Mehr­zu­tei­lung von CO2-Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat aktu­ell vier Ver­fah­ren über Grund­fra­gen der Zutei­lung von CO2-Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen nach dem Zutei­lungs­ge­setz 2012 ent­schie­den. Danach ste­hen die zur Errei­chung der Emis­si­ons­min­de­rungs­zie­le des Kyo­to-Pro­to­kolls vor­ge­nom­me­nen Kür­zun­gen der unent­gelt­li­chen Zutei­lung der Berech­ti­gun­gen an Anla­gen der Ener­gie­wirt­schaft mit den gesetz­li­chen Zutei­lungs­re­ge­lun­gen und mit höher­ran­gi­gen Bestim­mun­gen des Rechts der Euro­päi­schen Uni­on sowie des Grund­ge­set­zes in Ein­klang.

Mehr­zu­tei­lung von CO2-Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen

Zwei der Klä­ge­rin­nen betrei­ben Stein­koh­le­kraft­wer­ke, je eine ein erd­gas­be­feu­er­tes Heiz­kraft­werk bzw. ein Braun­koh­le­kraft­werk. Sie wen­den sich gegen die Zutei­lungs­be­schei­de der Deut­schen Emis­si­ons­han­dels­stel­le und for­dern die Mehr­zu­tei­lung kos­ten­lo­ser Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen. Ihre Rügen rich­ten sich vor allem gegen die auf Ener­gie­an­la­gen beschränk­ten Kür­zun­gen der Zutei­lungs­an­sprü­che. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat die Kla­gen abge­wie­sen [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Sprung­re­vi­sio­nen der Klä­ge­rin­nen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt zurück­ge­wie­sen:

Die dif­fe­ren­zie­ren­de Zutei­lung kos­ten­lo­ser Zer­ti­fi­ka­te an Ener­gie­an­la­gen einer­seits und Indus­trie­an­la­gen ande­rer­seits stellt kei­ne selek­ti­ve Begüns­ti­gung der Indus­trie­an­la­gen ein­schließ­lich zuge­hö­ri­ger Indus­trie­kraft­wer­ke dar und ist daher nicht an den bei­hil­fe­recht­li­chen Bestim­mun­gen des Uni­ons­rechts zu mes­sen. Die Dif­fe­ren­zie­rung wird näm­lich durch das Wesen und die all­ge­mei­nen Zwe­cke des Zutei­lungs­sys­tems gerecht­fer­tigt. Anders als die Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sind die Betrei­ber von Indus­trie­an­la­gen der Kon­kur­renz am Welt­markt aus­ge­setzt und des­halb allen­falls sehr begrenzt in der Lage, die Kos­ten für den ent­gelt­li­chen Erwerb von Emis­si­ons­be­rech­ti­gun­gen ein­zu­prei­sen. Der aus einer ver­min­der­ten Zutei­lung unent­gelt­li­cher Berech­ti­gun­gen resul­tie­ren­de Kos­ten­druck schü­fe des­halb die Gefahr, dass Indus­trie­un­ter­neh­men mit ihren Anla­gen aus dem Gel­tungs­be­reich des Emis­si­ons­han­dels­sys­tems abwan­der­ten. Das lie­fe dem Ziel des Emis­si­ons­han­dels zuwi­der, Anrei­ze zur Sen­kung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen zu schaf­fen.

Die ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­de der Klä­ge­rin­nen sind gleich­falls nicht trag­fä­hig. Nament­lich ver­let­zen die Kür­zungs­re­ge­lun­gen nicht die Eigen­tums­rech­te von Kraft­werks­be­trei­bern. Die in der Kür­zung der Zutei­lung kos­ten­lo­ser Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­te lie­gen­de Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des grund­recht­lich geschütz­ten Anla­gen­ei­gen­tums genügt den Anfor­de­run­gen des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zips, zumal die Kraft­werks­be­trei­ber typi­scher­wei­se in der Lage sind, Kos­ten für den Kauf zusätz­lich benö­tig­ter Zer­ti­fi­ka­te in den Strom­preis ein­zu­rech­nen.

Von die­ser Rechts­la­ge aus­ge­hend hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Anlass gese­hen, ent­spre­chend den Anre­gun­gen der Klä­ge­rin­nen die Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und Vor­ab­ent­schei­dun­gen des Euro­päi­schen Gerichts­hofs oder des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts her­bei­zu­füh­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 10. Okto­ber 2012 – 7 C 8.10 – 11.10

  1. VG Ber­lin, Urtei­le vom 13.04.2010 – 10 K 128.09, 10 K 17.09, 10 K 27.09; und vom 25.08.2010 – 10 K 33.09[]