Prü­fung von Moni­to­ring­kon­zep­ten im Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­del

Die für den Voll­zug der §§ 4 und 5 des Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­dels­ge­set­zes (TEHG) zustän­di­gen Lan­des­be­hör­den sind nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in Leip­zig ver­pflich­tet, die von den betrof­fe­nen Unter­neh­men erstell­ten Moni­to­ring­kon­zep­te zu über­prü­fen und – bei Über­ein­stim­mung mit den dafür gel­ten­den Bestim­mun­gen – zu geneh­mi­gen.

Prü­fung von Moni­to­ring­kon­zep­ten im Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­del

Die Klä­ge­rin, ein Unter­neh­men zur Her­stel­lung von Ton­bau­stof­fen (Vor­mau­er­zie­gel), unter­fällt dem Anwen­dungs­be­reich des TEHG. Sie ist danach u.a. ver­pflich­tet, die durch sei­ne Tätig­keit ver­ur­sach­ten CO2-Emis­sio­nen zu ermit­teln und dar­über – unter Ein­schal­tung sach­ver­stän­di­ger Stel­len – an die zustän­di­ge Lan­des­be­hör­de zu berich­ten. Das Über­wa­chungs- und Berichts­ver­fah­ren ist durch die so genann­ten Moni­to­ring-Leit­li­ni­en der Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, auf die das TEHG Bezug nimmt, näher aus­ge­stal­tet. Nach deren Anhang I Abschnitt 4.3 Abs. 3 "über­prüft und geneh­migt" die zustän­di­ge Behör­de das vom Anla­gen­be­trei­ber erstell­te Moni­to­ring­kon­zept. Feh­ler­haf­te Moni­to­ring­kon­zep­te kön­nen – wenn sie nicht recht­zei­tig kor­ri­giert wer­den – ver­schie­de­ne gesetz­li­che Sank­tio­nen aus­lö­sen.

Die Klä­ge­rin begehrt die voll­um­fäng­li­che Geneh­mi­gung des Moni­to­ring­kon­zep­tes für CO2-Emis­sio­nen ihres Wer­kes in Bannberscheid/​Rhein­land-Pfalz. Nach den § 5 und § 6 des Treib­haus­gas-Emis­si­ons­han­dels­ge­set­zes (TEHG) müs­se sie ihre Emis­sio­nen jähr­lich nach den gemein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben der Moni­to­ring-Leit­li­ni­en ermit­teln und der zustän­di­gen Behör­de berich­ten. Nach Durch­lau­fen eines Veri­fi­zie­rungs­ver­fah­rens und Vor­la­ge der Daten an die Deut­sche Emis­si­ons­han­dels­stel­le (Umwelt­bun­des­amt) wür­den von dort bei einer Feh­ler­haf­tig­keit des Moni­to­ring­kon­zep­tes und damit auch der Emis­si­ons­er­mitt­lun­gen Sank­tio­nen dro­hen. Eine vor­he­ri­ge Geneh­mi­gung des Moni­to­ring­kon­zep­tes wür­de dies aus­schlie­ßen.

Das beklag­te Land Rhein­land-Pfalz lehn­te den unter Beru­fung auf die Bestim­mun­gen der §§ 5 und 6 TEHG gestell­ten Geneh­mi­gungs­an­trag gleich­wohl ab, weil sei­ner Auf­fas­sung nach das natio­na­le Recht kei­ne Geneh­mi­gung der Moni­to­ring­kon­zep­te vor­se­he, son­dern mit der unmit­tel­ba­ren Gel­tung der Ver­pflich­tun­gen der Betrei­ber von Alt­an­la­gen bzw. der Anord­nung einer fik­ti­ven Geneh­mi­gung zuläs­si­ger­wei­se eine abwei­chen­de Rege­lung ent­hal­te. Ledig­lich Abwei­chun­gen von den Moni­to­ring-Leit­li­ni­en sei­en zu bil­li­gen. Mit dem Ansin­nen der Klä­ge­rin wür­de sich ein nicht hin­nehm­ba­rer Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bin­den.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz 1 hat die­se Rechts­auf­fas­sung nicht geteilt und das Land Rhein­land-Pfalz zu einer erneu­ten Ent­schei­dung ver­ur­teilt. Nach den Bestim­mun­gen des Gemein­schafts­rechts, die zusätz­lich in natio­na­les Recht über­ge­lei­tet wor­den sei­en, müs­se das Moni­to­ring­kon­zept im Gan­zen geneh­migt wer­den; über die Geset­zes­kon­for­mi­tät des Emis­si­ons­kon­zep­tes der Klä­ge­rin müs­se der Beklag­te noch befin­den. Die gegen gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz gerich­te­te Sprung­re­vi­si­on des beklag­ten Lan­des hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt zurück­ge­wie­sen.

Zur Begrün­dung stütz­te sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt eben­falls auf das in den Moni­to­ring-Leit­li­ni­en auf­ge­stell­te Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis, das durch die Bezug­nah­me im TEHG in natio­na­les Recht umge­setzt wor­den sei. Eine aus­drück­li­che abwei­chen­de Rege­lung sehe das TEHG nicht vor. Das gel­te ins­be­son­de­re für die Bestim­mung des § 4 Abs. 7 Satz 1 TEHG, der für Alt­an­la­gen kei­ne fik­ti­ve Geneh­mi­gung des Moni­to­ring­kon­zepts begrün­de. Die somit bestehen­de Prü­fungs- und Geneh­mi­gungs­pflicht rich­te sich an die zustän­di­gen Lan­des­be­hör­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Febru­ar 2010 – 7 C 10.09

  1. VG Koblenz – 1 K 1305/​08[]