Nitratrei­che Gemü­se­kon­zen­tra­te – als Zusatz­stof­fe bei der Fleisch­her­stel­lung

Kon­zen­tra­te aus stark nitrat­hal­ti­gen Gemü­sen, die bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen aus Grün­den der Farb­sta­bi­li­sie­rung (sog. Umrö­tung) und Halt­bar­ma­chung des Lebens­mit­tels ver­wen­det wer­den, sind als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe im Sin­ne der Lebens­mit­tel­zu­satz­stoff-Ver­ord­nung (EG) Nr. 1333/​2008 ein­zu­stu­fen.

Nitratrei­che Gemü­se­kon­zen­tra­te – als Zusatz­stof­fe bei der Fleisch­her­stel­lung

Gemäß Art. 54 Abs. 1 VO Nr. 882/​2004 trifft die zustän­di­ge Behör­de (vgl. Art. 2 Satz 2 Nr. 4 VO Nr. 882/​2004) bei Fest­stel­lung eines Ver­sto­ßes gegen das Lebens­mit­tel­recht die erfor­der­li­chen Maß­nah­men, um sicher­zu­stel­len, dass der Lebens­mit­tel­un­ter­neh­mer Abhil­fe schafft (Satz 1). Sie berück­sich­tigt dabei die Art des Ver­sto­ßes und das bis­he­ri­ge Ver­hal­ten des betref­fen­den Unter­neh­mers mit Blick auf Ver­stö­ße (Satz 2). Nach Art. 54 Abs. 2 VO Nr. 882/​2004 kann die Behör­de unter ande­rem das Inver­kehr­brin­gen von Lebens­mit­teln ein­schrän­ken oder unter­sa­gen (Buchst. b) sowie sons­ti­ge Maß­nah­men ergrei­fen, die sie für ange­mes­sen erach­tet (Buchst. h). Art. 2 Satz 2 Nr. 10 VO Nr. 882/​2004 defi­niert als Ver­stoß gegen das Lebens­mit­tel­recht jede Nicht­ein­hal­tung des Lebens­mit­tel­rechts. Unter dem Begriff des Lebens­mit­tel­rechts sind die uni­ons­recht­li­chen und natio­na­len Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten für Lebens­mit­tel und Lebens­mit­tel­si­cher­heit zu ver­ste­hen, wobei alle Pro­duk­ti­ons, Ver­ar­bei­tungs- und Ver­triebs­stu­fen von Lebens­mit­teln ein­be­zo­gen sind (Art. 2 Satz 1 VO Nr. 882/​2004 i.V.m. Art. 3 Nr. 1 der Ver­ord­nung, EG Nr. 178/​2002 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 28.01.2002 zur Fest­le­gung der all­ge­mei­nen Grund­sät­ze und Anfor­de­run­gen des Lebens­mit­tel­rechts, zur Errich­tung der Euro­päi­schen Behör­de für Lebens­mit­tel­si­cher­heit und zur Fest­le­gung von Ver­fah­ren zur Lebens­mit­tel­si­cher­heit, ABl. L 31 S. 1, zuletzt geän­dert durch Ver­ord­nung, EU Nr. 652/​2014 vom 15.05.2014, ABl. L 189 S. 1; im Fol­gen­den: VO Nr. 178/​2002). Dem­zu­fol­ge erstreckt sich die Ermäch­ti­gung des Art. 54 Abs. 1 und Abs. 2 VO Nr. 882/​2004 auch auf Ver­stö­ße gegen die hier inmit­ten ste­hen­de Ver­ord­nung (EG) Nr. 1333/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.12 2008 über Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe [1], zuletzt geän­dert durch Ver­ord­nung (EU) 2015/​1832 vom 12.10.2015 [2]. Die Ver­ord­nung Nr. 1333/​2008 wird hier nicht durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 834/​2007 des Rates vom 28.06.2007 über die ökologische/​biologische Pro­duk­ti­on und die Kenn­zeich­nung von ökologischen/​biologischen Erzeug­nis­sen [3] ver­drängt. Der ange­grif­fe­ne Bescheid ist nicht dar­auf gerich­tet, der Her­stel­le­rin das Inver­kehr­brin­gen ihrer Fleisch­erzeug­nis­se als Bio-Pro­duk­te zu unter­sa­gen. Nur dafür bie­tet die Ver­ord­nung Nr. 834/​2007 aber eine Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge (vgl. Art. 30). Die Unter­sa­gungs­an­ord­nung des Beklag­ten geht dar­über hin­aus und zielt auf ein Ver­wen­dungs­ver­bot der in Rede ste­hen­den Gemü­se­kon­zen­tra­te. Inso­weit besteht kein Anwen­dungs­vor­rang der Ver­ord­nung Nr. 834/​2007 [4]. Die Ver­mark­tung eines Lebens­mit­tels unter dem Sie­gel "Bio" im Sin­ne der Ver­ord­nung Nr. 834/​2007 lässt die Gel­tung sons­ti­ger lebens­mit­tel­recht­li­cher Vor­schrif­ten unbe­rührt (vgl. Art. 1 Abs. 4 VO Nr. 834/​2007).

Zu den Unter­neh­mern im Sin­ne von Art. 54 Abs. 1 VO Nr. 882/​2004 gehö­ren alle natür­li­chen oder juris­ti­schen Per­so­nen, die dafür ver­ant­wort­lich sind, dass die Anfor­de­run­gen des Lebens­mit­tel­rechts in dem ihrer Kon­trol­le unter­ste­hen­den Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men erfüllt wer­den (Art. 2 Satz 1 VO Nr. 882/​2004 i.V.m. Art. 3 Nr. 3 VO Nr. 178/​2002). Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men ist jedes Unter­neh­men, das eine mit der Pro­duk­ti­on, der Ver­ar­bei­tung und dem Ver­trieb von Lebens­mit­teln zusam­men­hän­gen­de Tätig­keit aus­führt. Das ist bei der Her­stel­le­rin der Fall. Die von ihr her­ge­stell­ten Fleisch­wa­ren sind Lebens­mit­tel im Sin­ne der genann­ten Ver­ord­nun­gen (Art. 2 Satz 1 VO Nr. 882/​2004 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VO Nr. 178/​2002).

