Rodeo? Nur ohne Spo­ren!

Rodeo­ver­an­stal­tun­gen genie­ßen in Deutsch­land kei­ne tier­schutz­recht­li­che Pri­vi­li­gie­rung als "Sport­ver­an­stal­tung". Bei ihnen ist daher sicher­zu­stel­len, dass den Tie­ren kei­ne Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den jeg­li­cher Art zuge­fügt wer­den.

Rodeo? Nur ohne Spo­ren!

Bei den drei Rodeo­dis­zi­pli­nen des Bul­len­rei­tens und des Wild­pfer­drei­tens mit und ohne Sat­tel muss der Ein­satz der Tie­re den Anfor­de­run­gen des § 3 Nr. 6 TierSchG genügen.Ein Ver­bot der Ver­wen­dung des sog. Flan­ken­gurts darf als Auf­la­ge einer Erlaub­nis nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 c TierSchG gemäß § 11 Abs. 2 a Satz 1 TierSchG nur bei­gefügt wer­den, wenn fest­steht, dass der Ein­satz des Flan­ken­gurts mit Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den für das Tier ver­bun­den ist.

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg ent­schie­de­nen Rechts­streit führt der Klä­ger im gan­zen Bun­des­ge­biet gewerbs­mä­ßig Rodeo-Ver­an­stal­tun­gen mit Pfer­den und Rin­dern durch. In der auf zwei Jah­re befris­te­ten Betriebs­er­laub­nis für den Stand­ort Her­bolz­heim wur­de ihm unter ande­rem unter­sagt, Spo­ren bei den Dis­zi­pli­nen Wild­pfer­drei­ten mit Sat­tel, Wild­pfer­drei­ten ohne Sat­tel und Bul­len­rei­ten ein­zu­set­zen sowie Flan­ken­gur­te zu ver­wen­den. Außer­dem wur­de ange­ord­net, dass Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de, Gerä­te und Hilfs­mit­tel nur so ein­ge­setzt wer­den dürf­ten, dass sie den Tie­ren kei­ne Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zufüg­ten. Hilfs­mit­tel wie Lei­nen, Gur­te oder Rie­men, die am Tier in irgend­ei­ner Wei­se befes­tigt sei­en, dürf­ten nicht unkon­trol­liert am Boden schlei­fen oder vom Tier hin­ter sich her­ge­zo­gen wer­den. Die Teil­neh­mer einer Rodeo­ver­an­stal­tung sei­en vor­her dar­auf hin­zu­wei­sen, dass den Tie­ren kei­ne Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zuge­fügt wer­den dürf­ten. Begrün­det wur­den die Neben­be­stim­mun­gen mit dem Tier­schutz­ge­setz, das die Her­an­zie­hung eines Tie­res zur Schau­stel­lung oder zu ähn­li­chen Ver­an­stal­tun­gen ver­bie­te, sofern damit Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den jeg­li­cher Art ver­bun­den sei­en.

Dem­ge­gen­über hat der Klä­ger die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Rodeo-Tur­nie­re auf der Grund­la­ge des Rule­book der European Rodeo Cow­boy Asso­cia­ti­on sei­en Sport­ver­an­stal­tun­gen, bei denen die Tie­re nach dem Tier­schutz­recht ein­fa­che Schmer­zen hin­zu­neh­men hät­ten und nur das Zufü­gen erheb­li­cher Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den ver­bo­ten sei.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg ist die­ser Auf­fas­sung des Klä­gers nicht gefolgt und hat die tier­schutz­recht­li­che Neben­be­stim­mun­gen zu der Erlaub­nis für den Rodeo­be­trieb über­wie­gend als recht­mä­ßig bestä­tigt und nur fest­ge­stellt, dass das Ver­bot, einen Flan­ken­gurt zu ver­wen­den, rechts­wid­rig war.

