Mehr Platz im Käfig für Ner­ze

Die gestei­ger­ten Anfor­de­run­gen der Tier­schutz-Nutztierhaltungs­ver­ord­nung ver­sto­ßen nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht. Die Grund­rech­te des Tier­hal­ters (Eigen­tums­recht, Berufs­frei­heit) wer­den nicht unver­hält­nis­mä­ßig ein­ge­schränkt und stel­len kein fak­ti­sches Ver­bot der Nerz­tier­hal­tung dar.

Mehr Platz im Käfig für Ner­ze

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge des Betrei­bers einer Nerz­tier­farm gegen die vom Kreis Min­den-Lüb­be­cke ver­füg­te Umstel­lung sei­nes Betrie­bes in Rah­den abge­wie­sen. Die Kreis­ver­wal­tung hat­te dem Klä­ger die Ände­rung der Hal­tungs­be­din­gun­gen auf­ge­ge­ben, nach­dem die­ser die gestei­ger­ten Anfor­de­run­gen der Tier­schutz-Nutz­tier­hal­tungs­ver­ord­nung, die ins­be­son­de­re deut­lich ver­grö­ßer­te Käfi­ge vor­schreibt, auch nach Ablauf einer Über­gangs­frist von 5 Jah­ren im Dezem­ber 2011 nicht umge­setzt hat­te. Der Klä­ger argu­men­tier­te u.a., dass das Geschäft für ihn durch den Umbau der Käfi­ge unren­ta­bel wer­de, die neu­en Tier­schutz­vor­ga­ben ver­stie­ßen gegen das Grund­recht der Berufs­frei­heit (Art. 12 GG).

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den aus­ge­führt, zen­tra­ler recht­li­cher Aspekt des Ver­fah­rens sei die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Tierschutz?Nutztierhaltungs­verordnung. Durch­grei­fen­de Beden­ken gegen die Wirk­sam­keit die­ser Ver­ord­nung bestün­den nicht. Die Ver­ord­nung ver­sto­ße weder gegen höher­ran­gi­ges Recht, noch habe der Ver­ord­nungs­ge­ber die Gren­zen der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des Tier­schutz­ge­set­zes über­schrit­ten. Sie stel­le auch kein fak­ti­sches Ver­bot der Nerz­tier­hal­tung dar, wes­halb auch nicht der Gesetz­ge­ber anstel­le des Ver­ord­nungs­ge­bers habe tätig wer­den müs­sen. Die Rege­lung erwei­se sich ins­ge­samt als ver­hält­nis­mä­ßig und schrän­ke die Grund­rech­te des Tier­hal­ters (Eigen­tums­recht, Berufs­frei­heit) nicht unver­hält­nis­mä­ßig ein. Es sei nicht zu bean­stan­den, dass bei der Abwä­gung zwi­schen der Ver­fas­sungs­po­si­ti­on "Tier­schutz" einer­seits und den Grund­rech­ten der Tier­hal­ter ande­rer­seits den Belan­gen des Tier­schut­zes Vor­rang ein­ge­räumt wor­den sei.

Mit die­ser Ent­schei­dung schloss sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den in ver­gleich­ba­ren Fäl­len ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter sowie des Ver­wal­tungs­ge­richts Schles­wig an. Wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung des Ver­fah­rens hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die Beru­fung zum Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter zuge­las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Urteil vom 9. Mai 2014 – 2 K 1541/​11