Nach Art. 288 Abs. 2 AEUV ist die Ver­ord­nung in allen ihren Tei­len ver­bind­lich und gilt unmit­tel­bar in jedem Mit­glied­staat. Art. 54 Abs. 1 und 2 VO Nr. 882/​2004 stellt eine umfas­sen­de und abschlie­ßen­de Rechts­grund­la­ge für die strei­ti­ge Unter­sa­gungs­an­ord­nung dar und geht den natio­na­len Vor­schrif­ten vor (§ 39 Abs. 2 Satz 3 LFGB) [5]. Das gilt auch, soweit der Her­stel­le­rin neben dem Inver­kehr­brin­gen das Her­stel­len und Behan­deln von Fleisch­erzeug­nis­sen mit den strei­ti­gen Gemü­se­kon­zen­tra­ten unter­sagt wor­den ist. Art. 4 Abs. 1 VO Nr. 1333/​2008 regelt unter ande­rem die Ver­wen­dung von Zusatz­stof­fen in Lebens­mit­teln. Das schließt, wie die Defi­ni­ti­on der Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe in Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008 deut­lich macht, den Vor­gang der Her­stel­lung und Behand­lung von Lebens­mit­teln ein. Nach Art. 54 Abs. 2 Buchst. h VO Nr. 882/​2004 gehö­ren zu den erfor­der­li­chen Maß­nah­men nach Absatz 1 gege­be­nen­falls auch Her­stel­lungs- und Behand­lungs­ver­bo­te.

Die Ver­wen­dung der nitratrei­chen Gemü­se­kon­zen­tra­te zur Her­stel­lung von Fleisch­wa­ren ver­stößt gegen Art. 4 Abs. 1 und Art. 5 VO Nr. 1333/​2008, weil es sich um nicht zuge­las­se­ne Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe han­delt.

Mit der Ver­ord­nung Nr. 1333/​2008 wird im Inter­es­se des rei­bungs­lo­sen Funk­tio­nie­rens des Bin­nen­mark­tes und zur Gewähr­leis­tung eines hohen Gesund­heits- und Ver­brau­cher­schut­zes die Ver­wen­dung von Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fen in der Euro­päi­schen Uni­on har­mo­ni­siert (Art. 1 Unter­abs. 1; Erwä­gungs­grün­de 1 bis 4). Zu die­sem Zweck legt die Ver­ord­nung anhand von Gemein­schafts­lis­ten die Zusatz­stof­fe fest, die bei Lebens­mit­teln zuge­las­sen sind, und bestimmt die Bedin­gun­gen für ihre Ver­wen­dung (Art. 1 Unter­abs. 2). Sie regelt außer­dem die Kri­te­ri­en für die Auf­nah­me von Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fen in die Gemein­schafts­lis­te (Art. 6 ff.). Vor­aus­set­zung dafür ist unter ande­rem, dass der Zusatz­stoff in der vor­ge­se­he­nen Dosis für den Ver­brau­cher gesund­heit­lich unbe­denk­lich ist, es eine tech­no­lo­gi­sche Not­wen­dig­keit für sei­ne Ver­wen­dung gibt und er dem Ver­brau­cher einen Nut­zen bringt, z.B. weil der Zusatz­stoff der Erhal­tung der ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­schen Qua­li­tät des Lebens­mit­tels dient oder des­sen gleich­blei­ben­de Qua­li­tät oder Sta­bi­li­tät för­dert (Art. 6 Abs. 1 und 2; Erwä­gungs­grund 7). Die Auf­nah­me in die Gemein­schafts­lis­te voll­zieht sich nach einem ein­heit­li­chen Bewer­tungs- und Zulas­sungs­ver­fah­ren, das in der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1331/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16.12 2008 [6] gere­gelt ist. Das Ver­fah­ren kann auf Initia­ti­ve der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on oder auf Antrag eines Mit­glied­staa­tes oder einer betrof­fe­nen Per­son ein­ge­lei­tet wer­den. Zustän­dig für die Ent­schei­dung über die Auf­nah­me eines Zusatz­stof­fes ist die Kom­mis­si­on (Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 3 VO Nr. 1331/​2008), die dabei von dem Stän­di­gen Aus­schuss für die Lebens­mit­tel­ket­te und Tier­ge­sund­heit unter­stützt wird (Art. 14 VO Nr. 1331/​2008; Art. 28 Abs. 1 VO Nr. 1333/​2008).

Auf die­ser Grund­la­ge regeln Art. 4 und Art. 5 VO Nr. 1333/​2008 die Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­kehrsfä­hig­keit von Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fen. Nach Art. 4 Abs. 1 VO Nr. 1333/​2008 dür­fen in Lebens­mit­teln nur die in der Gemein­schafts­lis­te in Anhang II auf­ge­führ­ten Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe und nur unter den dar­in fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen ver­wen­det wer­den. Art. 5 VO Nr. 1333/​2004 ver­bie­tet das Inver­kehr­brin­gen eines Lebens­mit­tels, in dem ein Lebens­mit­tel­zu­satz­stoff vor­han­den ist, wenn die Ver­wen­dung des Zusatz­stoffs nicht mit die­ser Ver­ord­nung in Ein­klang steht. Danach hat der Beklag­te der Her­stel­le­rin die Ver­wen­dung der bean­stan­de­ten Gemü­se­kon­zen­tra­te zu Recht unter­sagt. Sie sind Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe im Sin­ne der Begriffs­be­stim­mung des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008. Die erfor­der­li­che Zulas­sung als Zusatz­stoff für die Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen fehlt.

Ein Lebens­mit­tel­zu­satz­stoff ist nach Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008 ein Stoff mit oder ohne Nähr­wert, der in der Regel weder selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt noch als cha­rak­te­ris­ti­sche Lebens­mit­tel­zu­tat ver­wen­det wird und einem Lebens­mit­tel aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den bei der Her­stel­lung, Ver­ar­bei­tung, Zube­rei­tung, Behand­lung, Ver­pa­ckung, Beför­de­rung oder Lage­rung zuge­setzt wird, wodurch er selbst oder sei­ne Neben­pro­duk­te mit­tel­bar oder unmit­tel­bar zu einem Bestand­teil des Lebens­mit­tels wer­den oder wer­den kön­nen.

Ver­langt wird im Kern also zwei­er­lei:

  1. Der Stoff muss dem Lebens­mit­tel zu einem tech­no­lo­gi­schen Zweck zuge­setzt wer­den (posi­ti­ves Begriffs­merk­mal) und
  2. er darf nicht übli­cher­wei­se selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt oder als cha­rak­te­ris­ti­sche Zutat zu einem Lebens­mit­tel ver­wen­det wer­den (nega­ti­ves Begriffs­merk­mal).

