Pri­va­te Hal­tung von Krus­ten­ech­sen

Nach einem Urteil des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist die pri­va­te Hal­tung von Krus­ten­ech­sen (Gat­tung Helo­der­ma) in Hes­sen erlaub­nis­pflich­tig. Damit wur­de die Kla­ge eines pri­va­ten Züch­ters die­ser Tie­re auch in zwei­ter Instanz abge­wie­sen.

Pri­va­te Hal­tung von Krus­ten­ech­sen

Der Klä­ger hält min­des­tens 55 Krus­ten­ech­sen in einer Eta­gen­woh­nung in Süd­hes­sen. Eine Erlaub­nis hier­für wur­de ihm vom Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt am 17. April 2008 erteilt. Durch die Befris­tung die­ser Erlaub­nis auf fünf Jah­re, die Pflicht den Tier­be­stand jähr­lich anzu­zei­gen aber auch durch die Geneh­mi­gungs­pflicht als sol­che sieht sich der Klä­ger in sei­nen wis­sen­schaft­li­chen Inter­es­sen als Hal­ter und Züch­ter die­ser Tie­re ver­letzt. Mit sei­ner Kla­ge begehrt er des­halb die Fest­stel­lung, dass er für die Hal­tung von Krus­ten­ech­sen kei­ner Erlaub­nis bedür­fe und die auch bis­her gehal­te­nen Tie­re des­halb nicht habe beim Regie­rungs­prä­si­di­um anmel­den müs­sen, wie dies durch das Hes­si­sche Gesetz über die Sicher­heit und Ord­nung (HSOG) seit Okto­ber 2007 für die nicht gewerbs­mä­ßi­ge Hal­tung von gefähr­li­chen Tie­ren wild­le­ben­der Arten vor­ge­schrie­ben ist. Schließ­lich habe auch das Regie­rungs­prä­si­di­um durch die Ertei­lung der Ge-neh­mi­gung sein wis­sen­schaft­li­ches Inter­es­se an dem Fort­pflan­zungs­ver­hal­ten von Krus­ten­ech­sen als schutz­wür­dig aner­kannt. Auch sei­en Krus­ten­ech­sen, die zur Klas­se der Rep­ti­li­en gehö­ren, zwar gif­tig, aber für Men­schen nicht so gefähr­lich, wie dies vom Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt ange­nom­men wer­de.

In ers­ter Instanz blieb die Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main ohne Erfolg. Auch die dage­gen ein­ge­leg­te Beru­fung wur­de vom Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­ge­wie­sen:

Die in Hes­sen gel­ten­de gesetz­li­che Bestim­mung über die Hal­tung gefähr­li­cher Tie­re (§ 43a HSOG) sei mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, so der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof. Dies habe der Hes­si­sche VGH bereits in sei­nem rechts­kräf­ti­gen Urteil vom 4. März 2010 in einem Ver­fah­ren, in dem es um ver­gleich­ba­re Pro­ble­me bei der Hal­tung von Gift­schlan­gen in einer Pri­vat­woh­nung ging, fest­ge­stellt. Danach sei die gesetz­li­che Erlaub­nis­pflicht für das Hal­ten gefähr­li­cher Tie­re, wie z. B. gif­ti­ge Rep­ti­li­en gerecht­fer­tigt, weil schon ein bestehen­der Gefah­ren­ver­dacht bzw. ein vor­han­de­nes „Besorg­nis­po­ten­zi­al“ das gesetz­li­che Ver­bot der pri­va­ten Hal­tung ent­spre­chen­der Tie­re bei einem ent­spre­chen­den Erlaub­nis­vor­be­halt ver­hält­nis­mä­ßig erschei­nen las­se. Ein der­ar­ti­ges Gefähr­dungs­po­ten­zi­al sei auch bei den Krus­ten­ech­sen gege­ben, die zu den gif­ti­gen Rep­ti­li­en zäh­len. Nach vor­lie­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen sei der Biss die­ser Tie­re auch für Men­schen gefähr­lich, u. U. sogar töd­lich.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 26. August. 2010 – 8 A 121/​10