Lärm und Schmutz durch Saatkrähen

Die Lärmbelastungen, die von einer Saatkrähenbrutkolonie in einem Waldgrundstück ausgehen, stellen keine unzumutbare Beeinträchtigung eines Anwohners dar, dessen Grundstück sich in der Nähe dieses Waldes befindet.

Lärm und Schmutz durch Saatkrähen

Mit dieser Begründung hat das Verwaltungsgericht Stade in den beiden hier vorliegenden Fällen die Verweigerung der Genehmigung zur Vergrämung der Saatkrähen als rechtmäßig angesehen. Die Saatkrähen – eine im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes und der europäischen Vogelschutzrichtlinie besonders geschützte Vogelart – bilden u. a. in der Nachbarschaft zum Wohnhaus des Klägers in Achim-Uesen eine seit Jahren bestehende – mitunter anwachsende – Saatkrähenbrutkolonie. Der Kläger fühlt sich durch den von den Saatkrähen ausgehenden Lärm während der Brutzeit in den frühen Morgenstunden bis in den Abend hinein in unzumutbarem Maße beeinträchtigt. Weiter weist er auf die von den Saatkrähen ausgehende Verschmutzung der Umgebung hin. Deshalb wollte er vom beklagten Landkreis Verden als der unteren Naturschutzbehörde die Erlaubnis erreichen, einen Teil der Saatkrähen aus der benachbarten Brutkolonie durch lärmende Störungsmaßnahmen vertreiben zu dürfen, damit die Saatkrähen sich überwiegend einen anderen Brutplatz suchen.

Nachdem das Verwaltungsgericht Stade die Saatkrähenbrutkolonie vor Ort besichtigt hatte, ist es zu der Einschätzung gelangt, dass die vom Kläger vorwiegend geltend gemachten Lärmbelastungen ihn nicht in unzumutbarem Maße beeinträchtigen. In seiner Gesamtabwägung hat das Verwaltungsgericht ausgeührt, dass die klägerischen Interessen nicht überwiegen, weil neben dem gesetzlichen Schutz der Saatkrähen u. a. die Situationsgebundenheit des klägerischen Grundstücks zu dem nahen Waldgrundstück, das sich offensichtlich an sich als Brutstandort für Saatkrähen eignet, sowie die überwiegend nur tagsüber bis in die Dämmerung hinein bestehende Lärmbelästigung über einen lediglich begrenzten Zeitraum im Jahr dem Begehren des Klägers entscheidend entgegenstehen. Dabei kam es für die Entscheidung aus rechtlichen Gründen allein auf die Belastungen an, die der Kläger für sich geltend gemacht hat. Belästigungen der Allgemeinheit, etwa durch von den Saatkrähen verursachte Verschmutzungen, blieben außerhalb der Betrachtung.

Verwaltungsgericht Stade, Urteile vom 15. April 2014 – 1 A 1490/10 und 1 A 2638/13