Für die Beur­tei­lung ist auf den frag­li­chen Stoff in der Zusam­men­set­zung und Beschaf­fen­heit abzu­stel­len, die er im maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Zusat­zes auf­weist [7]. Hier­nach ist nicht zu bean­stan­den, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Gemü­se­kon­zen­tra­te als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe ein­ge­stuft hat.

Der Stoff­be­griff des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008 ist weit zu ver­ste­hen. Er erstreckt sich sowohl auf unver­ar­bei­te­te als auch auf be- oder ver­ar­bei­te­te Stof­fe, auf zusam­men­ge­setz­te Stof­fe und Stoff­ge­mi­sche genau­so wie auf Ein­zel­stof­fe, auf fes­te Stof­fe eben­so wie auf flüs­si­ge oder gas­för­mi­ge Sub­stan­zen [8]. Die Stoff­ei­gen­schaft der Gemü­se­kon­zen­tra­te ist daher nicht zwei­fel­haft. Soweit die Her­stel­le­rin dar­an unter Ver­weis auf eine Kom­men­tie­rung Beden­ken hegt, unter­liegt sie einem Miss­ver­ständ­nis. Die von ihr zitier­te Kom­men­tar­stel­le [9] ver­neint die Stoff­ei­gen­schaft für "natür­li­che Bestand­tei­le, die sich noch in dem natür­li­chen Ver­bund befin­den". Damit ist gemeint, dass im Fall des Zusat­zes eines Stof­fes, der sich aus meh­re­ren natür­li­chen Bestand­tei­len zusam­men­setzt (z.B. Rote Bee­te mit dem natür­li­chen Bestand­teil Saft, Kie­sel­er­de mit dem natür­li­chen Bestand­teil Sili­zi­um­di­oxid oder Apfel­saft mit dem natür­li­chen Bestand­teil Frucht­zu­cker), der Stoff­ver­bund (Rote Bee­te, Kie­sel­er­de, Apfel­saft) der Beur­tei­lung nach Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008 unter­liegt und nicht ein ein­zel­ner Bestand­teil (Rote-Bee­te-Saft, Sili­zi­um­di­oxid, Zucker). Die Fund­stel­le gibt somit für die Auf­fas­sung der Her­stel­le­rin nichts her, son­dern bestä­tigt viel­mehr die Ein­stu­fung der Gemü­se­kon­zen­tra­te als "Stoff" im Sin­ne von Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008.

Die Her­stel­le­rin ver­wen­det die Gemü­semi­schung und das Gemü­se­saft­kon­zen­trat bei der Her­stel­lung ihrer Fleisch­wa­ren aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den.

Ein Stoff wird einem Lebens­mit­tel aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den zuge­setzt, wenn er einem oder meh­re­ren der in Art. 6 Abs. 2, Art. 7 und Art. 8 VO Nr. 1333/​2008 genann­ten Zwe­cke dient, die im Anhang I der Ver­ord­nung durch Auf­lis­tung so genann­ter Funk­ti­ons­klas­sen kon­kre­ti­siert wer­den. Bei die­sen Funk­ti­ons­klas­sen han­delt es sich um nach der tech­no­lo­gi­schen Funk­ti­on in Lebens­mit­teln geord­ne­te Grup­pen von Zusatz­stof­fen (Art. 3 Abs. 2 Buchst. c VO Nr. 1333/​2008), wie bei­spiels­wei­se Farb­stof­fe, Kon­ser­vie­rungs­stof­fe, Emul­ga­to­ren oder Geschmacks­ver­stär­ker.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts erfül­len die nitrat­hal­ti­gen Gemü­se­kon­zen­tra­te meh­re­re der im Anhang I auf­ge­führ­ten tech­no­lo­gi­schen Funk­tio­nen. Durch die Zuga­be des Kon­zen­trats wird in dem behan­del­ten Fleisch Nitrat ein­ge­la­gert, das anschlie­ßend mit Hil­fe der zuge­setz­ten Bak­te­ri­en (Star­ter­kul­tur) in Nitrit umge­wan­delt wird. Dadurch erhält das Fleisch­erzeug­nis eine sta­bi­le Fär­bung (Umrö­tung). Die­ser Vor­gang erfüllt die Merk­ma­le der Funk­ti­ons­klas­se der Sta­bi­li­sa­to­ren nach Nr. 24 des Anhangs I VO Nr. 1333/​2008. Zu den Sta­bi­li­sa­to­ren zäh­len nach der Defi­ni­ti­on in Anhang I auch Stof­fe, durch die die vor­han­de­ne Far­be eines Lebens­mit­tels sta­bi­li­siert, bewahrt oder inten­si­viert wird. Unschäd­lich ist, dass die tech­no­lo­gi­sche Wir­kung der Umrö­tung nicht unmit­tel­bar durch das zuge­setz­te Gemü­se­kon­zen­trat her­bei­ge­führt wird, son­dern erst durch ein Reak­ti­ons­pro­dukt (Nitrit). Es reicht aus, dass der zuge­setz­te Stoff Aus­gangs­stoff für die bezweck­te tech­no­lo­gi­sche Wir­kung ist. Das folgt aus der Defi­ni­ti­on des Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fes, wonach es genügt, wenn der zuge­setz­te Stoff oder sei­ne Neben­pro­duk­te mit­tel­bar zu einem Bestand­teil des Lebens­mit­tels wer­den.

Dar­über hin­aus lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der Funk­ti­ons­klas­se der Anti­oxi­da­ti­ons­mit­tel vor. Dazu zäh­len Stof­fe, die die Halt­bar­keit von Lebens­mit­teln ver­län­gern, indem sie sie vor den schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen der Oxi­da­ti­on wie Ran­zig­wer­den von Fett und Farb­ver­än­de­run­gen schüt­zen (Nr. 4 des Anhangs I VO Nr. 1333/​2008). Die Gemü­se­kon­zen­tra­te haben die­se Funk­ti­on; denn das aus dem Nitrat gebil­de­te Nitrit wirkt dem Fett­ver­derb ent­ge­gen.

