht besie­del­te Gebie­te aus­ge­wie­sen hat­te, über denen Kunst­flü­ge nach der Luft­ver­kehrs­ord­nung ver­bo­ten sei­en, lehn­te die Beklag­te im Novem­ber 2011 und März 2012 die für bestimm­te Tage bean­trag­te Flug­ver­kehrs­kon­troll­frei­ga­be für die Nut­zung der Kunst­flug­bo­xen "Wöll­stein" und "Auto­bahn­drei­eck Nahe­tal" ab. Mit ihrer Fest­stel­lungs­kla­ge zur Frei­ga­be der Kunst­flug­bo­xen hat die Klä­ge­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz kei­nen Erfolg gehabt und vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ihr Ziel wei­ter ver­folgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz sei­en nach der Luft­ver­kehrs­ord­nung Kunst­flü­ge unter ande­rem über Städ­ten und ande­ren dicht besie­del­ten Gebie­ten ver­bo­ten. Hin­sicht­lich der Kunst­flug­bo­xen "Wöll­stein" und "Auto­bahn­drei­eck Nahe­tal" sei nicht zu erwar­ten gewe­sen, dass ein Kunst­flug vor­aus­sicht­lich über dicht besie­del­tem Gebiet statt­fin­den wür­de. Ver­bo­ten sei allein ein Kunst­flug "über" dicht besie­del­tem Gebiet, wenn also die Flug­be­we­gun­gen im Luft­raum senk­recht über dem Bereich statt­fän­den, der als dicht besie­delt anzu­se­hen sei. Dabei gehör­ten zum Kunst­flug alle Flug­be­we­gun­gen im Luft­raum, die nicht Teil des An- oder Rück­flugs von bzw. zu dem Lan­de­platz sei­en. Bei einem Kunst­flug in den bei­den Kunst­flug­bo­xen hät­ten nach den vor­ge­leg­ten Flugspur­kar­ten Ansied­lun­gen bzw. nen­nens­wer­te Besied­lun­gen nicht zwin­gend über­flo­gen wer­den müs­sen.

Anhalts­punk­te für unzu­mut­ba­re Lärm­beein­träch­ti­gun­gen sei­en eben­falls bei bei­den Kunst­flug­bo­xen nicht ersicht­lich. Dabei sei zunächst zu berück­sich­ti­gen, dass die Luft­ver­kehrs­ord­nung für Kunst­flü­ge eine Min­dest­flug­hö­he von 450 m vor­se­he. Stren­ge­re Anfor­de­run­gen, wie etwa ein grö­ße­rer Abstand zu vor­han­de­nen Sied­lun­gen, erfor­der­ten eine ent­spre­chen­de Ände­rung der Luft­ver­kehrs­ord­nung. Dar­über hin­aus habe der Flug­zeug­füh­rer bei Kunst­flü­gen die zeit­li­che Beschrän­kung der Lan­de­platz-Lärm­schutz­ver­ord­nung ein­zu­hal­ten, wonach in der Zeit von mon­tags bis frei­tags vor 7:00 Uhr, zwi­schen 13:00 und 15:00 Uhr und nach Son­nen­un­ter­gang sowie sams­tags, sonn­tags und an Fei­er­ta­gen vor 9:00 Uhr und nach 13:00 Uhr Flü­ge unter­sagt sei­en.

Daher habe der Klä­ge­rin ein Anspruch auf Ertei­lung der bean­trag­ten Flug­ver­kehrs­kon­troll­frei­ga­ben zuge­stan­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 12. Febru­ar 2014 – 8 A 109