Tro­phä­en­fi­schen im Angel­teich

Das Tro­phä­en­fi­schen, bei dem gro­ße Fische nach einem Angel­vor­gang ("Drill") lebend aus dem Was­ser geho­ben, ohne Betäu­bung oder Tötung vom Angel­ha­ken gelöst, gemes­sen, vor einer Kame­ra prä­sen­tiert und anschlie­ßend wie­der in das Gewäs­ser gesetzt wer­den, ver­stößt gegen das Tier­schutz­ge­setz.

Tro­phä­en­fi­schen im Angel­teich

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fall betreibt der Antrag­stel­ler gewerbs­mä­ßig eine Angel­teich­an­la­ge in Vre­den. Dort bie­tet er an, sowohl Forel­len als auch kapi­ta­le Fische wie Stö­re, Wel­se, Hech­te und Karp­fen gegen Bezah­lung zu angeln. Nach­dem der Kreis Bor­ken fest­ge­stellt hat­te, dass bezüg­lich der Anla­ge des Antrag­stel­lers meh­re­re Straf­an­zei­gen erstat­tet wor­den waren und auch in den Medi­en über nicht tier­schutz­ge­rech­te Metho­den berich­tet wor­den war, for­der­te er mit Ord­nungs­ver­fü­gung vom 31. Juli 2014 den Antrag­stel­ler auf sicher­zu­stel­len, dass die gean­gel­ten Fische unver­züg­lich waid­ge­recht ange­lan­det, betäubt, getö­tet und vom Angel­ha­ken gelöst wer­den, unter­sag­te ihm das Wie­der­ein­set­zen von bereits gean­gel­ten Fischen und gab ihm auf, durch Erstel­len einer Teich­ord­nung sicher­zu­stel­len, dass ein Ver­stoß gegen die­se Anord­nun­gen durch ande­re Per­so­nen ver­hin­dert wer­de. Außer­dem ord­ne­te der Kreis Bor­ken die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Ver­fü­gung an und droh­te dem Antrag­stel­ler für jeden Fisch, der ent­ge­gen der Anord­nun­gen gean­gelt wer­de, ein Zwangs­geld von 2000 Euro an. Hier­ge­gen erhob der Antrag­stel­ler Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, über die noch nicht ent­schie­den ist. Zudem bean­trag­te er, die auf­schie­ben­de Wir­kung der Kla­ge wie­der her­zu­stel­len.

Dies lehn­te das Gericht nun­mehr im Wesent­li­chen ab. In der Begrün­dung des Beschlus­ses heißt es unter ande­rem: Die Auf­for­de­rung, die Fische waid­ge­recht zu angeln, sowie das Ver­bot, sie wie­der in das Gewäs­ser ein­zu­set­zen, erwie­sen sich als offen­sicht­lich recht­mä­ßig. Bei­de Anord­nun­gen dien­ten zur Ver­hin­de­rung von künf­ti­gen Ver­stö­ßen gegen das Tier­schutz­ge­setz. Danach dür­fe nie­mand einem Tier ohne ver­nünf­ti­gen Grund Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zufü­gen. Hier sei hin­rei­chend belegt, dass in dem vom Antrag­stel­ler betrie­be­nen Angel­teich Fische mit lang andau­ern­dem Drill gean­gelt, ohne Unter­fang­ke­scher ange­lan­det, lebend vor der Kame­ra als Tro­phäe prä­sen­tiert, anschlie­ßend ohne Betäu­bung abge­hakt und wie­der in das Gewäs­ser zurück­ge­setzt wor­den sei­en. Die Fische sei­en teil­wei­se meh­re­re Minu­ten an Land lie­gen geblie­ben, bevor sie in das Gewäs­ser zurück­ge­setzt wor­den sei­en. Durch die­se Hand­lun­gen wür­den bei den Fischen zumin­dest erheb­li­che Stress­si­tua­tio­nen her­vor­ge­ru­fen, die zu län­ger anhal­ten­den Lei­den führ­ten. Ein ver­nünf­ti­ger Grund hier­für lie­ge nicht vor. Die Fische sei­en nicht zum Nah­rungs­er­werb und zur Lebens­mit­tel­ge­win­nung gean­gelt wor­den, son­dern allein, um die Erfah­rung des lan­gen Drills beim Angeln zu machen und mit dem meist kapi­ta­len Fisch vor der Kame­ra zu posie­ren. Inso­weit über­wie­ge ange­sichts der Bedeu­tung des Tier­schut­zes das öffent­li­che Inter­es­se die rein wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des Antrag­stel­lers an der vor­läu­fi­gen Wei­ter­füh­rung die­ser Art des Angelns. Ledig­lich die Anord­nung, eine Teich­ord­nung zu erstel­len, sei nicht not­wen­dig gewe­sen, weil der Antrag­stel­ler die­se Anord­nung bereits vor Erlass der Ord­nungs­ver­fü­gung erfüllt gehabt habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 30. Janu­ar 2015 – 1 L 615/​14