Dahin­ste­hen kann danach, ob auch die Aus­bil­dung des Pökel­aro­mas als tech­no­lo­gi­sche Wir­kung anzu­se­hen ist. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat das mit der Erwä­gung bejaht, das Aro­ma wer­de eben­falls durch den che­mi­schen Umwand­lungs­pro­zess von Nitrat in Nitrit her­vor­ge­ru­fen. Dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ist dar­in zu fol­gen, dass mikro­biel­le Pro­zes­se kein Aus­schluss­kri­te­ri­um für eine tech­no­lo­gi­sche Funk­ti­on sind. Ob ein Stoff aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den zuge­setzt wird, beur­teilt sich allein danach, ob er sich im Sin­ne der in Anhang I VO Nr. 1333/​2008 nicht abschlie­ßend beschrie­be­nen tech­ni­schen Funk­tio­nen auf das Lebens­mit­tel aus­wirkt. Beruht die Aro­ma­bil­dung wie hier auf einem tech­no­lo­gi­schen Vor­gang und nicht auf den aro­ma­ti­sie­ren­den oder geschmack­li­chen Eigen­schaf­ten des zuge­setz­ten Stof­fes selbst, ist es daher ver­tret­bar, von einer tech­no­lo­gisch begrün­de­ten Wir­kung zu spre­chen. Die Zuord­nung zu den tech­no­lo­gi­schen Funk­tio­nen kann aber des­halb Zwei­fel auf­wer­fen, weil gleich­zei­tig eine aro­ma- und geschmacks­ge­ben­de Wir­kung im End­erzeug­nis fest­zu­stel­len ist. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat berück­sich­tigt, dass es zu Über­schnei­dun­gen kom­men kann und nimmt die Abgren­zung danach vor, ob die aro­ma­ti­sie­ren­den und geschmack­li­chen Eigen­schaf­ten im Vor­der­grund ste­hen und die tech­no­lo­gi­sche Wir­kung nur Neben­zweck ist oder ob Letz­te­rer eine Haupt­funk­ti­on zukommt (vgl. Art. 3 Abs. 2 Buchst. a Zif­fer ii sowie Art. 9 Abs. 1 VO Nr. 1333/​2008). Dem muss hier aber nicht abschlie­ßend nach­ge­gan­gen wer­den. Unab­hän­gig von der Beur­tei­lung des Pökel­aro­mas als tech­no­lo­gi­sche oder nicht tech­no­lo­gi­sche Wir­kung ist in Bezug auf die Gemü­se­kon­zen­tra­te das Merk­mal "aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den" bereits dadurch erfüllt, dass sie zum Zweck der Umrö­tung und Anti­oxi­da­ti­on zuge­setzt wer­den. Auf die­se tech­ni­schen Funk­tio­nen kommt es der Her­stel­le­rin neben der Erzie­lung des Pökel­aro­mas auch wesent­lich an, wie das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Ver­stoß gegen Denk­ge­set­ze und somit für das Revi­si­ons­ver­fah­ren ver­bind­lich fest­ge­stellt hat (§ 137 Abs. 2 VwGO). Das recht­fer­tigt zugleich, (auch) in der Umrö­tung eine Haupt- und nicht nur eine Neben­wir­kung der Gemü­se­kon­zen­tra­te zu sehen.

Nach den in dem ange­foch­te­nen Urteil getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen sind die Gemü­se­kon­zen­tra­te kei­ne Stof­fe, die in der Regel selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt wer­den. Die Ver­fah­rens­rüge der Her­stel­le­rin bleibt ohne Erfolg (§ 137 Abs. 2 VwGO).

Ein Stoff wird "in der Regel" als Lebens­mit­tel ver­zehrt, wenn der Ver­zehr üblich, also gebräuch­lich oder gän­gig ist [10].

Erfor­der­lich ist eine Ernäh­rungs­pra­xis, die

  • bereits über einen gewis­sen Zeit­raum andau­ert (zeit­li­ches Moment) und
  • bei einer nen­nens­wer­ten Zahl von Ver­brau­chern anzu­tref­fen ist (quan­ti­ta­ti­ves Moment).

Gegen­stand der Beur­tei­lung ist auch in die­sem Zusam­men­hang der zuge­setz­te Stoff in der Beschaf­fen­heit, die er bei sei­ner Ver­wen­dung als Zusatz auf­weist. Das legt bereits der Wort­laut des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008 nahe und wird bestä­tigt durch die Erläu­te­rung zum Anwen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung in Art. 2 Abs.02. Danach gilt die Ver­ord­nung für die dort auf­ge­führ­ten Stof­fe nur, wenn sie als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe ver­wen­det wer­den. Die Rege­lung hat mul­ti­funk­tio­na­le Stof­fe im Blick [11], die je nach Ver­wen­dungs­zu­sam­men­hang zu tech­no­lo­gi­schen Zwe­cken oder aus sons­ti­gen Grün­den ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Art. 2 Abs. 2 VO Nr. 1333/​2008 stellt klar, dass für die Ein­stu­fung des Stof­fes die kon­kret in Rede ste­hen­de Ver­wen­dung maß­geb­lich ist [12]. Dem­zu­fol­ge ist hier weder auf die Aus­gangs­stof­fe der Gemü­se­kon­zen­tra­te abzu­stel­len, noch kommt es dar­auf an, ob ande­re Gemü­semi­schun­gen oder Gemü­se­saft­kon­zen­tra­te, die sich nach den Aus­gangs­stof­fen und der Zusam­men­set­zung von den strei­ti­gen Erzeug­nis­sen unter­schei­den, übli­cher­wei­se als Lebens­mit­tel ver­zehrt wer­den. Eine abwei­chen­de Betrach­tung ist nicht des­halb gebo­ten, weil es sich um Lebens­mit­tel (Gemü­se) in getrock­ne­ter und kon­zen­trier­ter Form han­delt. Das lässt sich aus der Aus­nah­me­re­ge­lung des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a Zif­fer ii VO Nr. 1333/​2008 ablei­ten, die sich aus­drück­lich auf sol­che Lebens­mit­tel bezieht. Dar­aus ergibt sich im Umkehr­schluss, dass jen­seits die­ses Aus­nah­me­tat­be­stan­des die Zuord­nung zu den Zusatz­stof­fen nicht schon des­halb aus­ge­schlos­sen sein soll, weil die Aus­gangs­stof­fe als Lebens­mit­tel ver­zehrt wer­den.