Nach dem Tier­schutz­ge­setz sei es ver­bo­ten, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, ein Tier zur Schau­stel­lung oder zu einer ähn­li­chen Ver­an­stal­tung her­an­zu­zie­hen, sofern damit Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den für das Tier ver­bun­den sei­en. Bei den hier strei­ti­gen vier Dis­zi­pli­nen, dem Bul­len­rei­ten, dem Wild­pfer­drei­ten mit und ohne Sat­tel und dem Wild Hor­se Race, wür­den die Tie­re in ihrem natür­li­chen oder antrai­nier­ten Abwehr­ver­hal­ten zur Schau gestellt und als Instru­men­te einer Vor­füh­rung mit zir­kus­ähn­li­chem Cha­rak­ter ein­ge­setzt. Des­halb sei­en sie auch vor ein­fa­chen Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zu schüt­zen. Dies gel­te selbst dann, wenn man mit dem Klä­ger anneh­me, die vier Dis­zi­pli­nen sei­en als Sport­ver­an­stal­tun­gen ein­zu­stu­fen. Auch dann dür­fe die Schau­stel­lung der Tie­re nicht mit Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den für sie ver­bun­den sein.

Des­halb sei die Auf­la­ge, Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de, Gerä­te und Hilfs­mit­tel nur so ein­zu­set­zen, dass sie den Tie­ren kei­ne Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zufüg­ten, eben­so wenig zu bean­stan­den wie die Hin­weis­pflicht gegen­über den Teil­neh­mern an Rodeo­ver­an­stal­tun­gen. Der Ein­satz von Spo­ren bei den drei Dis­zi­pli­nen des Bul­len­rei­tens und des Wild­pfer­drei­tens mit und ohne Sat­tel sei zu Recht unter­sagt wor­den. Auch wenn es sich nicht um Spo­ren im her­kömm­li­chen Sinn han­de­le und sie weder Stich- noch Schnitt­ver­let­zun­gen ver­ur­sach­ten, sei­en sie geeig­net, bei den Tie­ren zumin­dest ein­fa­che Schmer­zen zu ver­ur­sa­chen. Auf­grund der gewoll­ten und teil­wei­se sogar antrai­nier­ten Abwehr­re­ak­tio­nen der Tie­re kön­ne es zu hef­ti­gem und ruck­ar­ti­gem Auf­schla­gen der Spo­ren auf die Haut der Tie­re kom­men. Die hef­ti­gen Abwehr­re­ak­tio­nen der Tie­re durch Buckeln und Aus­schla­gen schlös­sen es auch für geüb­te und erfah­re­ne Rei­ter aus, in jeder Pha­se des Ritts den Ein­satz ihrer Spo­ren zu kon­trol­lie­ren.

Eben­falls recht­mä­ßig sei, so die Frei­bur­ger Ver­wal­tungs­rich­ter, das Ver­bot, beim Wild Hor­se Race sowie beim Wild­pfer­drei­ten mit Sat­tel am Tier befes­tig­te Hilfs­mit­tel unkon­trol­liert am Boden schlei­fen oder vom Tier hin­ter sich her­zie­hen zu las­sen. Es kön­ne vor­kom­men, dass ein Pferd auf ein Seil auf dem Boden tre­te und dadurch einen Ruck auf das Half­ter und damit zumin­dest ein­fa­che Schmer­zen aus­lö­se. Auch die Gefahr eines Stur­zes mit mög­li­cher­wei­se gra­vie­ren­den Fol­gen sei nicht von der Hand zu wei­sen.

Dage­gen sei es rechts­wid­rig gewe­sen, die Ver­wen­dung des Flan­ken­gurts beim Bul­len­rei­ten und Wild­pfer­drei­ten mit und ohne Sat­tel zu unter­sa­gen. Nach der tier­schutz­fach­li­chen Bewer­tung, von der das Regie­rungs­prä­si­di­um selbst aus­ge­he, sei nicht nach­weis­bar, dass die Ver­wen­dung des Gurts für die Tie­re mit Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den ver­bun­den sei. Dass dies nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, recht­fer­ti­ge die Unter­sa­gung nicht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Urteil vom 24. Febru­ar 2010 – 1 K 338/​08