Licht­im­mis­si­on: Rol­la­den run­ter

Die von einem "City-Board", einer Video-Wer­be­an­la­ge, auf benach­bar­te Wohn­grund­stü­cke ein­wir­ken­den Licht­im­mis­sio­nen sind zumut­bar, wenn in den Betriebs­zei­ten zwi­schen 6:00 Uhr (sonn­tags 9:00 Uhr) und 20:00 Uhr die Hin­wei­se des Län­der­aus­schus­ses für Immis­si­ons­schutz zur Mes­sung und Beur­tei­lung von Licht­im­mis­sio­nen beach­tet wer­den.

Licht­im­mis­si­on: Rol­la­den run­ter

Mit die­ser Begrün­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg die Beru­fung zwei­er Anwoh­ner einer Wer­be­an­la­ge abge­wie­sen, deren Kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart gegen eine Bau­ge­neh­mi­gung der Stadt Mar­bach kei­nen Erfolg hat­ten. Die beklag­te Stadt erteil­te dem bei­gela­de­nen Unter­neh­men eine Bau­ge­neh­mi­gung für eine "City-Board" genann­te Video-Wer­be­an­la­ge mit wech­seln­den Bil­dern. Das ca. 4 m x 3 m gro­ße "City-Board" ist an der Außen­wand eines Wohn­hau­ses ange­bracht. Es wur­de im Dezem­ber 2006 in Betrieb genom­men. Die Klä­ger bewoh­nen ca. 35 bis 40 m ent­fern­te Wohn­häu­ser. Sie klag­ten gegen die Bau­ge­neh­mi­gung, weil sie die vom "City-Board" auf ihre Wohn­grund­stü­cke ein­wir­ken­den Licht­im­mis­sio­nen für unzu­mut­bar hiel­ten. Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies ihre Kla­gen ab, wor­auf Beru­fung ein­ge­legt wor­den ist.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg beur­teilt sich die Zumut­bar­keit einer Beläs­ti­gung durch Licht nach Schutz­wür­dig­keit und Schutz­be­dürf­tig­keit des Nach­barn. Dabei sei zum einen zu berück­sich­ti­gen, dass sich ein Nach­bar gegen Ein­wir­kun­gen durch Licht – anders als bei Lärm und Geruch – gege­be­nen­falls ohne grö­ße­ren Auf­wand im Rah­men des Orts­üb­li­chen und Sozi­al­ad­äqua­ten selbst abschir­men kön­ne. Zum ande­ren könn­ten die vom Län­der­aus­schuss für Immis­si­ons­schutz (Arbeits­gre­mi­um der Umwelt­mi­nis­ter­kon­fe­renz) am 10.05.2000 beschlos­se­nen Hin­wei­se zur Mes­sung und Beur­tei­lung von Licht­im­mis­sio­nen (LAI-Hin­wei­se) als sach­ver­stän­di­ge Beur­tei­lungs­hil­fe zur Prü­fung der Zumut­bar­keit im Ein­zel­fall her­an­ge­zo­gen wer­den.

Gemes­sen dar­an sei­en die von dem geneh­mig­ten "City-Board" auf die Wohn­grund­stü­cke der Klä­ger ein­wir­ken­den Licht­im­mis­sio­nen zumut­bar. Die Anla­ge dür­fe werk­tags nur zwi­schen 6 und 20 Uhr, sonn­tags nur zwi­schen 9 und 20 Uhr und an gesetz­li­chen Fei­er­ta­gen gar nicht betrie­ben wer­den. Zudem sei für "Dun­kel­stun­den" (30 Minu­ten nach Son­nen­un­ter­gang bis 30 Minu­ten vor Son­nen­auf­gang) in die­sen Betriebs­zei­ten die Beleuch­tungs­stär­ke des Video­schirms beschränkt wor­den. Damit sei­en die in den LAI-Hin­wei­sen vor­ge­ge­be­nen Anfor­de­run­gen ins­be­son­de­re auch für far­bi­ge und wech­seln­de Licht­quel­len beach­tet, wie ein Sach­ver­stän­di­ger für Licht­tech­nik bestä­tigt habe. In Tages­stun­den, in denen die Hel­lig­keit durch Wit­te­rungs­ver­hält­nis­se ein­ge­schränkt sei, sei es den Klä­gern im Übri­gen zumut­bar, die Aus­wir­kun­gen der Wer­be­an­la­ge selbst durch Vor­hän­ge und Roll­lä­den abzu­fan­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 29. März 2012 – 3 S 2658/​10