Gemes­sen dar­an han­delt es sich bei den von der Her­stel­le­rin ver­wen­de­ten Gemü­se­kon­zen­tra­ten nicht um Stof­fe, die in der Regel als Lebens­mit­tel ver­zehrt wer­den. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass und war­um es für eine ent­spre­chen­de Ver­zehr­pra­xis kei­ne Anhalts­punk­te gibt. Es hat ins­be­son­de­re dar­auf abge­stellt, dass weder geschmack­li­che noch ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­sche Grün­de für einen regel­haf­ten Lebens­mit­tel­ver­zehr spre­chen und dass die Pro­duk­te nicht als Lebens­mit­tel für den End­ver­brau­cher ver­mark­tet wer­den. Es hat des Wei­te­ren auf den stark erhöh­ten Nitrat­ge­halt und gesund­heit­li­che Erwä­gun­gen ver­wie­sen, die es als aus­ge­schlos­sen erschei­nen las­sen, dass die Gemü­se­kon­zen­tra­te übli­cher­wei­se selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt wer­den. Aus­sa­ge­kräf­ti­ge Bele­ge für das Gegen­teil hat die Her­stel­le­rin weder im erst­in­stanz­li­chen noch im beru­fungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren bei­gebracht. Viel­mehr weist der von der Her­stel­le­rin her­an­ge­zo­ge­ne Gut­ach­ter in sei­ner Stel­lung­nah­me selbst dar­auf hin, dass ein Ver­zehr des Gemü­se­pul­vers und des Saft­kon­zen­trats in unver­dünn­ter Form unüb­lich ist. Soweit die Her­stel­le­rin dar­auf ver­wie­sen hat, die Kon­zen­tra­te lie­ßen sich in auf­be­rei­te­ter Form als Gemü­se­saft ver­zeh­ren, hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt eben­falls mit schlüs­si­ger Argu­men­ta­ti­on aus­ge­führt, dass sich eine ent­spre­chen­de regel­haf­te Ver­zehr­pra­xis nicht fest­stel­len lässt.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Auf­klä­rungs­rü­ge der Her­stel­le­rin greift nicht durch. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­ne Pflicht, den Sach­ver­halt auf­zu­klä­ren (§ 86 Abs. 1 VwGO), nicht ver­letzt. Einen förm­li­chen Beweis­an­trag hat die Her­stel­le­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Beru­fungs­ge­richt aus­weis­lich der Nie­der­schrift nicht gestellt. Ent­ge­gen ihrem Rüge­vor­brin­gen muss­te sich dem Beru­fungs­ge­richt auch nicht auf­drän­gen, ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten dazu ein­zu­ho­len, ob Gemü­semi­schun­gen und Gemü­se­saft-Kon­zen­trat in Deutsch­land und ande­ren Län­dern im All­ge­mei­nen als Lebens­mit­tel ver­zehrt wer­den. Nach der für den gebo­te­nen Umfang der Sach­auf­klä­rung maß­geb­li­chen Sicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts – die, wie gezeigt, nicht zu bean­stan­den ist – ist allein dar­auf abzu­stel­len, ob übli­cher­wei­se nitratrei­che Gemü­se­kon­zen­tra­te, wie sie die Her­stel­le­rin nutzt, als Lebens­mit­tel kon­su­miert wer­den. Das hat das Gericht nach­voll­zieh­bar ver­neint. Aus dem Beru­fungs­vor­brin­gen der Her­stel­le­rin ein­schließ­lich der von ihr vor­ge­leg­ten gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me erge­ben sich kei­ne greif­ba­ren Anhalts­punk­te, die die­se Bewer­tung in Fra­ge stel­len und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des­halb Anlass hät­ten sein müs­sen, Beweis zu erhe­ben. Soweit sie im Revi­si­ons­ver­fah­ren ihren Vor­trag um neue tat­säch­li­che Gesichts­punk­te ergänzt hat, ist die­ses Vor­brin­gen in der Revi­si­ons­in­stanz unbe­acht­lich [13].

Bei den Gemü­se­kon­zen­tra­ten han­delt es sich auch nicht um Stof­fe, die in der Regel als cha­rak­te­ris­ti­sche Lebens­mit­tel­zu­tat ver­wen­det wer­den.

Eine Zutat ist cha­rak­te­ris­tisch im Sin­ne von Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008, wenn sie prä­gen­der Bestand­teil des Lebens­mit­tels ist, also dem Lebens­mit­tel beson­de­re, typi­sche Eigen­schaf­ten ver­leiht [14]. Zusätz­lich bedarf es einer regel­haf­ten Ver­wen­dung als cha­rak­te­ris­ti­sche Zutat, was eine gefes­tig­te, dau­er­haf­te Her­stel­lungs- und Ver­zehr­pra­xis vor­aus­setzt [15]. Nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stan­zen sind die Gemü­se­kon­zen­tra­te kein prä­gen­der Bestand­teil der Fleisch­wa­ren. An den Zusät­zen "Bio" und "Bio­land" im Pro­dukt­na­men der Waren lässt sich eine prä­gen­de Wir­kung nicht fest­ma­chen, weil die alter­na­ti­ve Ver­wen­dung von nitrat­hal­ti­gen Gemü­se­kon­zen­tra­ten anstel­le der Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe E 250 und E 252 inner­halb der "Bio-Bran­che" unter­schied­lich gehand­habt wird. Unter dem Sie­gel "Bio" wer­den auch Fleisch­wa­ren ver­trie­ben, zu deren Her­stel­lung kon­ven­tio­nel­les Nitrit­pö­kel­salz ver­wen­det wird. Nach Art.19 Abs. 2 Buchst. b und Art. 21 VO Nr. 834/​2007 und Art. 27 i.V.m. Anhang VIII Abschnitt A der zuge­hö­ri­gen Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (EG) Nr. 889/​2008 der Kom­mis­si­on vom 05.09.2008 [16] sind Natri­um­ni­trit (E 250) und Kali­um­ni­trat (E 252) zur Ver­wen­dung in der ökologischen/​biologischen Pro­duk­ti­on zuge­las­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat des­halb die Ver­wen­dung der Gemü­se­kon­zen­tra­te als Ersatz für Nitrit­salz ledig­lich als cha­rak­te­ris­tisch für Pro­duk­te des Anbau­ver­ban­des "Bio­land" ange­se­hen und dazu fest­ge­stellt, dass dies für die Annah­me einer regel­haf­ten, cha­rak­te­ris­ti­schen Zutat nicht aus­reicht. Dage­gen ist revi­si­ons­recht­lich nichts zu erin­nern. Da die Gemü­se­kon­zen­tra­te in ihren Wir­kun­gen (Umrö­tung, Pökel­aro­ma, Anti­oxi­da­ti­on) nicht von dem abwei­chen, was her­kömm­lich durch den Zusatz von Nitrit­pö­kel­salz erzielt wird, ver­lei­hen sie den Fleisch­wa­ren schließ­lich auch sonst kei­ne beson­de­ren, cha­rak­te­ris­ti­schen Eigen­schaf­ten.

Die Gemü­se­kon­zen­tra­te sind auch nicht nach Art. 3 Abs. 2 Buchst. a Zif­fer ii VO Nr. 1333/​2008 von der Ein­stu­fung als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe aus­ge­nom­men.

Nach die­ser Bestim­mung gel­ten "Lebens­mit­tel, getrock­net oder in kon­zen­trier­ter Form, ein­schließ­lich Aro­men, die bei der Her­stel­lung von zusam­men­ge­setz­ten Lebens­mit­teln wegen ihrer aro­ma­ti­sie­ren­den, geschmack­li­chen oder ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­schen Eigen­schaf­ten bei­gege­ben wer­den und eine fär­ben­de Neben­wir­kung haben", nicht als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe. Dadurch wer­den Stof­fe aus dem Anwen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung her­aus­ge­nom­men, die vor­ran­gig zu nicht tech­no­lo­gi­schen Zwe­cken zuge­setzt wer­den und zugleich in dem End­erzeug­nis als tech­no­lo­gi­sche Neben­funk­ti­on eine fär­ben­de Wir­kung ent­fal­ten. Ist die Fär­bung hin­ge­gen Haupt­zweck, gilt der Stoff als Lebens­mit­tel­zu­satz­stoff, außer es han­delt sich um einen Stoff, der in der Regel selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt oder als cha­rak­te­ris­ti­sche Lebens­mit­tel­zu­tat ver­wen­det wird [17]. Danach fal­len die strei­ti­gen Gemü­se­kon­zen­tra­te nicht unter die in Art. 3 Abs. 2 Buchst. a Zif­fer ii VO Nr. 1333/​2008 genann­te Stoff­grup­pe. Dabei kann offen blei­ben, ob die Gemü­se­kon­zen­tra­te im Sin­ne der Defi­ni­ti­on wegen ihrer aro­ma­ti­sie­ren­den und geschmack­li­chen Eigen­schaf­ten bei­gege­ben wer­den. Das unter­liegt Zwei­feln, da das Pökel­aro­ma – wie bereits aus­ge­führt – auf einem tech­no­lo­gi­schen Vor­gang beruht und nicht durch eige­ne aro­ma­ti­sie­ren­de und/​oder geschmack­li­che Eigen­schaf­ten der Kon­zen­tra­te bewirkt wird. Unab­hän­gig davon fehlt es an den Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen jeden­falls des­halb, weil die Gemü­se­kon­zen­tra­te nach den für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bin­den­den beru­fungs­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen kei­ne fär­ben­de Neben­wir­kung haben. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat ange­nom­men, dass die bezweck­te Umrö­tung nicht durch eine Farb­ge­bung mit­tels Farb­stoff im Sin­ne der Funk­ti­ons­klas­se 2 des Anhangs I VO Nr. 1333/​2008 erzielt wird, son­dern durch einen che­mi­schen Farb­sta­bi­li­sie­rungs­pro­zess im Sin­ne der Funk­ti­ons­klas­se 24, indem der in den Fleisch­erzeug­nis­sen vor­han­de­ne hit­ze­la­bi­le rote Mus­kel­farb­stoff Myo­glo­bin durch Nitrit in das hit­zesta­bi­le und nach Erhit­zung rosa­far­be­ne Nitro­so­myo­glo­bin umge­wan­delt wird. Dar­über hin­aus ist der tech­no­lo­gi­sche Vor­gang der Farb­sta­bi­li­sie­rung auch nicht nur Neben­wir­kung, son­dern eine Haupt­wir­kung des Zusat­zes der Gemü­se­kon­zen­tra­te.

Aus dem Erwä­gungs­grund 5 der Ver­ord­nung Nr. 1333/​2008 ergibt sich kei­ne abwei­chen­de Beur­tei­lung. Aus des­sen Satz 3 geht her­vor, dass Stof­fe, die zur Aro­ma­ti­sie­rung und/​oder Geschmacks­ge­bung oder zu ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­schen Zwe­cken zuge­setzt wer­den – wie z.B. Sal­z­er­satz­stof­fe, Vit­ami­ne und Mine­ral­stof­fe – nicht als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe gel­ten sol­len. Die­se Ziel­set­zung wird durch Art. 2 Abs. 2 Buchst. c und e sowie in Art. 3 Abs. 2 Buchst. a VO Nr. 1333/​2008 durch das Tat­be­stands­merk­mal der Zuga­be "aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den" umge­setzt. Nach Satz 4 des Erwä­gungs­grun­des 5 VO Nr. 1333/​2008 soll die Ver­ord­nung nicht auf Stof­fe Anwen­dung fin­den, die als Lebens­mit­tel gel­ten und für einen tech­no­lo­gi­schen Zweck ver­wen­det wer­den, wie z.B. Natri­um­chlo­rid oder Safran zum Fär­ben. Dem tra­gen sowohl die Defi­ni­ti­on des Begriffs des Lebens­mit­tel­zu­satz­stoffs durch das Aus­schluss­kri­te­ri­um "in der Regel weder selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt noch als cha­rak­te­ris­ti­sche Lebens­mit­tel­zu­tat ver­wen­det wird" Rech­nung, als auch der Aus­nah­me­tat­be­stand des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a Zif­fer ii VO Nr. 1333/​2008. Schließ­lich stellt Satz 5 des Erwä­gungs­grun­des 5 VO Nr. 1333/​2008 in Abgren­zung zu den in Satz 3 und Satz 4 ange­spro­che­nen Fall­grup­pen klar, dass Zube­rei­tun­gen aus Lebens­mit­teln und ande­ren natür­li­chen Aus­gangs­stof­fen, die in dem End­erzeug­nis eine tech­no­lo­gi­sche Funk­ti­on erfül­len und die durch selek­ti­ve Extrak­ti­on von Bestand­tei­len (z.B. Pig­men­ten) im Ver­gleich zu ihren ernäh­rungs­phy­sio­lo­gi­schen oder aro­ma­ti­sie­ren­den Bestand­tei­len gewon­nen wer­den, als Zusatz­stof­fe im Sin­ne der Ver­ord­nung gel­ten. Die Erwä­gung fin­det sich in der Defi­ni­ti­on des Farb­stoff­be­griffs nach der Funk­ti­ons­klas­se Nr. 2 im Anhang I der Ver­ord­nung wie­der. Die Erläu­te­run­gen in Erwä­gungs­grund 5 bestä­ti­gen damit die Auf­fas­sung, dass Kon­zen­tra­te aus natür­li­chen Aus­gangs­stof­fen wie Gewür­zen oder Gemü­sen, die in der Haupt­funk­ti­on aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den in einem Lebens­mit­tel ver­wen­det wer­den, als Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe ein­zu­stu­fen sind.

Das ent­spricht auch der fach­kun­di­gen Ein­schät­zung des Stän­di­gen Aus­schus­ses für die Lebens­mit­tel­ket­te und Tier­ge­sund­heit vom 14.12 2006 [18], wonach der Zusatz eines stark nitrat­hal­ti­gen Spi­na­t­ex­trakts zu Kon­ser­vie­rungs- und/​oder Farb­sta­bi­li­sie­rungs­zwe­cken bei Würs­ten als Ver­wen­dung eines Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fes anzu­se­hen ist. Zu der­sel­ben Beur­tei­lung kommt die Kom­mis­si­ons­ar­beits­grup­pe "Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe" in Bezug auf Gemü­se­brü­hen, bei denen das ursprüng­lich ent­hal­te­ne Nitrat fer­men­ta­tiv zu Nitrit umge­wan­delt wor­den ist und die zu tech­no­lo­gi­schen Zwe­cken bei der Her­stel­lung von Fleisch­erzeug­nis­sen ein­ge­setzt wer­den [19]. Es ist nicht ersicht­lich, dass die Stel­lung­nah­men die­ser Gre­mi­en durch aktu­el­le­re Äuße­run­gen über­holt sind, die im Streit­fall eine abwei­chen­de Beur­tei­lung nahe­le­gen. Soweit die Her­stel­le­rin eine Akten­no­tiz über ein Gespräch der Inter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung der öko­lo­gi­schen Land­bau­be­we­gun­gen (IFOAM) mit der Gene­ral­di­rek­ti­on Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on (DG SANCO) vor­ge­legt hat, han­delt es sich um den Ver­merk eines Mit­glieds der IFOAM und nicht um eine offi­zi­el­le Ver­laut­ba­rung der Gene­ral­di­rek­ti­on. Zudem lässt sich dar­aus auch inhalt­lich nicht ent­neh­men, dass die DG SANCO Gemü­se­kon­zen­tra­te, die wegen ihres hohen Nitrat­ge­halts zu tech­no­lo­gi­schen Zwe­cken bei der Fleisch­ver­ar­bei­tung ein­ge­setzt wer­den, gene­rell aus dem Anwen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung Nr. 1333/​2008 aus­nimmt.

Nach alle­dem bestehen kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel an der zutref­fen­den Aus­le­gung und Anwen­dung des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a ein­schließ­lich Zif­fer ii VO Nr. 1333/​2008, so dass es kei­ner Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nach Art. 267 AEUV bedarf. Das gilt auch unter Berück­sich­ti­gung der von der Her­stel­le­rin ange­reg­ten Vor­la­ge­fra­gen. Ob es sich bei den in Rede ste­hen­den Gemü­se­kon­zen­tra­ten um Stof­fe han­delt, die übli­cher­wei­se selbst als Lebens­mit­tel ver­zehrt oder als cha­rak­te­ris­ti­sche Lebens­mit­tel­zu­tat ver­wen­det wer­den, ist eine Tat­sa­chen­fra­ge und von den natio­na­len Tat­sa­chen­ge­rich­ten zu beant­wor­ten. Das­sel­be gilt für die Fra­ge, ob die Kon­zen­tra­te aus tech­no­lo­gi­schen Grün­den zuge­setzt wer­den und ob die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 3 Abs. 2 Buchst. a Zif­fer ii VO Nr. 1333/​2008 in tat­säch­li­cher Hin­sicht erfüllt sind.

Die danach erfor­der­li­che zusatz­stoff­recht­li­che Zulas­sung liegt nicht vor. In der Gemein­schafts­lis­te der für die Ver­wen­dung in Lebens­mit­teln zuge­las­se­nen Zusatz­stof­fe [20] sind die Gemü­se­kon­zen­tra­te nicht auf­ge­führt. In Anhang II Teil B ("Lis­te aller Zusatz­stof­fe") unter Nr. 3 ("Ande­re Zusatz­stof­fe als Farb­stof­fe und Süßungs­mit­tel") und Teil E ("Zuge­las­se­ne Lebens­mit­tel­zu­satz­stof­fe und Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen nach Lebens­mit­tel­ka­te­go­rie") unter Nr. 08 ("Fleisch") sind allein Kali­um­ni­trit (E 249), Natri­um­ni­trit (E 250), Natri­um­ni­trat (E 251) und Kali­um­ni­trat (E 252) als Zusatz­stof­fe benannt, die für die Ver­wen­dung in Fleisch zuge­las­sen sind. Nach Anhang II Teil A Nr. 2.1 VO Nr. 1333/​2008 i.d.F. der Ver­ord­nung (EU) Nr.2015/647 der Kom­mis­si­on vom 24.04.2015 [21] müs­sen sie zudem die Bedin­gun­gen ein­hal­ten, die sich aus der Ver­ord­nung (EU) Nr. 231/​2012 der Kom­mis­si­on vom 09.03.2012 [22] im Hin­blick auf Her­kunft, Rein­heits­ge­halt und sons­ti­ge Spe­zi­fi­ka­tio­nen erge­ben. Dass anstel­le des­sen auch Gemü­se­kon­zen­tra­te zuge­las­sen sind, ergibt sich aus der Gemein­schafts­lis­te nicht.

Nichts ande­res gilt mit Blick auf die Lis­te der Zusatz­stof­fe, die nach Art. 27 VO Nr. 889/​2008 bei der Ver­ar­bei­tung von ökologischen/​biologischen Lebens­mit­teln ver­wen­det wer­den dür­fen. Anhang VIII die­ser Ver­ord­nung führt die Stof­fe Natri­um­ni­trit (E 250) und Kali­um­ni­trat (E 252) auf, nicht aber Gemü­se­kon­zen­tra­te als Ersatz­stof­fe. Nach Art. 27 Abs. 3 VO Nr. 889/​2008 war vor dem 31.12 2010 zu über­prü­fen, ob Natri­um­ni­trit und Kali­um­ni­trat aus der Lis­te der zuge­las­se­nen Stof­fe gestri­chen wer­den soll­ten. Bei der Über­prü­fung soll­te den Bemü­hun­gen der Mit­glied­staa­ten um siche­re Alter­na­ti­ven zu Nitriten/​Nitraten Rech­nung getra­gen wer­den. Zu einer Strei­chung der bei­den Stof­fe aus dem Anhang VIII ist es bis­lang nicht gekom­men.

Ohne Erfolg macht die Her­stel­le­rin gel­tend, ihre Fleisch­pro­duk­te wie­sen einen gerin­ge­ren Nitrit­ge­halt auf als Erzeug­nis­se, die unter Ver­wen­dung von Nitrit­pö­kel­salz her­ge­stellt wor­den sei­en. Das erlaubt nicht den Schluss, die Ver­wen­dung der Gemü­se­kon­zen­tra­te als Ersatz für die Zusatz­stof­fe E 249 – 252 sei auch ohne geson­der­te Zulas­sung erlaubt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts haben die Gemü­se­kon­zen­tra­te nicht die Funk­ti­on eines Kon­ser­vie­rungs­stoffs nach Anhang I Nr. 3 VO Nr. 1333/​2008, da hier­für die erziel­te Nitrit­kon­zen­tra­ti­on zu nied­rig ist. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat jedoch bei der Zulas­sung von Nitri­ten (E 249 und E 250) gera­de auf deren tech­no­lo­gi­schen Nut­zen als Kon­ser­vie­rungs­mit­tel in Fleisch­erzeug­nis­sen abge­stellt [23]. Ent­fällt die­ser Nut­zen bei der Ver­wen­dung der Gemü­se­kon­zen­tra­te, ist daher neu zu über­prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­nah­me in die Gemein­schafts­lis­te nach Art. 6 VO Nr. 1333/​2008 vor­lie­gen [24]. Die­se Prü­fung ist nach Art. 10 Abs. 1 VO Nr. 1333/​2008 dem in der Ver­ord­nung Nr. 1331/​2008 fest­ge­leg­ten Ver­fah­ren vor­be­hal­ten. Ver­gleich­ba­res gilt für die Auf­nah­me in die Lis­te der bei der Ver­ar­bei­tung von bio­lo­gi­schen Lebens­mit­teln zuge­las­se­nen Zusatz­stof­fen (vgl. Art. 21 Abs. 1 und 2 VO Nr. 834/​2007).

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 10. Dezem­ber 2015 – 3 C 7.14

  1. ABl. L 354 S. 16[]
  2. ABl. L 266 S. 27; im Fol­gen­den: VO Nr. 1333/​2008[]
  3. ABl. L 189 S. 1; im Fol­gen­den: VO Nr. 834/​2007[]
  4. a.A. Zech­meis­ter, ZLR 2014, 609, 612 ff.[]
  5. vgl. amt­li­che Begrün­dung zu § 39 Abs. 2 Satz 3 LFGB, BT-Drs. 16/​8100 S.20; OVG NRW, Beschluss vom 26.11.2014 – 13 B 1250/​14 – ZLR 2015, 219, 221; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 16.06.2014 – 9 S 1273/​13ZLR 2015, 95 Rn. 21 ff. m.w.N.; BayVGH, Beschluss vom 20.01.2015 – 20 CS 14.2521[]
  6. ABl. L 354 S. 1; im Fol­gen­den: VO Nr. 1331/​2008[]
  7. Zipfel/​Rathke, Lebens­mit­tel­recht, Bd. III, Stand: März 2015, C 121, Art. 3 Rn. 18a[]
  8. Zipfel/​Rathke, Lebens­mit­tel­recht, Bd. III, Stand: März 2015, C 121, Art. 3 Rn. 14 f.; Wehl­au, LFGB, 2010, § 2 Rn. 130[]
  9. Zipfel/​Rathke, a.a.O. Art. 3 Rn. 15[]
  10. BVerwG, Urteil vom 01.03.2012 – 3 C 15.11, Buch­holz 418.710 LFGB Nr. 8 Rn.20[]
  11. vgl. zu dem Begriff Wehl­au, LFGB, 2010, § 2 Rn. 137 und 178[]
  12. Zipfel/​Rathke, Lebens­mit­tel­recht, Bd. III, Stand: März 2015, C 121, Art. 3 Rn. 18a, 28[]
  13. BVerwG, Urteil vom 28.02.1984 – 9 C 981.81, Buch­holz 402.25 § 1 AsylVfG Nr.19 S. 51 f.[]
  14. BVerwG, Urtei­le vom 25.07.2007 – 3 C 21.06, Buch­holz 418.710 LFGB Nr. 4 Rn. 44; und vom 01.03.2012 – 3 C 15.11, Buch­holz 418.710 LFGB Nr. 8 Rn. 16; Wehl­au, LFGB, 2010, § 2 Rn. 156[]
  15. BVerwG, Urteil vom 01.03.2012 – 3 C 15.11 – a.a.O. Rn.20 ff.[]
  16. ABl. L 250 S. 1[]
  17. vgl. Erwä­gungs­grund 5 und Anhang I Nr. 2, Farb­stof­fe VO Nr. 1333/​2008; eben­so die Vor­gän­ger­re­ge­lung des Art. 1 Abs. 3 Spie­gel­strich 1 der Richt­li­nie 94/​36/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 30.06.1994 über Farb­stof­fe, die in Lebens­mit­teln ver­wen­det wer­den dür­fen, ABl. L 237 S. 13, wo bei­spiel­haft Papri­ka, Kur­ku­ma und Safran ange­führt wer­den[]
  18. SANCO – D1(06)D/413447, Bl. 42 d.GA[]
  19. vgl. Euro­pean Com­mis­si­on, Health & Con­su­mer Direc­to­ra­te-Gene­ral, Direc­to­ra­te E – Safe­ty of the Food Chain, SANCO/​E3/​WD/​km D (2010), Bl. 40 d. GA; Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz vom 09.06.2010 an die für die Lebens­mit­tel­über­wa­chung zustän­di­gen obers­ten Lan­des­be­hör­den, Bl. 38 d. GA[]
  20. Anhang II zu der Ver­ord­nung Nr. 1333/​2008 i.d.F. der Ver­ord­nung, EU Nr. 1129/​2011 der Kom­mis­si­on vom 11.11.2011, ABl. L 295 S. 1[]
  21. ABI. L 107 S. 1[]
  22. ABl. L 83 S. 1[]
  23. vgl. Erwä­gungs­grund 6 VO Nr. 1129/​2011[]
  24. vgl. zur Ver­knüp­fung der tech­ni­schen Not­wen­dig­keit mit dem Gesund­heits­schutz auch EuGH, Urtei­le vom 20.03.2003 – C‑3/​00 [ECLI:EU:C:2003:167], Rn. 82; und vom 10.09.2009 – C‑366/​08 [ECLI:EU:C:2009:546], Adolf Dar­bo, Rn. 60[]